Siegel Docset
QualityUnser
Versprechen
SafetyIcon Doc
Docset ist ein medizinisches Nachschlagewerk. Unser Ziel ist, das Wissen von Medizinern in einer Plattform zu sammeln.
Mediziner können somit schnell und einfach ihr Wissen teilen.
Der Text wird ärztlich validiert, aktualisiert und darf für Forschung/Training genutzt werden.
alles aufklappen
pfeilWas ist das?

Die Arteriitis temporalis wird heutzutage auch als „Riesenzellarteriitis“ bezeichnet, da der Name irreführend sein kann. In der Regel sind nämlich mehrere Gefäße betroffen. Es handelt sich um eine rheumatische Erkrankung, bei der es zu einer Entzündung von Gefäßen kommt.

pfeilIst das gefährlich?

Ja, eine Riesenzellarteriitis (Arteriitis temporalis) ist gefährlich und sollte in jedem Fall ausreichend behandelt werden.

Die gefürchtetste Komplikation ist die Erblindung, wenn die Arteria ophthalmica betroffen ist.

Diese Komplikation ist nicht rückgängig zu machen.

pfeilWann zum Arzt?

Man sollte dann zum Arzt, wenn es zu Kopfschmerzen kommt, die sich vor allem an der Schläfe befinden, beim Kauen schlimmer werden und es zusätzlich zu Sehstörungen kommt.

Das sind klassische Symptome, die einen an eine Riesenzellarteriitis denken lassen.

Etwa ⅔ der Betroffenen leiden unter den klassischen Kopfschmerzen, die sich vor allem von der Schläfe über die Stirn bis zum Hinterkopf ausbreiten und oft einseitig auftreten.

Wenn weiterhin Fieber, Gewichtsverlust und Nachtschweiß (B-Symptomatik) hinzukommen, sollte man auf jeden Fall zum Arzt gehen, auch um mögliche andere Diagnosen auszuschließen.

Viele Betroffene berichten über gleichzeitig bestehende oder vorausgehende Muskelschmerzen, betont im Schulter- und/oder Beckengürtel.

Weitere mögliche Symptome sind Abgeschlagenheit und Müdigkeit, teils auch Schwäche. 

pfeil

Einteilung & Formen

Man kann allgemein zwei „Arten“ der Riesenzellarteriitis unterscheiden: 

  • Riesenzellarteriitis mit kranialem Befallsmuster → tritt oft im Zusammenhang mit einer „Polymyalgia rheumatica“ auf.
  • Riesenzellarteriitis mit extrakraniellem Befallsmuster → eher mit B-Symptomatik einhergehend und höhere Glukokortikoiddosen zur Therapie nötig.
pfeil

Ursachen Arteriitis temporalis

  • Unklare Ursache – Laut aktuellem Stand sind die Ursachen einer Arteriitis temporalis noch nicht abschließend geklärt.
    Es gibt eine gewisse genetische Komponente und auch virale bzw. bakterielle Infekte scheinen eine Rolle zu spielen.
    Letztendlich kann der Ausbruch einer Riesenzellarteriitis vor allem durch Infekte getriggert werden. 
  • Autoimmunerkrankung – Bei der Riesenzellarteriitis handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung, bei der es zu einer chronischen Entzündung aufgrund einer Aktivierung der Immunzellen gegen körpereigene Bestandteile der Gefäßwand kommt.
    Die genauen Ursachen sind weitgehend ungeklärt.
    • Zerstörung der Gefäßwand – Die Entzündung zerstört dabei die Gefäßwand durch knotige Veränderungen und ein gewisses Absterben der Zellen in der Wand (granulomatöse, nekrotisierende Entzündung).
      Wie oben beschrieben, sind vor allem die Gefäße betroffen, die sich oberhalb des Aortenbogens befinden. Das sind die Gefäße, die Arme, Hals und Kopf mit den sich darin befindlichen Organen versorgen.
pfeil

Symptome Arteriitis temporalis

  • Kopfschmerzen
  • Schwellung – Harte tastbare Schwellung über der Arteria temporalis (Schläfe) 
    • Schmerzen / Druckschmerzen
  • Schmerzen beim Kauen
  • Sehstörungen
  • Missempfindungen der Kopfhaut
    • Gesteigerte Berührungsempfindlichkeit der Kopfhaut 
  • B-Symptomatik (⅓) 
  • Begleitend Polymyalgia rheumatica 
    • Schmerzen in den Armen und Beinen, vor allem körpernah → Schulter und Becken besonders
    • Morgensteifigkeit
    • Fieber
    • Abgeschlagenheit
    • Appetitverlust
    • Nachtschweiß
    • Depressionen
    • Entzündung der Gelenkschleimhaut 
  • selten: Seitendifferenz in der Blutdruckmessung (Beteiligung der Aorta → Hauptschlagader)
pfeil

Diagnose Arteriitis temporalis

  • Anamnese (Arzt-Patienten-Gespräch
    • Welche Symptome bestehen?
    • Seit wann?
    • Akuter Auslöser eruierbar?
    • Erstmaliges Auftreten?
    • Weitere Symptome?
    • Fieber?
    • Familienanamnese
    • Vorerkrankungen
    • Medikamente 
    • Alter
  • Körperliche Untersuchung
    • Abtasten der Schläfe → harte Gefäßwand tastbar? 
    • Augen untersuchen 
    • herznahe Gefäße abhören
    • Blutdruck messen (beide Seiten!)
  • Bildgebung
  • Blutabnahme (Blutuntersuchung) 
    • Entzündungswerte (CRP!, BSG!)
    • rheumatologische Diagnostik → Antikörper 
  • Biopsie (selten notwendig)
pfeil

Differenzialdiagnose

Differentialdiagnosen sind in der Regel weitere rheumatische Erkrankungen. 

  • Eosinophile Granulomatose mit Polyangiitis
  • Granulomatose mit Polyangiitis
  • Panarteriitis nodosa
pfeil

Behandlung Arteriitis temporalis

  • Glukokortikoiden – Die Behandlung einer Riesenzellarteriitis besteht in erster Linie in der systemischen Gabe von Glukokortikoiden.
    Oftmals wird hierfür Prednisolon in höheren Dosen über mehrere Tage bzw. Wochen gegeben und dann anschließend über viele Monate „ausgeschlichen“, also immer weiter reduziert.
    Das Ausschleichen muss sehr langsam erfolgen, um mögliche Nebenwirkungen zu verhindern.
    Die meisten Betroffenen nehmen aber immer eine dann irgendwann sehr geringe Dosis an Prednisolon als „Erhaltungsdosis“, um das Fortschreiten der Erkrankung aufzuhalten.
    Mit das Wichtigste bei der Behandlung ist die frühzeitige Gabe der Glukokortikoide, um mögliche Komplikationen zu verhindern.
  • Weitere Medikamente – Es gibt noch weitere Medikamente, die eingesetzt werden können, besonders dann, wenn das Glukokortikoid nicht vertrage wird oder nur unzureichend wirkt. Optionen sind hier: 
    • Tocilizumab 
    • Methotrexat
    • Leflunomid
    • Azathioprin
  • ASS – Zusätzlich empfiehlt die Fachgesellschaft auf eine Einnahme von ASS (in niedriger Dosis ein Blutverdünner), vor allem um Thrombosen bzw. Embolien zu verändern. 

Rheumatologische Kontrollen

Die Behandlung gehört letztendlich in die Hände von Rheumatologen, die regelmäßige Kontrollen (z. B. auch Ultraschallkontrollen, um die Gefäßwand direkt beurteilen zu können)  durchzuführen und dann auch die Medikamente anpassen.

Man sollte zusätzliche Maßnahmen ergreifen, besonders bei einer Langzeit-Steroidgabe, um mögliche Nebenwirkungen der Therapie zu minimieren.
So sollten der Blutzucker und -druck regelmäßig überprüft werden, zudem eine ausreichende Osteoporoseprophylaxe, aber auch ein Magenschutz berücksichtigt werden.

pfeil

Prognose

Die Prognose der Arteriitis temporalis ist abhängig von individuellen Faktoren, aber auch vom Zeitpunkt der Glucocorticoidtherapie.

Hier gilt, je früher, desto besser.

Zudem beeinflussen mögliche Rückfälle, aber auch das Auftreten von Komplikationen die Prognose.

Wenn die Therapie frühzeitig eingeleitet wird und keine Komplikationen auftreten, ist die Prognose gut.
30–50 % der Betroffenen erleiden allerdings mindestens einen erneuten Schub bzw. Rückfall.

Dank der Therapien lässt sich das Risiko aber auch minimieren und auch ein aufgetretener Rückfall meist gut behandeln.

Wenn es zu einer Erblindung kommt, ist das nicht mehr rückgängig zu machen und deswegen eine sehr gefürchtete Komplikation.
Komplikationen, die die großen Gefäße betreffen, können auch noch nach Jahren auftreten, sodass eine gute Nachsorge wichtig ist, um diese frühzeitig zu erkennen.

pfeil

Verlauf

Der Verlauf der Arteriitis temporalis ist auch abhängig von individuellen Faktoren.

Meist kann man die Symptome bei frühzeitiger Therapie vollständig „heilen“, jedoch kommt es in 30–50 % der Fälle zu mindestens einem Rückfall.

In der Regel lässt er sich auch gut behandeln, jedoch kann es immer wieder zu erneuten Schüben kommen.

Besonders wenn Komplikationen auftreten, wird der Verlauf langwieriger und auch schwieriger.
Meist dauert es Monate bis zur Diagnosestellung, da es meist erst zu unspezifischen Allgemeinsymptomen wie Müdigkeit, Schwäche, Gewichtsverlust oder Fieber kommt und oft erst später die klassischen Kopfschmerzen dazu kommen.

Wenn Sehstörungen auftreten, handelt es sich um einen Notfall, der schnell behandelt werden muss, um eine Erblindung zu verhindern.

Die Behandlung dauert eigentlich in jedem Fall mindestens ein Jahr, teils sogar länger, um sicherzustellen, dass die Entzündung wirklich gut therapiert wird und nicht erneut aufflammt.

Wichtig zu wissen ist, dass die Erkrankung zwar chronisch verläuft, man sie aber nicht zwingend ein ganzes Leben lang hat. Auch das ist sehr individuell und lässt sich nicht pauschalisieren. Allgemein sind die Heilungschancen aber ganz gut.

pfeil

Komplikationen

  • Erblindung (gefürchtetste Komplikation, da auch am häufigsten)
  • Schlaganfall (selten, aber gefährlich
  • Aneurysmen – in den Gefäßen (Aussackungen, die reißen könnten)
  • Aortitis (Entzündung der Hauptschlagader - Aorta
  • Fatigue-Syndrom
  • Schwächung des Körpers (Gewichtsverlust, Fieber, etc.)  
pfeil

Vorbeugung

Da die Ursachen einer Arteriitis temporalis nicht abschließend geklärt sind und man gar nicht wirklich weiß, was die Erkrankung auslöst, kann man ihr auch nicht vorbeugen.

pfeil

Lokalisation

Bei der Riesenzellarteriitis sind vor allem die Gefäße oberhalb des Aortenbogens, besonders die Arteria carotis externa, die Arteria axillaris und die Arteria ophthalmica betroffen.

Zudem kann in seltenen Fällen auch der Aortenbogen betroffen sein.

pfeil

Lebenserwartung

In der Regel ist die Lebenserwartung von Betroffenen nicht reduziert und sie können ein weitestgehend normales Leben führen.

Hinweis MedikamenteneinnahmeBeachte bitte: Aussagen über eine mögliche Lebenserwartung sind immer abhängig vom individuellen Verlauf der Erkrankung. Pauschale Aussagen müssen daher immer kritisch betrachtet werden.
pfeil

Zahlen & Statistiken

  • Die jährliche Inzidenz einer Riesenzellarteriitis beträgt ca. 25-35/100.000 (bei den über 50-Jährigen).
  • Alles in allem ist es die häufigste Vaskulitis, also Gefäßentzündung, im Erwachsenenalter.
  • Frauen sind häufiger betroffen als Männer und meist wird die Erkrankung über dem 50. Lebensjahr diagnostiziert.
  • Eine Erkrankung, die oftmals mit der Riesenzellarteriitis einhergeht, ist die Polymyalgia rheumatica (in ca. 40-50% der Fälle). 
aktualisiert: 03.11.2025
Quellen
  • Bley, T. A. et al.: Bildgebung bei Riesenzellarteriitis. Deutsches Ärzteblatt (2013).
  • Dasgupta, B. et al.: 2018 Update of the EULAR recommendations for the management of large vessel vasculitis. Annals of the Rheumatic Diseases (2018).
  • Hellmich, B. et al.: Leitlinie: Management der Riesenzellarteriitis. AWMF-Leitlinienregister (2020).
  • Salvarani, C., Cantini, F., Hunder, G. G.: Polymyalgia rheumatica and giant-cell arteritis. The New England Journal of Medicine (2002).
  • Kermani, T. A. et al.: Clinical Epidemiology of Giant Cell Arteritis: A Population-Based Study. Arthritis Care & Research (2010).
  • Prieto-González, S. et al.: Effect of glucocorticoid treatment on findings of temporal artery biopsy in giant-cell arteritis. Arthritis & Rheumatism (2012).
  • Stone, J. H. et al.: Trial of Tocilizumab in Giant-Cell Arteritis. The New England Journal of Medicine (2017).
  • Wagner, A. D., Lamprecht, P.: Riesenzellarteriitis und Polymyalgia rheumatica – Diagnostik und Therapie. Medizinische Klinik – Intensivmedizin und Notfallmedizin (2019).
Autor werden
Photo schicken
Instagram Docset
Erfahrung einreichen
Deine Anzeichen
SafetyIcon Doc
Wenn Du bereits weißt, dass Du betroffen bist, kannst Du uns und anderen Betroffenen helfen.
Nenn uns einfach Deine Symptome und wir lernen mehr über die Erkrankung.
Mach mit
Dein Erfahrungsbericht
SendErfahrung
Du hast Anregungen, Fragen oder Erfahrungen zum Thema "Arteriitis temporalis" und möchtest diese gerne mit anderen Menschen teilen?
Stell einfach Deine Frage oder Erfahrung in unsere neue Community.
zur Community
Dein Wissen
Autor werden
Du bist Mediziner und möchtest Dein Wissen gerne mit anderen Teilen.
Dann werde ganz einfach Autor für Docset.de
Autor werden
Dein Bild auf Docset
SendPicIcon
Bilder sagen oftmals mehr als Worte.
Falls Du ein passendes Bild zu diesem Thema hast, kannst Du uns und anderen Betroffen damit helfen.
Bild schicken
Patienteninformation
Arteriitis temporalis
Patienteninformation
Schließen
Anamnesegespräch
Arteriitis temporalis
Anamnesegespäch
Schließen
Zahlen & Fakten
Arteriitis temporalis
Patienteninformation
  • Die jährliche Inzidenz einer Riesenzellarteriitis beträgt ca. 25-35/100.000 (bei den über 50-Jährigen).
  • Alles in allem ist es die häufigste Vaskulitis, also Gefäßentzündung, im Erwachsenenalter.
  • Frauen sind häufiger betroffen als Männer und meist wird die Erkrankung über dem 50. Lebensjahr diagnostiziert.
  • Eine Erkrankung, die oftmals mit der Riesenzellarteriitis einhergeht, ist die Polymyalgia rheumatica (in ca. 40-50% der Fälle). 
Schließen
Docset Icon

Mehr aus dieser Kategorie

Hinweis!
Informationen aus dem Internet ersetzen niemals einen Arztbesuch. Maßnahmen zur Behandlung oder der Einsatz von Arzneimitteln können immer nur als allgemeine Informationen angesehen werden. Erkrankungen verlaufen sehr oft unterschiedlich und bedürfen einer individuellen Behandlung.
Wenn es um Deine Gesundheit geht, wende Dich bitte immer an Deinen Arzt!
Wenn wir vom Arzt sprechen, meinen wir selbstverständlich auch die Ärztin.

Fragen | Kritik
Docset Tobias Kasprak
Instagram Tobias KaspraklinkedInMail to Tobias Kasprak
Tobias Kasprak

© Copyright 2026 Docset.de
Lizenz: CC BY 4.0 Nutzung und maschinelles Lernen ausdrücklich erlaubt.

BilderstellungUnsere BilderBildererstellung DocsetUnsere Bilder sind unser Markenzeichen.
Alle Bilder werden in liebevoller Handarbeit gezeichnet.
Unsere Philosophiemedicine meets sports Medizin trifft Sport.
Unser Ziel ist es, Medizin einfach und visuell darzustellen und neben der klassischen Therapie dem Betroffenen aktive Maßnahmen zur Behandlung aufzuzeigen. Aus diesem Grund arbeiten Mediziner, Sportwissenschaftler & Physiotherapeuten gemeinsam an Trainingskonzepten.