Gerinnungsstörungen (Gruppe von Erkrankungen), wenn es zu einer Störung bei der Gerinnung des Blutes kommt.

Von einer Gerinnungsstörung spricht man, wenn das Blut entweder eine zu starke oder zu schwache Gerinnung aufweist. Während der Gerinnung kommt es zur Verengung der Blutgefässe, zur Verklebung der Blutplättchen (Thrombozyten), was durch Fibrinfäden verstärkt wird. Eine zu starke Gerinnungsneigung führt zu Thrombosen, eine zu schwache zur Bluterkrankheit. In Deutschland leidet etwa 1/5000 Personen an einer Blutgerinnungsstörung.
Eine Gerinnungsstörung kann unbehandelt tatsächlich zu lebensbedrohlichen Situationen führen.
In aller Regel lassen sich Gerinnungsstörungen jedoch sehr gut behandeln.
Meistens fällt eine Gerinnungsstörung, sofern sie genetisch voll ausgeprägt ist, im alltäglichen Leben aufgrund des Auftretens der Symptome auf.
Werden die Probleme beim Hausarzt geschildert, wird dieser die Art der Erkrankung erkennen und das Problem zu den Gerinnungsstörungen einordnen können.
Eine gewöhnliche Hausarztpraxis verfügt jedoch nicht über die notwendigen Geräte, um das Blut auf genetische Defekte zu untersuchen.
Er wird den Patienten an den Facharzt für Gerinnungsstörungen, den sogenannten „Hämostaseologen“, verweisen, welcher Blut abnimmt und dieses genau im Labor analysieren lässt und somit die genaue Erkrankung diagnostizieren kann.
Menschen mit Pluskoagulopathie, also Thromboseneigung, werden es in ihrem Leben wahrscheinlich auch häufiger mit Angiologen zu tun haben.
Das sind die Spezialisten für Gefäßerkrankungen. Sie können, sollte ein Gefäß chronisch verschließen, den Verschluss wiedereröffnen und durch Ballons oder Stents dafür sorgen, dass es auch offen bleibt.
Bei einer Gerinnungsstörung handelt es sich um eine genetische Erkrankung, welche einfach gesagt die Gerinnung des Blutes betrifft.
Es können verschiedene Gensegmente betroffen sein, die die Gerinnungskaskade, das heißt, einen bestimmten Ablauf zwischen Proteinen und Zellen im Blut, beeinträchtigen.
Man unterscheidet dabei zwischen einer Minus- und einer Pluskoagulopathie.
Man unterscheidet grob, ob die Gerinnung vermehrt stattfindet oder verringert.
Wenn zu viel Gerinnung stattfindet, nennt man das eine Pluskoagulopathie und es liegt eine Thromboseneigung vor.
Findet zu wenig Gerinnung statt, liegt also eine Minuskoagulopathie vor und die Patienten neigen zu häufigen und langen Blutungen.
Im Folgenden sind einige der häufigsten Gerinnungsstörungen aufgezählt.
Die meisten Gerinnungsstörungen werden durch erbliche bedingte Gendefekte verursacht.
In diesen Fällen ist es wichtig, eine ausführliche Familienanamnese durchzuführen und herauszufinden, ob und bei wie vielen Familienmitgliedern die Thrombose schon aufgetreten ist.
Selten kommt es vor, dass die Ursache eine spontane Mutation in den Genen der betroffenen Person ist.
Weitere, sogenannte exogene Risikofaktoren sind Risikofaktoren, denen sich die Patienten sich bewusst aussetzen, obwohl diese Risikofaktoren vermeidbar werden.
Dazu zählt im Falle der Thrombophilie, also der Neigung, Thrombosen zu entwickeln, auf jeden Fall das Rauchen sowie Übergewicht, Immobilisation sowie die Schwangerschaft.
Im Falle der Hämophilien, also wenn das Blut nicht ausreichend gerinnt, ist es neben den genetischen Ursachen auch möglich, dass ein Leberversagen zum Mangel an Gerinnungsfaktoren führt.
Jahrelanger, übermäßiger Alkoholkonsum oder eine Vergiftung können ein Leberversagen verursachen, sodass die Leber nicht mehr dazu in der Lage ist, ausreichend Gerinnungsfaktoren herzustellen.
Eine solche Situation kann temporär sein, zum Beispiel, wenn eine Entzündung der Leber vorliegt.
Heilt diese aus, kann die Leber sich in den meisten Fällen wieder erholen und ihrer Funktion normal nachgehen.
Oftmals jedoch ist das Leberversagen chronisch, das bedeutet, es entwickelt sich über Jahre hinweg. In diesem Fall kündigt sich das totale Leberversagen durch Funktionsstörungen der Leber, wie eine ungenügende Herstellung von Gerinnungsfaktoren, an.
Die Symptome einer Gerinnungsstörung sind davon abhängig, ob es sich um eine Minus- oder Plus – Koagulopathie handelt und sind dementsprechend auch gegensätzlich.
Eine erste, orientierende Einschätzung kann der Arzt vornehmen, indem er sich die Symptome des Patienten anhört. Somit kann der Arzt die Art der Gerinnungsstörung schon einmal grob einordnen und hat einen Überblick darüber, wonach er genau suchen muss bei der weiterführenden Diagnostik.
Das wichtigste diagnostische Mittel bei Gerinnungsstörungen ist jedoch die Blutprobe.
Das Blut wird direkt im Blutröhrchen mit verschiedenen Chemikalien versetzt, sodass im Labor die Aktivität von den verschiedenen Gerinnungsfaktoren gezielt getestet werden kann.
Dabei werden verschiedene biochemische Reaktionen durchgeführt, die der Experte im Endeffekt auswertet und daraus die vorliegende Erkrankung genau diagnostizieren kann.
Die Behandlung der Gerinnungsstörung hängt selbstverständlich vom jeweiligen Auslöser ab.
Meist führt die Erkennung und Bekämpfung der Ursache zur Normalisierung der Blutgerinnung
Bei der Therapie der Gerinnungsstörung kommt es natürlich darauf an, welche Erkrankung genau vorliegt.
Bei der Faktor-5-Leiden-Mutation beispielsweise spielt es eine entscheidende Rolle, wie stark die Ausprägung des Gerinnungsdefekts ist.
Ist die betroffene Person homozoygot, liegt das mutierte Gen doppelt vor, das bedeutet, der Gerinnungsdefekt ist vollständig ausgeprägt und die Person hat gar keinen funktionierenden Faktor 5.
In diesem Fall muss unbedingt medikamentös antikoaguliert werden, besonders bei Bewegungseinschränkungen, wie großen Operationen und längeren Autofahrten oder Flügen.
Meistens wird in dieser Situation niedermolekulares Heparin verabreicht, das unter dem Handelsnamen Clexane® erhältlich ist.
Außerdem müssen die Patienten und Patientinnen ausdrücklich darauf hingewiesen werden, dass Rauchen und Übergewicht die Ausbildung einer Thrombose fördern und unbedingt unterlassen werden sollten.
Außerdem sollten Frauen auf die Einnahme der Pille verzichten und ein alternatives Verhütungsmittel anwenden, da die Pille nachweislich das Thromboserisiko fördert. Regelmäßiges Sporttreiben, der Verzicht auf die Pille und eine gesunde Ernährung dienen also auch der Prophylaxe eines thrombotischen Ereignisses.
Bei heterozygoten Genträgern liegt die Mutation nur auf der einen Hälfte des Chromosomensatzes vor, sodass die Hälfte aller Faktor 5en unbeschädigt sind.
In diesem Falle variiert die Behandlung.
Ist noch kein thrombotisches Ereignis aufgetreten, müssen keine Medikamente zur Blutverdünnung eingenommen werden und auch die Einnahme der Pille ist nicht absolut kontraindiziert.
Gab es jedoch schon einmal eine Thrombose, sollten die Patientinnen auf die Einnahme der Pille verzichten. Auch hier ist die Aufklärung über die Folgen von Zigarettenkonsum und Übergewicht maßgebend.
Die Prognose einer Gerinnungsstörung kommt ganz darauf an, welche Erkrankung genau vorliegt.
Die Hämophilie beispielsweise war früher eine genetische Erkrankung, an der die meisten Beteiligten vor dem Erreichen des zehnten Lebensjahres gestorben sind.
Heutzutage ist es möglich, die fehlenden Gerinnungsfaktoren entweder Plasmaspenden zu entnehmen oder synthetisch im Labor herzustellen.
Diese werden den Patienten regelmäßig verabreicht, sodass ihr Mangel an Gerinnungsfaktoren ausgeglichen werden kann.
Die Lebenserwartung ist bei diesen Menschen in den meisten Fällen nicht beeinträchtigt.
Bei den Thrombophilien muss eine ausreichende Antikoagulation medikamentös verabreicht werden.
Ist das gegeben, treten Thromben auch nicht übermäßig auf. Jedoch muss man auch beachten, dass Antikoagulantien, wie alle anderen Medikamente, auch Nebenwirkungen verursachen können.
Für eine individuelle Prognose sollte man jedoch seinen Arzt konsultieren.
So wie bei allen medizinischen Prognosen sind Aussagen aus dem Internet mit Vorsicht zu genießen und können nicht individuell auf die betroffenen Patienten übertragen werden.
Heutzutage kann man die meisten Gerinnungsstörungen medikamentös so gut behandeln, dass ein normales Leben für die Beteiligten möglich ist.
Ist die Gerinnungsstörung genetisch verursacht, kann man ihr kausal nicht vorbeugen.
In diesem Fall muss man versuchen, die exogenen Risikofaktoren, wie Rauchen, Übergewicht, übermäßiger Alkoholkonsum und ungesunde Ernährung, zu vermeiden.
Dasselbe gilt für Menschen, die keine genetische Prädisposition für Gerinnungsstörungen haben.
Auch sie sollten sich gesund ernähren, auf übermäßigen Alkohol- und Zigarettenkonsum verzichten sowie das Normalgewicht einhalten.
In der Schwangerschaft verändert sich die Gerinnungslage der Frau natürlicherweise.
Da bei einer Geburt mit Blutverlusten von unter Umständen mehreren Litern gerechnet werden muss, stellt sich der Körper automatisch auf diese Situation ein.
Er reagiert mit einer vermehrten Bildung von Gerinnungsfaktoren.
Das bedeutet, dass das Risiko von Thromben physiologischerweise erhöht ist.
Aus diesem Grunde gehört die Beckenvenenthrombose auch zu den häufigsten Ursachen der Müttersterblichkeit, da das kleine Becken durch den heranwachsenden Fetus auch so schon größeren Druckbelastungen ausgesetzt ist.
Somit werden die Beckenvenen komprimiert, und das Blut in den Venen kann nicht mehr richtig abgeleitet werden – es steht.
Da in der Schwangerschaft mehr Gerinnungsfaktoren im Blut zirkulieren, passiert es in dieser Situation sehr schnell, dass das Blut gerinnt und sich ein Thrombus bildet.
Löst sich dieser und schießt in die Lunge, kommt es zu einer akuten Rechtsherzbelastung, die im Extremfall zum Tod führen kann.
Liegt zusätzlich zur Schwangerschaft eine Gerinnungsstörung vor, die die Thrombenbildung begünstigt, ist das Thromboserisiko um ein Vielfaches erhöht. In diesem Fall sollte man unbedingt einen Facharzt konsultieren, sodass dieser die optimale medikamentöse Therapie einstellen kann, um die Gerinnung optimal „auszubalancieren“.
Liegt eine Hämophilie vor, besteht das Risiko, bei dem Geburtsvorgang viel mehr Blut zu verlieren, als normal.
In diesem Falle müssen Gerinnungsfaktoren verabreicht werden und es kann sein, dass eine Bluttransfusion notwendig wird.
Beachte! Aus diesem Grund ist es angeraten, im Krankenhaus zu gebären und nicht zuhause, um lebensbedrohlichen Komplikationen zu vermeiden.
Auch hier ist zu sagen, dass die Patientinnen individuell eingestellt werden müssen und an einem Arztbesuch beim Spezialisten kein Weg vorbeiführt.
Nur dieser kann die individuelle Situation korrekt beurteilen und die angemessene medikamentöse Maßnahme einleiten.
Therapiemöglichkeiten, Medikamenteneinnahme und Diagnoseverfahren müssen oft an die Schwangerschaft angepasst werden.
Du solltest daher immer Deinen behandelnden Arzt/Ärztin über die Schwangerschaft informieren.
Grundsätzlich ist zu sagen, dass erblich bedingte Blutgerinnungsstörungen sehr selten sind.
Um sich eine Vorstellung über die Größenordnung zu verschaffen, folgen zwei kurze Beispiele:
In Europa dominiert das sogenannte Faktor-5-Leiden.
Dabei handelt es sich um eine Pluskoagulopathie, welche in der heterozygoten Form (das bedeutet, dass nur ein Gensegment des Patienten betroffen ist) 5 bis 10 % aller Europäer betrifft. In seiner voll ausgeprägten, homozygoten Form (hierbei sind beide Gensegmente betroffen) tritt diese Erkrankung bei nur 0,05 % bis 0,5 % der europäischen Bevölkerung auf.
Auf den anderen Kontinenten ist die Erkrankungswahrscheinlichkeit noch viel geringer, sie geht sogar gegen null.
Die häufigste Gerinnungsstörung weltweit ist die Hämophilie, eine Minuskoagulopathie.
In Deutschland gibt es aktuell ca. 6000 Erkrankte, das heißt, jeder 25.000ste Mensch ist betroffen.
Alle anderen Blutgerinnungsstörungen treten noch viel seltener auf.
Es wird also deutlich, dass die Wahrscheinlichkeit, an einer Gerinnungsstörung zu leiden, sehr gering ist und im internationalen Vergleich unterschiedliche Gerinnungsstörungen in den verschiedenen Ländern dominieren.
Bei einer Gerinnungsstörung handelt es sich um eine genetische Erkrankung, welche einfach gesagt die Gerinnung des Blutes betrifft.
Es können verschiedene Gensegmente betroffen sein, die die Gerinnungskaskade, das heißt, einen bestimmten Ablauf zwischen Proteinen und Zellen im Blut, beeinträchtigen.
Man unterscheidet dabei zwischen einer Minus- und einer Pluskoagulopathie.