Retinoblastom, wenn es zu einem Tumor der Netzhaut des Auges kommt.

Erfahrungs Berichte
Als Retinoblastom wird ein Tumor der Netzhaut des Auges bezeichnet. Es ist ein maligner, also bösartiger Tumor, der vor allem im Kindesalter auftritt. (Retina = Netzhaut)
Ein Retinoblastom ist ein bösartiger (maligner) Tumor. (Das bedeutet, der Tumor wächst unkontrolliert und kann sich ausbreiten)
Die Erkrankung muss daher sehr ernst genommen werden und ist dringend behandlungsbedürftig.
Wenn dieser Tumor nicht behandelt wird, liegt die Mortalität, also Sterberate, bei 99 %.
Dank der Therapien und bei früher Diagnose reduziert sich die Sterblichkeit auf 5 %.
Da oftmals Kleinkinder betroffen sind und der Tumor an sich auch eher keine Schmerzen verursacht (zumindest nicht in Anfangsstadien) ist es schwierig zu wissen, wann man zum Arzt muss.
Sollten bei Kinderfotos auffallen, dass ein oder gar beide Augen keinen Rotreflex zeigen oder man das Gefühl hat, dass das Kind nicht richtig gucken kann, das Kind verändert wirkt oder plötzlich anfängt zu schielen, sollte man dringend einen Kinderarzt aufsuchen.
Das Retinoblastom befindet sich in der Netzhaut [6] eines oder beiden Augen.
Es kann auch innerhalb eines Auges an nur einer oder an mehreren Stellen auftreten.
Die Retina, also Netzhaut, kleidet den Augapfel von innen aus.
Anfangs wächst der Tumor nur in den Netzhautzellen. Später breitet er sich allerdings über den Glaskörper [9] aus und kann so auch in andere Augenabschnitte gelangen.
Der Glaskörper ist der gallertartige Teil des Auges, der den Innenraum hinter der Linse [5] ausfüllt.
Letztendlich kann der Tumor durch infiltratives Wachstum sämtlichen Strukturen im Augen, wie auch zum Beispiel die Aderhaut [7] (die Haut, die für die Blutversorgung des Auges zuständig ist) oder aber auch darüber hinaus, wie die Augenhöhle oder den Sehnerv [10] befallen.
Aufbau des Auges
Man kann die Retinoblastome einteilen in:
Um diese Einteilung zu verstehen, muss man die genetischen Aspekte betrachten.
Da Retinoblastome teils genetisch bedingte Tumore sind, ist der Mutationsursprung, der zu einer Veränderung in einem Gen führt, das relevante Unterscheidungsmerkmal.
Damit ein Retinoblastom entstehen kann, müssen immer zwei Mutationen in beiden Allelen eines bestimmten Gens, dem sogenannten „Retinoblastom-Gen“ (RB1) vorhanden sein.
Allele beschreiben die unterschiedliche Ausprägung eines Merkmals an einem bestimmten Genort.
Es kommt durch Deletion (also „Löschen“) oder anderen Mutationen zu einer Inaktivierung, also einem „Ausschalten“, des Gens.
Normalerweise funktioniert das Retinoblastom-Gen als sogenanntes „Tumorsuppressorgen“.
Diese Gene dienen als Wächter unserer DNA und sorgen dafür, dass sich geschädigte Zellen nicht weiterentwickeln und unkontrolliert teilen können.
Sie sortieren quasi die „kaputten Zellen“ aus und leiten Mechanismen ein, damit diese „zerstört“ werden.
Diese unkontrollierte Teilung, die normalerweise verhindert wird, trägt aber zur Entstehung von Tumoren bei.
Wenn also das „Wächtergen“ seine Aufgabe des „Aussortierens“ nicht mehr übernehmen kann, kommt es zu einem unkontrollierten Wachstum von geschädigten Zellen und der Krebs entsteht.
Nun kann man den Mutationsursprung einteilen:
1. Hereditäres/familiäres Retinoblastom
Das familiäre Retinoblastom liegt in ca. 10 - 15 % der Fälle vor.
Es heißt so, da eine erste Mutation über die Keimbahn vererbt, also von den Eltern an das Kind weitergegeben wird.
Diese Keimbahnmutation, die an alle Zellen der Retina (Netzhaut) weitergegeben wird und auch vererbt werden kann, ist der sogenannte „first hit“.
Sie geht mit einem erhöhten Entartungsrisiko aller retinaler Zellen (den Zellen der Netzhaut) einher.
Die 2. Mutation, also der „second hit“, tritt auch hier spontan, also zufällig auf.
Oftmals treten die familiären Retinoblastome an mehreren Stellen der Netzhaut oder beidseitig, also multilokulär, auf.
Die Mutation wird autosomal-dominant vererbt, allerdings mit unvollständiger Penetranz. Das bedeutet, dass zwar jeder Nachkomme die Mutation in sich trägt, sie aber nicht automatisch bei jedem zu einem Ausbruch der Erkrankung führt.
2. Sporadisches Retinoblastom
Das sporadische Retinoblastom tritt in ca. 90 - 95 % der Fälle auf.
Hier werden beide Allele durch eine spontane Mutation inaktiviert.
Die Mutation findet in einer somatischen Zelle statt, das sind Körperzellen, aus denen keine Zellen entstehen können, die an die Nachfahren vererbt werden können (das sind sogenannte Geschlechtszellen).
Der Tumor befindet sich häufig nur an einer Stelle.
Nur 35 % der Patienten weisen hier einen beidseitigen Befall auf.
Weiterhin kann man das Retinoblastom nach Ausbreitung einteilen:

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Von außen sieht man nicht immer etwas.
Das Auge leuchtet zwar weiß auf Fotos oder wenn man Licht in einem bestimmten Winkel draufhält, allerdings kann man dadurch den Tumor trotzdem nicht sehen.
Augenärztliches Personal kann dann den Tumor durch einen Blick auf die Netzhaut sehen.
Wenn der Tumor schon gestreut hat und beispielsweise die Augenhöhle befällt, kann eine Schwellung oder Rötung auffallen.
Die Therapie eines Retinoblastoms richtet sich nach Größe und Verteilung des Tumors sowie dem Vorhandensein von Metastasen.
Die Metastasen befinden sich bei einem Retinoblastom am häufigsten im Knochenmark, in Knochen und der Leber.
Besteht ein Anschluss an das Lymphsystem, können auch die Lymphknoten befallen sein.
Wenn der Tumor klein ist und nur an einer Stelle auftritt, wird in der Regel lokal therapiert.
Welche Therapie bei einem Retinoblastom eingesetzt wird, ist immer eine Individualentscheidung. Jede Therapie hat Nebenwirkungen.
Nachsorge
Alle Patienten brauchen eine strenge Nachsorge und müssen bei Symptomen sofort auf ein mögliches Wieder- oder Auftreten des Tumors untersucht werden.
Nicht nur durch das Risiko für Rezidive (erneutes Auftreten des Tumors), sondern auch für andere Krebsarten, wie Sarkome, ist erhöht.
Einige Patienten entwickeln im Verlauf auch ein Retinoblastom des anderen Auges oder der Hirnanhangsdrüse.
Interdisziplinäre Behandlung
Generell ist die Behandlung eines Retinoblastoms eine interdisziplinäre Therapie.
Besonders bei Kinderkrebserkrankungen sind viele Fachrichtungen involviert.
Neben den behandelnden Ärzten gibt es psychologische Betreuung, Sozialarbeiter, aber auch Stiftungen und Selbsthilfegruppen, um mit der Erkrankung leben zu lernen.
Rückfallbehandlung
Die Therapie eines Rückfalls richtet sich nach Größe, Ausmaß und Ort des wieder auftretenden Tumors.
Wenn das Rezidiv (erneuter Tumor) nur im Auge auftritt und klein ist, kann man lokal therapieren oder eine Bestrahlung anstreben.
Tritt er jedoch außerhalb des Auges wieder auf, muss die Therapieentscheidung individuell abgestimmt werden.
Ein Abwägen von Risiko und Nutzen spielt hier eine zentrale Rolle.
Bei rechtzeitigem Erkennen des Tumors und adäquater Behandlung liegt die Mortalität, also die Sterblichkeitsrate unter 5 %.
Bei der familiären Form muss jedoch das Risiko, andere Krebsarten zu entwickeln, beachtet werden.
Aus diesem Grund erfolgen regelmäßige Nachkontrollen.
Bei vorhandenen Metastasen verschlechtert sich die Prognose erheblich.
Wird der Krebs nicht behandelt, liegt die Sterblichkeit bei 99%.
Der Verlauf eines Retinoblastoms lässt sich nicht pauschalisieren, da er von der Tumoranzahl, Ausbreitung und vielen individuellen Faktoren abhängt.
Je nach Therapiekonzept kommen verschiedene Nebenwirkungen auf einen zu, die ebenfalls den Verlauf beeinflussen.
Bei einer Retinoblastomerkranung kann es zu verschiedenen Komplikationen kommen.
Die Dauer richtet sich nach dem Therapiekonzept und ist abhängig von:
Man kann die Retinoblastome in verschiedene Stadien einteilen - bzw. es exisiteren verschiedene Klassifikationen, anhand derer der Tumor eingeteilt werden kann.
Die Einteilung gestaltet sich als etwas kompliziert, sodass hier vereinfacht der Tumor anhand der Größe, dem Lymphknotenstatus und dem Vorhandensein von Metastasen eingeteilt wird.
Die Klassifikationen werden regelmäßig erneuert und dem aktuellen Forschungsstandort angepasst.
Entscheidend für sämtliche Klassifikationen sind die Größe des Tumors und ob er auf das Auge begrenzt ist oder nicht.
Dies hat auch Auswirkungen auf die Behandlungsentscheidung.
1. TNM-Klassifikation der Retinoblastome
Die TNM-Klassifikation beinhaltet:
2. Classification system of intraocular Retinoblastoma
Eine weitere Einteilungsmöglichkeit bietet das „Classification system of intraocular Retinoblastoma“:
Hierbei werden 2 Klassifikationssysteme inbegriffen und in verschiedene Risikogruppen eingeteilt.
| Eigenschaft | Wert |
|---|---|
| Anatomie | Netzhaut, Photorezeptoren, retinale Nervenzellschichten |
| Differentialdiagnose | Persistierender hyperplastischer primärer Glaskörper, Coats-Krankheit, Katarakt, Toxocariasis, Netzhautablösung |
| Medikamente | systemische Chemotherapie, intraarterielle Chemotherapie, intravitreale Chemotherapie |
| Epidemiologie | selten, ca. 1:15.000–1:20.000 Neugeborene, häufigstes malignes Augetumor im Kindesalter |
| Prognose | gut bei früher Diagnose, hohe Heilungsrate, abhängig von Tumorausdehnung und Metastasen |
| Verlauf | beginnend im frühen Kindesalter, unbehandelt rasch fortschreitend, potenziell lebensbedrohlich |
| Pathophysiologie | Mutation des RB1-Gens, unkontrolliertes Zellwachstum retinaler Zellen, erbliche und nicht-erbliche Formen |
| Komplikation | Metastasen, Tumorausbreitung in Sehnerv und Gehirn, Erblindung, sekundäre Krebserkrankungen bei genetischer Form |
| Behandlung | Chemotherapie, Lasertherapie, Kryotherapie, Strahlentherapie, Enukleation bei großen Tumoren |
| Primärvorbeugung | nicht möglich, da genetisch bedingt |
| Sekundärvorbeugung | genetisches Screening bei Familien mit RB1-Mutation, engmaschige Vorsorgeuntersuchungen |
| Risikofaktoren | RB1-Genmutation, familiäre Belastung |
| Anzeichen | Leukokorie (weiße Pupille), Strabismus, Sehverschlechterung, Augenschmerzen, Rötung, vergrößertes Auge bei fortgeschrittenem Tumor |
| Stadien | intraokular (Gruppe A–E), extraokular, metastasiert |
| Diagnostik | Augenspiegelung, Ultraschall, MRT, genetische Untersuchung, Bildgebung zur Metastasensuche |
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