Thrombozyten zu niedrig, wenn es aufgrund einer geringeren Anzahl von Blutplättchen zu einer erhöhten Blutungsneigung kommen kann.
Erfahrungs Berichte
Bei Thrombozyten handelt es sich um einen zellulären Bestandteil des Blutes, die sogenannten Blutplättchen. Sie spielen in der Blutgerinnung eine wichtige Rolle. Ihre Aufgabe ist es, die primäre Blutstillung zu vermitteln und bei der Auslösung der Gerinnungskaskade, die letztendlich zum Blutungsstopp führt, mitzuwirken. Sind die Thrombozyten zu niedrig, liegt eine Thrombozytopenie, also ein Mangel an Thrombozyten vor. Definitionsgemäß liegt der Wert der Plättchen bei einer Thrombozytopenie unter 150.000/µl. Eine erhöhte Blutungsneigung liegt i. d. R. bei Werten unter 100.000/µl vor.
Wie gefährlich eine verminderte Thrombozytenzahl ist, hängt vom Ausprägungsgrad des Mangels ab.
Wie oben bereits erwähnt liegt bereits ab einem Wert unter 150.000 Thrombozyten/µl eine Thrombozytopenie vor.
Dies bleibt jedoch meistens unbemerkt.
Erst ab einem Wert unter 100.000/µl kann es zu einer verlängerten Blutungszeit bei größeren Verletzungen kommen.
Liegt die Thrombozytenzahl unter 50.000 Plättchen/µl, kann es auch bereits bei kleineren Verletzungen zu längeren Blutungen kommen.
Spontane Blutungen ohne adäquates Verletzungsereignis treten bei Werten unter 30.000/µl auf.
Die Gefahr einer inadäquaten Blutstillung liegt in einem erhöhten Blutverlust, der je nach Ausprägung zu einem mit Organschädigung einhergehenden Sauerstoffmangel im Gewebe führen kann.
Die erste Anlaufstelle beim Auftreten von Blutgerinnungsstörungen ist der Hausarzt.
Dieser entscheidet, ob eine tiefgründige Diagnostik notwendig ist.
Innerhalb der Fachrichtung Hämatologie, welche sich mit Erkrankungen des Blutes und des blutbildenden Systems befasst, gibt es Gerinnungsspezialisten, welche durch ein gezieltes Abfragen von Symptomen und spezifische Blutuntersuchungen, Gerinnungsstörungen diagnostizieren können.
In vielen Fällen reicht allerdings eine Beurteilung durch den Hausarzt, da auch dieser durch eine Blutentnahme oder anhand der Krankengeschichte bereits einen Thrombozytenmangel und dessen Ursache feststellen kann.
Grundsätzlich gibt es zwei Ursachen, die einer verminderten Thrombozytenzahl zugrunde liegen können.
Hinweis! Ob und wie schnell sich die Symptome bei erniedrigten Thrombozyten entwickeln, hängt vom Ausprägungsgrad und der Ursache ab.
Nicht nur die Thrombozyten können ursächlich für eine Blutungsneigung sein.
Auch die sekundäre Blutstillung, die durch verschiedene Gerinnungsfaktoren vermittelt wird, kann aufgrund einer Vielzahl an Ursachen gestört sein. Beispielsweise kann ein Vitamin-K-Mangel zu einer gestörten Synthese einiger Gerinnungsfaktoren führen.
Erkrankungen der Leber können solch eine Synthesestörung ebenfalls zur Folge haben, da es sich bei den Gerinnungsfaktoren um Proteine handelt, welche in der Leber produziert werden.
Hinweis! Da viele verschiedene Ursachen hinter einer erhöhten Blutungsneigung stehen können, sollte beim Auftreten dieses Symptoms eine ausführliche Diagnostik erfolgen.
Die Behandlung einer Thrombozytopenie richtet sich nach der Grunderkrankung bzw. der Ursache des Thrombozytenmangels.
Meist normalisiert sich die Thrombozytenzahl bei erfolgreicher Therapie der Grunderkrankung wieder.
Die Prognose bei verminderter Thrombozytenzahl hängt von der zugrunde liegenden Ursache ab.
Darüber lässt sich leider keine allgemeine Aussage treffen, da verschiedene Grunderkrankungen für einen Thrombozytenmangel verantwortlich sein können.
Auch innerhalb einer Grunderkrankung gibt es verschiedene Schweregrade.
So kann beispielsweise ein Infekt zu unterschiedlichen Ausprägungen einer Thrombozytopenie führen, je nachdem wie schwerwiegend der Infekt selbst ist.
Es kann zu einer folgenlosen Ausheilung des Infekts kommen, was auch eine Normalisierung der Thrombozytenzahl zur Folge hätte.
Bei einer schweren Sepsis (umgangssprachlich auch „Blutvergiftung“ genannt) jedoch kann es zur sogenannten disseminierten intravasalen Gerinnung kommen, die mit einem schwerwiegenden Thrombozytenverbrauch und begleitenden diffus im Körper verteilten Blutgerinnseln einhergeht und unter Umständen tödlich verlaufen kann.
Auch bei bösartigen Erkrankungen ist die Prognose vom Krankheitsbild und dem jeweiligen Stadium abhängig.
Liegt dem Thrombozytenmangel ein reversibler Grund, wie zum Beispiel ein Vitaminmangel, zugrunde, erholt sich dieser nach Behebung der Ursache in der Regel wieder vollständig.
Das Spektrum der von einem Thrombozytenmangel betroffenen Patientengruppe ist groß, da sowohl eine gestörte Synthese der Blutplättchen als auch deren vermehrter Verbrauch ursächlich für das Erscheinungsbild einer Thrombozytopenie sein kann.
| Eigenschaft | Wert |
|---|---|
| Anatomie | Blut, Thrombozyten (Blutplättchen), Knochenmark, Milz |
| Differentialdiagnose | Immune Thrombozytopenie (ITP), aplastische Anämie, Knochenmarkserkrankungen, Infektionen (z. B. HIV, Hepatitis), Medikamenteninduzierte Thrombozytopenie, Verbrauchskoagulopathien (DIC), Lebererkrankungen |
| Medikamente | Glukokortikoide, Immunsuppressiva (bei Autoimmun), Thrombozytenkonzentrate bei akuter Blutungsgefahr, Therapie der Grunderkrankung |
| Epidemiologie | häufigkeit abhängig von Ursache; ITP ca. 2–5 pro 100.000 Erwachsene/Jahr; bei Krankenhauspatienten oft medikamenten- oder infektionsbedingt |
| Prognose | abhängig von Ursache; reversible Ursachen haben gute Prognose, chronische Ursachen (ITP, Knochenmarkserkrankungen) können persistieren und Blutungsrisiko erhöhen |
| Verlauf | akut oder chronisch; meist schleichend, gelegentlich plötzlich; Blutungsrisiko steigt bei sinkender Thrombozytenzahl |
| Pathophysiologie | verminderte Thrombozytenproduktion im Knochenmark, gesteigerter Abbau (autoimmun oder Verbrauch) oder Sequestrierung in Milz → niedrige Thrombozytenzahl |
| Komplikation | innere Blutungen, Hirnblutungen, Magen-Darm-Blutungen, verlängerte Blutungszeit bei Verletzungen |
| Behandlung | ursachenorientiert: Therapie der Grunderkrankung, Immunsuppressiva, Thrombozytenkonzentrate bei kritischer Thrombozytenzahl, Transfusion bei Blutungen |
| Primärvorbeugung | nicht spezifisch möglich; Vermeidung von Risikomedikamenten und toxischen Substanzen |
| Sekundärvorbeugung | regelmäßige Blutbildkontrollen bei Risikopatienten, frühzeitige Therapie bei fallender Thrombozytenzahl |
| Risikofaktoren | Medikamente (Heparin, Chemotherapie), Autoimmunerkrankungen, Infektionen, Knochenmarkserkrankungen, Schwangerschaft, Splenomegalie |
| Anzeichen | Petechien, Blutergüsse, Nasenbluten, Zahnfleischbluten, verlängerte Blutungsdauer, Müdigkeit bei Blutverlust |
| Stadien | mild (>100.000/µl), moderat (50.000–100.000/µl), schwer (<50.000/µl), kritisch (<20.000/µl) |
| Diagnostik | Blutbild, Blutgerinnungstests, Knochenmarkaspiration/-biopsie bei unklarer Ursache, Immunologische Tests, Infektionsdiagnostik, Anamnese |