Faktor 5 Leiden, wenn es aufgrund eines angeborenen Gendefektes zu einer Störung der Blutgerinnung kommt.
Beim Faktor 5 Leiden handelt es sich um eine angeborene Blutgerinnungsstörung. Menschen mit einem Faktor 5 Leiden haben ein erhöhtes Risiko für die Entstehung einer Thrombose. In erster Linie geht es bei dieser Erkrankung um die Vorbeugung von Thrombosen.
Ursprünglich geht die Faktor V Leiden-Mutation auf einen gemeinsamen Vorfahren zurück, bei dem die Mutation vor schätzungsweise 30.000 Jahren zum ersten Mal aufgetreten ist.
Es handelt sich um eine Punktmutation auf dem Chromosom 1q23. Das bedeutet, dass der Austausch einer einzigen Base in der DNA zum Austausch einer einzelnen Aminosäure im „Bauplan“ des Gerinnungsfaktors V geführt hat.
Durch diesen Austausch ist die Interaktion zwischen dem Gerinnungsfaktor und dem APC (aktiviertes Protein C) eingeschränkt und es resultiert die Thromboseneigung.
Risikofaktoren für die Mutation gibt es nicht.
Es gibt allerdings Risikofaktoren für die Thrombosen, die eine gefährliche Folge der Faktor-V-Leiden-Mutation darstellen.
Zum Beispiel erhöht der Einnahme hormoneller Verhütungsmittel das Thromboserisiko von Faktor-V-Mutationsträgerinnen auf das 35-fache!
Die meisten Thrombosen (60%) bei Faktor-V-Leiden-Mutationsträgern treten allerdings spontan, d.h. ohne zusätzliche Risikofaktoren, auf.
Bei den restlichen 40% spielen weitere Risikofaktoren wie Immobilisation, Zustand nach OP, die Pille oder Schwangerschaft eine Rolle.
Die Mutation des Faktor-V-Gens an sich macht keine Symptome und läuft unbemerkt ab.
So wissen sehr viele Betroffene überhaupt nicht, dass sie diese Mutation besitzen.
Hinweise auf eine mögliche Mutation liefert eine familiäre Vorbelastung, wenn bspw. Geschwister oder ein Elternteil eine bekannte Mutation besitzt.
In diesem Fall ist es ratsam, sich auf die gleiche Mutation testen zu lassen.
Außerdem hat die APC-Resistenz, wie oben beschrieben, eine erhöhte Thromboseneigung, also eine Neigung zur Bildung von Blutgerinnseln, zur Folge.
Das relative Risiko, eine Thrombose zu erleiden, ist bei heterozygoten Mutationsträgern (ein defektes Gen von Mutter oder Vater) 8-fach erhöht, bei homozygoten Trägern (zwei defekte Gene von Mutter und Vater) sogar 80-fach!
Blutgerinnsel (Thrombosen) entstehen am häufigsten in den tiefen Venen der Beine.
Eine tiefe Beinvenenthrombose (TVT) zeigt sich durch starke Schmerzen am (einseitig) geschwollenen Bein, ggf. eine dunkle Verfärbung und Überwärmung.
Diese treten nach längerer Immobilisation auf, z. B. nach einer OP, wenn viel im Bett gelegen wird, bei häufigem Sitzen oder nach Langstreckenflügen.
Bei Frauen im gebärfähigen Alter können ungeklärte Fehlgeburten auch einen Hinweis auf die Faktor-V-Leiden-Mutation liefern.
Ist es zwar unklar, woran es liegt, doch Betroffene scheinen eine höhere Rate an Spontanaborten zu erleiden.
Zur Diagnose genügt eine Blutentnahme.
Zunächst werden im Blut die Gerinnungsparameter bestimmt. Bei einer APC-Resistenz ist mit einer Verkürzung der PTT (partielle Thromboplastinzeit) zu rechnen. Das bedeutet, dass es im Vergleich zu einer normalen Gerinnungsfunktion kürzer dauert, bis das Blut gerinnt.
Bei vorliegender verkürzter PTT wird die Resistenztestung auf das aktivierte Protein C (APC) durchgeführt.
Hierbei wird dem Blut eben dieses APC hinzugefügt, was zu einer Verlängerung der Gerinnungszeit führen sollte.
Bei Faktor-V-Leiden-Mutationen und folglich APC-Resistenz bleibt die Gerinnung unverändert zu schnell.
Liegt ein begründeter Verdacht vor, kann eine genetische Untersuchung des Bluts durchgeführt werden.
Mittels PCR (Polymerasekettenreaktion) kann das entsprechende Gen nachgewiesen werden. Diese Untersuchung dauert allerdings 3–6 Wochen.
Wie oben beschrieben, treten bei der Faktor-V-Leiden-Mutation zunächst erstmal keine Symptome auf.
Genauso verhält es sich aber auch bei anderen vererbbaren Gerinnungsneigungen.
Die Blutgerinnung, auch „Gerinnungskaskade“, ist ein sehr komplexer Vorgang, der vergleichbar mit einem Domino-Effekt ist. Jeder Stoff wird von einer vorherigen Reaktion aktiviert und stößt wiederum den nächsten Stoff an.
So gibt es eine Vielzahl von Gerinnungsneigungen (Thrombophilien), weil an jeder Station ein Stoff von einer Mutation betroffen sein kann. Einige Beispiele:
All diese Erkrankungen begünstigen Thrombosen.
Aber auch Lifestyle-Faktoen wie Rauchen, eine sitzende Tätigkeit und Übergewicht haben den gleichen Effekt.
Ebenso können einige Medikamente, unter anderem Hormonpräparate, wie die Anti-Baby-Pille, das Risiko für Blutgerinnsel erhöhen.
Eine ursächliche Therapie gegen die Faktor-V-Leiden-Mutation gibt es nicht, da es sich um eine genetische Erkrankung handelt.
Eine Behandlung liegt lediglich zur Vorbeugung von Gerinnseln (Thromboseprophylaxe) vor. Diese ist aber nur notwendig, wenn eine Thrombose bereits in der Vergangenheit vorgekommen ist oder wenn durch das Vorliegen von Risikofaktoren eine Thrombose sehr wahrscheinlich ist.
So ist zum Beispiel bei langen Flügen oder bei stehenden Tätigkeiten das Tragen von Kompressionsstrümpfen eine gute und nebenwirkungsfreie Möglichkeit, Gerinnselbildung zu verhindern.
Eine medikamentöse Therapie wird in der Regel mit Vitamin-K-Antagonisten (Cumarinen), umgangssprachlich auch „Blutverdünner“ genannt, durchgeführt.
Diese sind als Tabletten erhältlich. Durch einen einfachen Blutparameter, die INR (International Normalized Ratio), kann die Wirksamkeit gut kontrolliert werden. Diese sollte im Zielbereich von INR=2-3 liegen.
Heparine dagegen werden in der Regel bei einem Zustand nach Thrombose für 6–12 Monate und während der Schwangerschaft eingesetzt.
Sie sind als Einwegspritzen erhältlich und werden in das Unterhautgewebe gespritzt.
Die Prognose bei einer Faktor-V-Leiden-Mutation ist alles in allem sehr gut.
Wie bereits beschrieben, wissen viele Träger nichts von ihrer Mutation und sind dadurch nicht eingeschränkt.
Bei Risikofaktoren ist die Kenntnis über die Mutation allerdings wichtig, da sich die begünstigenden Faktoren gegenseitig verstärken und ein Blutgerinnsel so wahrscheinlicher wird.
Tritt eine Thrombose auf, sollte diese schnell behandelt werden und anschließend eine mögliche langfristige vorbeugende Therapie erwogen werden.
Viele Mutationsträger der Faktor-V-Leiden-Mutation wissen ihr ganzes Leben lang nichts von ihrem defekten Gerinnungsfaktor.
So verläuft die Krankheit in vielen Fällen gänzlich unbemerkt.
Erst wenn ein Thromboseereignis bei den Betroffenen selbst oder im näheren familiären Umfeld auftritt, wird die Mutation diagnostiziert.
Je nachdem, welche Form (homozygot oder heterozygot) bei den Patienten vorliegt und ob sie selbst schon einmal ein Gerinnsel hatten, kann eine Therapie in Form einer Thromboseprophylaxe eingeleitet werden.
Da es sich bei der Faktor-V-Leiden-Mutation um eine genetische Veränderung handelt, kann man hierauf keinen Einfluss nehmen.
Wird das Gen vererbt, so wird die Krankheit ausgeprägt.
Allerdings kann man durch einen gesunden Lebensstil mit viel Bewegung, Nikotinkarenz und Normalgewicht schon einiges im Alltag dafür tun, um den gefürchteten Blutgerinnseln entgegenzuwirken.
Die Lebenserwartung wird durch die Faktor-V-Leiden-Mutation nicht eingeschränkt.
Frauen mit Faktor-V-Leiden-Mutation können per se problemlos schwanger werden und gesunde Kinder gebären.
Das Wichtigste ist die Kenntnis über die Mutation und diese sollte auch unbedingt an den behandelnden Frauenarzt: ärztin weitergegeben werden.
Während der Schwangerschaft herrschen aufgrund der Hormonumstellungen veränderte Verhältnisse im Blut, was die Konsistenz und Gerinnung betrifft.
Auch Frauen mit intaktem Faktor V haben während der Schwangerschaft und in der Wochenbettzeit ein erhöhtes Thromboserisiko.
Mit mutiertem Faktor V ist dieses Risiko nochmals erhöht.
Heterozygote Mutationsträgerinnen ohne zusätzliche Risikofaktoren brauchen dennoch keine prophylaktische medikamentöse Therapie.
Auf Wunsch und nach Möglichkeit können natürlich Lifestyle-Maßnahmen wie viel Bewegung oder das Tragen von Kompressionsstrümpfen umgesetzt werden und so das Risiko einer Thrombose verringern.
Bei homozygoten Mutationsträgerinnen oder beim Vorliegen von Risikofaktoren (Übergewicht, Krampfadern, Thrombose in der Vergangenheit) ist eine gerinnungshemmende Therapie indiziert. Schwangere werden in der Regel mit Heparin behandelt, weil es sehr gut verträglich und nicht schädlich für das Baby ist.
Heparin wird 1x täglich in Fertigspritzen ins Unterhautgewebe gespritzt, das können die Patientinnen zuhause allein bewerkstelligen.
Therapiemöglichkeiten, Medikamenteneinnahme und Diagnoseverfahren müssen oft an die Schwangerschaft angepasst werden.
Du solltest daher immer Deinen behandelnden Arzt/Ärztin über die Schwangerschaft informieren.
Die Vererbung der Faktor-V-Leiden-Mutation erfolgt autosomal-dominant.
Menschen besitzen von jedem ihrer 23 Chromosomen zwei Stück, jeweils eines vom Vater und eines von der Mutter.
Bei einer autosomal-dominanten Vererbung genügt es, dass die Mutation auf einem der zwei Chromosomen vorliegt, um die Krankheit auszulösen.
Liegt nur ein mutiertes Chromosom vor – hat man also nur von Mutter oder Vater die Mutation geerbt – spricht man von heterozygoten Trägern.
Heterozygote Faktor-V-Leiden-Mutationen besitzen 5-7% der europäischen Bevölkerung.
Sind dagegen beide Chromosomen mutiert, also Mutter und Vater haben die Mutation weitergegeben, sind die Nachfahren homozygote Träger.
Homozygote Träger sind deutlich seltener, ihr Anteil liegt bei <1% in der Bevölkerung.
Heterozygoten Mutationsträgern (die nur ein defektes Gen besitzen), die selbst noch kein Blutgerinnsel hatten, ist das Blutspenden erlaubt.
Bei einem Zustand nach Thrombose darf kein Blut mehr gespendet werden.
Auch homozygote Faktor-V-Leiden-Mutationsträger sind nicht zur Blutspende zugelassen.
Beachte! Es handelt sich hierbei um Schutzmaßnahmen für die Spender selbst, es besteht keine Gefahr, die Mutation über eine Blutspende weiterzugeben.
Im Gegensatz zur Blutungsneigung (Hämophilie) sind für die verschiedenen Gerinnungsneigungen (Thrombophilien) keine klaren Schweregradabstufungen festgelegt.
Sie zählen zu den „Sonstigen Gerinnungsstörungen“ und bekommen einen Grad der Behinderung (GdB) zwischen 10 und 100 zugewiesen.
Je nach vorliegender Form der Faktor-V-Leiden-Mutation (homo-/heterozygot) und ob es bereits ein Thromboseereignis in der Vergangenheit gab, wird von den zuständigen Behörden auf Antrag ein individueller Grad festgelegt.
Am ehesten ist jedoch mit einem niedrigen GdB zu rechnen.
| Eigenschaft | Wert |
|---|---|
| Anatomie | Blut, Gerinnungssystem, Faktor V, Leber (Synthese von Gerinnungsfaktoren) |
| Differentialdiagnose | Protein-C- oder Protein-S-Mangel, Antithrombinmangel, Antiphospholipid-Syndrom, andere Thrombophilien |
| Medikamente | Antikoagulanzien (Heparin, Vitamin-K-Antagonisten, DOAKs), Thrombozytenhemmer bei Bedarf |
| Epidemiologie | häufigste angeborene Thrombophilie bei Europäern, Prävalenz heterozygot ca. 3–8 %, homozygot ca. 0,02 % |
| Prognose | gut bei frühzeitiger Diagnose und Therapie; erhöhtes Risiko für venöse Thrombosen und Lungenembolien |
| Verlauf | meist latent; Thrombosen treten oft unter Risikofaktoren (Operation, Immobilisation, Schwangerschaft) auf |
| Pathophysiologie | Mutation des Faktor-V-Gens → Resistenz gegen aktiviertes Protein C → gesteigerte Gerinnungsneigung |
| Komplikation | tiefe Venenthrombosen, Lungenembolien, wiederholte Thrombosen, Schwangerschaftskomplikationen |
| Behandlung | präventive Antikoagulation bei Risikofaktoren, therapeutische Antikoagulation bei Thrombose, Langzeitprophylaxe bei wiederholten Ereignissen |
| Primärvorbeugung | Vermeidung von Risikofaktoren (Rauchen, Immobilisation, orale Kontrazeptiva), genetische Beratung bei Familienanamnese |
| Sekundärvorbeugung | regelmäßige Kontrollen, prophylaktische Antikoagulation bei Risikosituationen, schnelle Therapie bei ersten Thrombosen |
| Risikofaktoren | heterozygote/homozygote Mutation, Schwangerschaft, Immobilisation, Operationen, orale Kontrazeptiva, Adipositas, Rauchen |
| Anzeichen | meist asymptomatisch; bei Thrombose: Schwellung, Schmerzen, Rötung, Wärme, evtl. Atemnot bei Lungenembolie |
| Stadien | latent (Träger ohne Symptome), manifest (Thrombose), postthrombotisches Syndrom |
| Diagnostik | APC-Resistenz-Test, genetische Analyse (Faktor-V-Mutation), Gerinnungsprofil, Familienanamnese |