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pfeilWas ist das?

Unter einer Analfistel versteht man einen neu entstandenen, entzündeten Gang (Fistel) in der Analregion. Eine Analfistel ist die chronische Form des Analabszesses.

Epidemiologische FaktenHäufigkeit~ 2 / 10.000
Alters FaktenAlter~ 30. - 50.
Geschlecht FaktenGeschlecht♂ > ♀
pfeilIst das gefährlich?

An sich ist eine Analfistel nicht gefährlich.

Die Fistel in der Analregion ist eher lästig und teilweise nicht so einfach zu therapieren.
In der Regel können aber mittels Operation sehr gute Ergebnisse erzielt werden.

Wenn jedoch erst spät therapiert wird, steigt das Risiko der Chronifizierung.
Das bedeutet, dass die Fistel über einen sehr langen Zeitraum besteht oder immer wieder auftritt.

Es kann auch zu Komplikationen, wie einem Analabszess kommen, der ernst zu nehmen ist und therapiert werden muss.
Oftmals ist dieser jedoch so schmerzhaft, dass die Betroffenen von alleine ärztlich vorstellig werden. Therapiert wird dieser meist ebenfalls operativ.

pfeilWann zum Arzt?

Bei immer wieder verschmutzter Unterwäsche (gelblich-blutige Flecken) sollte ein Arzt aufgesucht werden.
Besonders, wenn immer wieder Blut oder Eiter zu sehen sind.

Auch bei Schmerzen während der Defäkation (Stuhlgang), die lange anhalten und nicht erklärlich sind (z. B. nicht wegen besonders hartem Stuhlgang oder bei Verstopfung), sollte man ärztlich vorstellig werden.

Eine Analfistel muss therapiert werden, da sie selten von alleine verschwindet und es sonst zu Komplikationen kommen kann.

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Einteilung & Formen

Analfisteln können nach Umfang und nach Verlauf eingeteilt werden.

  • Einteilung nach Umfang – Der Umfang beschreibt, ob ein Abszess schon perforiert ist, also sich geöffnet hat oder nicht.
  • Einteilung nach Verlauf –  der Verlauf beschreibt die genaue Lokalisation innerhalb des Analbereichs.
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Ursachen Analfistel

  • Analabszess – Wenn sich der Abszess spontan entleert oder chirurgisch geöffnet wird, kann ein Gang (Fistelgang) entstehen.
    Oftmals ist eine Analkrypte entzündet bzw. dort sitzt der Abszess, der dann Anschluss an die Drüsen im Analbereich bekommt (Proktodealdrüsen).
    Der Gang, der dann zwischen der entzündeten Analdrüse im Inneren und der Schleimhaut bzw. Haut entsteht, ist der Fistelgang.
  • Grunderkrankungen – Seltene Ursachen, hier liegt meist eine Grunderkrankung vor, bei denen eines der möglichen Symptome eine Anafistel auftritt. 
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Symptome Analfistel

  • Asymptomatisch (ohne Anzeichen) – Analfisteln verursachen oft nur wenige Beschwerden
  • Blutungen (im Analbereich)  → verschmutze Unterwäsche des Betroffenen
  • Schmerzen am After – Stechen im Analbereich.
  • Nässen
  • Eiterabsonderungen – aus dem Fistelgang.
  • Stuhlabgang – bei sehr großen Fisteln kann es sogar zu Stuhlabgang über die Fistel während der Defäkation kommen.
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Diagnose Analfistel

  • Anamnese (Arzt-Patienten-Gespräch)
    • Symptome?
    • Grunderkrankung?
    • Bereits ein Analabszess in der Vergangenheit?
  • Körperliche Untersuchung
    • Blickdiagnose – Inspektion (Begutachten) der Analregion.
    • Palpation (Abtasten), DRU (digital rektale Untersuchung → Einführen des Fingers ins Rektum, Abtasten der Analschleimhaut, Begutachten des Fingers, nach dem Rausziehen → Blut?) 
    • Sondierung des Gangs
  • Rektoskopie – zum Aufsuchen der inneren Öffnung, im Rahmen dessen kann auch bestimmtes Farbmittel (z. B. Methylenblau oder Gentianaviolett) gespritzt werden, um den Gang gänzlich darzustellen und sichtbar zu machen.
  • Endosonographie (Ultraschall von innen
  • MRT (Magnetresonanztomografie)
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Bilder

Bei einer Anafistel kann man teilweise eine Öffnung, wie ein Loch, an der Haut oder manchmal auch an der Schleimhaut des Analbereiches sehen.

Manchmal ist der Gang „versteckt“ und unter dem Hautniveau eingesunken und wird erst durch Spreizen der Analhaut sichtbar, bei anderen kann sich aber auch wie eine Erhebung (eine Art Warze) darstellen, auf der man einen Gang münden sieht.

Die Öffnung kann gerötet, druckschmerzhaft und leicht geschwollen sein oder aber einfach „wie ein Loch aussehen“.
Auf Druck können sich Blut oder Eiter entleeren.

Nicht immer sieht man jedoch die Öffnung bzw. einen Gang, da er teilweise auch im Inneren des Analkanals oder gar des Rektums enden kann.

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Du kannst natürlich jederzeit eine Entfernung beatragen!
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Differenzialdiagnose

  • Perianalthrombose (Analvenenthrombose) – Eine Thrombose einer Analvene.
    Diese ist ungefährlich und kann nicht wie z. B. eine Thrombose im Bein weitergeleitet werden und eine Lungenembolie o. ä. auslösen.
    Symptome sind Schmerzen im Analbereich, besonders bei Defäkation und teilweise auch Blut im Stuhl oder der Unterwäsche. 
  • Hämorrhoidalprolaps – Davon spricht man, wenn die Hämorrhoiden so weit fortgeschritten sind, dass sie wortwörtlich aus dem Analkanal „herausfallen“ (prolabieren).
    Es kommt zu Schmerzen während der Defäkation (Schmerzen beim Stuhlgang) und Blut im Stuhl und in der Unterwäsche.
    Zudem kann man die Hämorrhoiden von außen sehen und tasten.
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Behandlung Analfistel

  • Operation – Eine Analfistel muss in der Regel operiert werden.
    Nur selten erzielen konservative Methoden nachhaltigen Erfolg. Von alleine heilen die Fistelgänge nicht wieder zu.
    Ziel der Operation ist es, Komplikationen wie eine Abszessbildung oder Kontinenzprobleme zu verhindern.
    Um eine Operation durchführen zu können und die Erfolgschancen zu erhöhen, darf der Fistelgang zum Zeitpunkt der Operation nicht entzündet sein. Das wird durch eine vorherige Fadendrainage (z. B. Faden-Loop) erzielt.
    Hierbei wird ein Faden in die Fistel eingeführt und verbleibt dort für ca. 6–8 Wochen, damit mögliches Sekret immer abfließen kann und sich kein Abszess (Analabszess) bildet.
    Auch wenn Seitengänge bestehen, wird ein Faden eingelegt, damit diese sich mit der Zeit verkleben und quasi nur noch ein „Hauptgang“ übrig bleibt.
    Die Fadendrainage dient somit zur „Stabilisierung“ der Analfistel, bis eine definitive operative Versorgung möglich ist.
    Mehr dazu unter dem Abschnitt Operation.

 

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Operation

Es stehen verschiedene operative Verfahren zur Option:

1. Konventionelle Fistulotomie

Hierbei handelt es sich oft um das Verfahren erster Wahl.
Die Operation kann in Lokalanästhesie oder unter Vollnarkose durchgeführt werden.

  1. Man sucht, nachdem die Stelle betäubt ist, den Fistelgang auf und sondiert diesen mit einer sogenannten Knopfsonde. Diese muss man sich wie einen dünnen Stab vorstellen.
  2. Wenn der Gang vollständig dargestellt werden konnte, wird er aufgeschnitten und soll dann von innen heraus alleine verheilen.

Man möchte meinen, dass es aufgrund der vermeintlich unsauberen Analregion zu Wundheilungsstörungen kommt, dies ist allerdings nur sehr selten der Fall.
Das Immunsystem in der Analregion ist sehr gut, sodass Wunden dort gut verheilen.

Die OP dauert ca. 20 Minuten und wird in der Regel ambulant durchgeführt.
Nach der Operation muss auf eine Stuhlregulierung (im Sinne der Konsistenz, um zu harten Stuhl und damit verbundenen starken Pressen und erschwerte Defäkation zu vermeiden) geachtet und die Wunde ausgeduscht werden.
Man wird für ca. 1 Woche krankgeschrieben.

2. Fistulektomie

Unter einer Fistulektomie versteht man eine vollständige, operative Entfernung der Fistel.
Im Gegensatz zur Fistulotomie, wo der Gang „nur aufgeschnitten“ wird, wird hier das ganze Fistelgewebe ausgeschnitten und der entstehende Gewebedefekt mittels Naht zugenäht.
Der Eingriff kann ebenfalls unter Lokalanästhesie erfolgen, oder unter Vollnarkose.

Wenn der Schließmuskel durchtrennt werden muss, wird dieser auch mittels Naht rekonstruiert und wieder zusammengenäht.
Die OP dauert ca. 60 Minuten und kann ambulant oder stationär durchgeführt werden.

Nach der Operation muss ein Antibiotikum eingenommen, ebenfalls der Stuhl reguliert, sowie die Wunde ausgeduscht werden.
Man wird für ca. 1 Woche krankgeschrieben. 

3. minimalinvasiver Verschluss mittels Fibrinkleber

Dieses Verfahren erfolgt, wie der Name schon sagt, minimalinvasiv, ohne eine wirkliche Operation.
Der Fistelgang wird aufgesucht, dargestellt und dann mittels einem speziellen „Kleber“, nämlich dem Fibrinkleber, gefüllt und so „abgedichtet“.
Das Gewebe soll dann von alleine wieder zuheilen und den Fistelgang quasi auch von innen heraus schließen.
Der kurze Eingriff kann ambulant und unter Lokalanästhesie durchgeführt werden. 

4. minimalinvasiver Verschluss mittels „Anal-Fistula-Plug“

Diese Methode der minimalinvasiven Fisteltherapie ist an sich sehr elegant.
Oftmals haben die Betroffenen wenig Probleme und Sorgen bei dieser Behandlungsmethode.
Man muss allerdings sagen, dass die Erfolge der Therapie sehr stark variieren und auch im Vergleich zu anderen Methoden die Wiederauftretensrate eher erhöht ist.

Die Behandlung ist eher für komplexe Fisteln, bei denen andere Therapien wenig Wirkung gezeigt haben und hohe Analfisteln, die sich im Schließmuskelapparat befinden und so ein hohes Risiko für eine Inkontinenz birgen, reserviert.
Sie ist also nicht Methode der ersten Wahl.
Das Gute ist aber, auch wenn die Behandlung beim ersten Mal nicht erfolgreich war, kann man so einen „Plug“ erneut einsetzen und hat auch immer noch die anderen Therapieverfahren zur Auswahl.

Bei dem „Analplug“ für den Fistelgang handelt es sich um einen dünnen Zylinder aus Kollagen des Schweines, an dem an einem Ende eine Art „Knopf“ bzw. Platte dran ist, um den Fistelgang von innen dicht zu verschließen.
Die Operation wird in der Regel in Vollnarkose, kann aber unter Regionalanästhesie durchgeführt werden.

  1. Nachdem der Fistelgang dargestellt wurde und mit einem Faden markiert ist, wird die äußere Öffnung ausgeschnitten.
  2. Anschließend wird ein Hilfsfaden an den bestehenden Faden angebracht, mit dessen Hilfe man dann den Plug einzieht.
    Man zieht den Faden durch die Fistel und platziert den Plug so, dass dieser auf Schleimhautniveau im Analkanal abschließt.
  3. Dann wird der Plug fixiert und verbleibt innerhalb des Fistelgangs.
  4. Nun kann dieser abheilen, indem körpereigene Zellen in diesen Zylinder einwachsen und so der Fistelgang verstopft wird.

Die OP dauert ca. 30 Minuten und kann ambulant durchgeführt werden.
Nach der Operation sollte man für ca. 7 Tage schweres Heben vermeiden und es ist eine kurze Antibiotikaeinnahme erforderlich.
Die meisten Patienten sind schnell beschwerdefrei und merken den Plug nicht.
Manchmal wird ein Ziehen in der Region beschrieben. Man wird für ca. 3 Tage krankgeschrieben. 

Letztendlich bleibt die Methodenwahl eine individuelle Entscheidung, nach Abwägung der persönlichen Risikofaktoren und dem Angebot des Krankenhauses.

Hinweis MedikamenteneinnahmeBeachte bitte: Operationen sind immer mit allgemeinen Risiken verbunden. Erfahre allgemeine Informationen zum Ablauf und Risiken einer Operation. Mehr Infos
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Prognose

Die Prognose ist bei einer Analfistel in der Regel gut.

Besonders bei einfachen Fisteln, die vollständig gespalten werden können, heilen die Gänge folgenlos aus.

Bei inkompletter Spaltung oder verzweigten, komplizierten Fisteln können jedoch Rezidive auftreten. (Das bedeutet, dass die Fisteln erneut auftreten können).

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Komplikationen

  • Blutungen 
  • Wundheilungsstörung
  • Verletzung des Kontinenzapparates – durch die Analfistel selbst oder während der Operation → mögliche Inkontinenz, die entweder vorübergehend oder anhaltend ist: Hier geht es vor allem, um die Inkontinenz Gas (unkontrollierte Blähungen) zu halten und weniger um eine Stuhlinkontinenz.
    Bei einem „Anal Fistula Plug“ (siehe Operation) ist das Risiko am geringsten, während es bei einer Fistelspaltung am größten (bis zu 50 % der Betroffenen) ist.  
  • Abszess – dieser kann somit Auslöser, als auch Folge bzw. Komplikation sein.
  • Chronisches Auftreten – immer wieder kehrende Fisteln oder aber schlechtes Abheilen einer Fistel, hier ist der Sphinkter- (Schließmuskel) Apparat besonders gefährdet.
  • Fistelkarzinom – in sehr seltenen Fällen kann sich in dem Fistelgang Krebs bilden.
  • Operative Komplikation – Bei den operativen Verfahren ist eine wichtige Komplikation zu nennen: Manche Fistelgänge befinden sich leider im Schließmuskel.
    • Inkontinenz – Bei der Durchtrennung der Fistel muss so auch ein Teil des Schließmuskels durchtrennt werden. Das kann zu vorübergehenden oder anhaltenden Kontinenzproblemen führen.
    • Rezidiv (Wiederauftreten) – Auch kann es sein, dass besonders bei komplizierten und verzweigten Fistelgängen nicht der ganze Gang erwischt wurde und die Fistel erneut auftritt.
      Eine Operation ist jedoch auch hier das Mittel der Wahl bei der Behandlung.
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Dauer

Die Wundheilungsdauer nach einer operativen Behandlung (siehe Operation) beträgt in etwa zwischen 4 - 8 Wochen.

aktualisiert: 01.02.2025
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