Protein S-Mangel, wenn es zu einer erblich bedingten Störung der Blutgerinnung kommt.

Der Protein S-Mangel ist eine meist erbliche Gerinnungsstörung, in Folge derer es zu wiederkehrenden Thrombosen kommt, dadurch, dass zu wenig Protein S produziert wird, oder dieses inaktiv ist. Das Vorkommen des schweren Protein S-Mangels ist vermutlich dem des Protein C-Mangels ähnlich und hat ein Vorkommen von 1:500.000
Ein Protein S-Mangel zählt zu den sogenannten Koagulopathien, unter denen man erworbene oder angeborene Störungen der Blutgerinnung oder der Fibrinolyse (Blutgerinnselauflösung) versteht.
Der Mangel an Protein S zählt zu den Bluterkrankungen und geht mit einem gesteigerten Risiko von Beinvenenthrombosen einher.
Das körpereigene Protein-S zirkuliert frei im menschlichen Blut und dient dort als sogenannter Cofaktor für die Aktivierung von Protein C, welches wiederum für die Proteolyse bzw. Inaktivierung von den Gerinnungsfaktoren Va und VIIIa zuständig ist.
Dabei ist Protein-S, genauso wie Protein C, Vitamin-K abhängig.
Ein Mangel an Protein S führt also über einen Ausfall bzw. eine Verminderung von Protein C zu einer reduzierten Inaktivierung von Faktor Va und VIIIa, was wiederum zu einer erhöhten Thrombenneigung führt, welche potentiell lebensbedrohlich sein können.
Auffällig können Betroffene das erste Mal bei theoretisch jedem Arzt werden, in der Regel beim Haus- oder Allgemeinarzt.
Das Fachgebiet, welches sich schwerpunktmäßig mit Erkrankungen des Blutes beschäftigt, ist die Hämatologie.
Ein Abfall der Protein S Konzentration ist während der Schwangerschaft ein natürlicher Vorgang, der allerdings auch mit einem erhöhten Thromboserisiko einhergeht.
Beim Krankheitsbild eines Protein S-Mangels handelt es sich um einen genetischen Defekt, der eine fünfzigprozentige Vererbungswahrscheinlichkeit bei Verwandten ersten Grades aufweist (autosomal-dominant).
Es existieren aber auch Möglichkeiten, einen Mangel „zu erwerben“.
Da die Synthese des Protein S Vitamin-K abhängig ist, kann eine Minderversorgung oder die Einnahme von sogenannten Vitamin-K-Antagonisten zu einem Mangel an Protein S führen.
Die
Man muss die Risikoerhöhung einer Thrombose, die im Falle eines Protein S-Mangels um das ca. achtfache gesteigert ist, zu anderen möglichen Risiken einer Thrombose hinzurechnen.
Dazu zählen Faktoren wie eine bereits stattgehabte Thrombose, Immobilisation, z. B. nach einer Operation oder auch ein langer Flug, Übergewicht und Adipositas, ein hohes Alter, wenig körperliche Bewegung, manche Autoimmunerkrankungen oder aktive Malignomerkrankungen.
Rauchen – insbesondere in der Kombination mit einer Östrogentherapie im Rahmen einer Schwangerschaftsverhütung oder Menopausaltherapie, aber auch eine Schwangerschaft selbst.
Heterozygoter Protein-S-Mangel (leichter Mangel):
Homozygoter Protein S-Mangel (starker Mangel):
Auffällig werden Betroffene in der Regel durch ein im Vergleich frühzeitiges Auftreten von Blutgerinnseln (Thrombosen).
Diese treten meist in den tiefen Beinvenen auf (→ tiefe Beinvenenthrombose)
Das alleinige Vorliegen eines Protein S-Mangels erhöht das Risiko um ca. das 8-fache.
Zusätzliche Risikofaktoren wie Rauchen, Übergewicht, eine Schwangerschaft oder die Einnahme von Östrogenen (Anti-Baby-Pille oder im Rahmen der Wechseljahre) verstärken die Gefahr einer Thrombose zusätzlich.
Oft Diagnostik nach rezedivierenden Thromboembolien, tiefe Venenthrombose unklarer Ursache, Verdacht auf angeborenen Protein S-Mangel.
Anamnestisch und laborchemisch werden weitere Risikofaktoren untersucht, wie die möglicherweise falsche Einnahme blutverdünnender Medikamente, Vitamin-K-Antagonisten oder Hormonpräparaten.
Es gibt eine Vielzahl an Erkrankungen und Risikofaktoren, die das Auftreten einer Thrombose begünstigen.
Bei den hereditären (vererblichen) Thrombophilien gibt es verschiedene Mutationen, welche jeweils an unterschiedlichen Stellen das Gleichgewicht des Blutgerinnungssystems eingreifen.
Darunter fallen die APC-Resistenz (auch Faktor-V-Leiden-Mutation), die Faktor-VIII-Erhöhung, eine Prothrombin-Mutation sowie ein Protein C- oder Antithrombin-Mangel.
Daneben lösen bestimmte Autoimmunerkrankungen wie das Antiphospholipid-Syndrom, aber auch aktive Malignome (Tumoren) eine erhöhte Neigung zur Thrombosebildung aus.
Grundsätzlich wird immer versucht, die auslösende Grunderkrankung zu therapieren.
Im Falle eines vererbten genetischen Defektes sind dahingehend die Möglichkeiten verständlicherweise eingeschränkt.
Hauptsächlich orientiert sich das therapeutische Vorgehen nach der akuten Symptomatik des Patienten.
Wichtig dabei ist, dass beschwerdefreie Betroffene, die bisher noch keine Thrombose erlitten haben, auch keine dauerhafte medikamentöse Behandlung erhalten sollen.
Liegen jedoch weitere Risikofaktoren vor oder wurde ein Patient durch eine Thrombose, wie in den meisten Fällen, das erste Mal diagnostiziert, sollte eine ausreichende Einstellung mit gerinnungshemmenden Medikamenten zur Prophylaxe erfolgen.
Weitere Maßnahmen sind zum Beispiel elastische Wickelverbände oder Kompressionsstrümpfe.
Zu beachten ist, dass in einer Akutsituation eine sogenannte symptomadaptierte Vollmobilisation erfolgt und keine strikte Bettruhe gehalten wird.
In besonderen Situationen wie ausgeprägten Verschlüssen oder drohendem Extremitätenverlust kann eine operative Entfernung von thrombotischen Verschlüssen nötig werden.
Die Prognose eines Protein S-Mangels ist wie der Verlauf sehr individuell und variabel.
Generell ist die Prognose sehr gut.
Je mehr Risikofaktoren für die Komplikation einer Thrombose hinzukommen, umso schlechter wird die Prognose.
Ein Protein S-Mangel kann jahrelang unbemerkt bleiben oder auch gar nicht diagnostiziert werden.
Meistens erhalten die Betroffenen ihre Erstdiagnose, nachdem sie das erste Mal von einer Thrombose betroffen sind.
Je nach Verlauf und Folgen des Erstereignisses, kann man unter Einhaltung der prophylaktischen Therapie einen sehr guten Verlauf ohne Einschränkungen haben.
Bei einem genetisch vererbten (hereditären) Protein S-Mangel existieren keine Möglichkeiten der Vorbeugung.
Bei den verschiedenen erworbenen Formen gilt es, die Medikamenteneinnahme zu überprüfen, auf eine gesunde Ernährung, reduzierten Alkoholkonsum und eine ausreichende Bewegung sowie auf eine ausgewogene Vitamin-K Versorgung zu achten.
Je nachdem welche zusätzlichen Risikofaktoren hinzukommen oder andere Grunderkrankungen bestehen, reicht die Lebenserwartung von normal bis deutlich eingeschränkt.
Individuell kann ein Protein S-Mangel asymptomatisch bleiben, so dass Betroffene nichts von der Erkrankung merken.
Auf der anderen Seite ist ein tödlicher Verlauf, z.B.im Rahmen einer disseminierten intravasalen Koagulopathie möglich.
Bei einer Schwangerschaft fällt natürlicherweise die Protein-S-Konzentration ab, so dass es beim Vorliegen weiterer Risikofaktoren, wie zum Beispiel einem bekannten Protein S-Mangel engmaschig kontrolliert werden muss, um Komplikationen wie einer Thrombose vorzubeugen.
Therapiemöglichkeiten, Medikamenteneinnahme und Diagnoseverfahren müssen oft an die Schwangerschaft angepasst werden.
Du solltest daher immer Deinen behandelnden Arzt/Ärztin über die Schwangerschaft informieren.
Bei einem Protein S-Mangel handelt es sich nicht um eine Art der Minderversorgung einer Proteinquelle.
Demnach kann man mit Hilfe von Ernährungsumstellungen oder Supplementation keine wirklichen Erfolge erzielen.
Dennoch ist es ratsam, besonders im Vorliegen von Übergewicht, auf eine ausgewogene und gesunde Ernährung zu achten und sich sportlich zu betätigen.
Zu einem direkten Vitamin-K-Mangel kommt es selten durch eine verminderte Aufnahme, sondern wenn, im Rahmen einer Grunderkrankung, welche die Resorption und Aufnahme behindert.
Hierzu zählen allerdings zum Beispiel Alkoholismus, Lebererkrankungen oder auch eine ausgeprägte Adipositas.
Ein Protein S-Mangel stellt keine Kontraindikationen bei einem bestehenden Kinderwunsch dar.
Allerdings sollte man vor der Schwangerschaft bereits Untersuchungen machen, ob weitere Risikofaktoren in Bezug auf Blutgerinnung und Thrombosebildung bestehen.
Existieren Faktoren, wie zum Beispiel Übergewicht, sollte dieses reduziert werden.
Bei Raucherinnen empfiehlt sich eine möglichst dauerhafte Rauchentwöhnung.
| Eigenschaft | Wert |
|---|---|
| Anatomie | Blut, Leber (Synthese von Protein S), Gefäßsystem |
| Differentialdiagnose | Protein-C-Mangel, Faktor-V-Leiden, Antithrombinmangel, Antiphospholipid-Syndrom, erworbene Gerinnungsstörungen |
| Medikamente | Antikoagulanzien (Heparin, Vitamin-K-Antagonisten, DOAKs), Protein-S-Substitution bei schwerem Mangel |
| Epidemiologie | selten; autosomal-dominant oder autosomal-rezessiv vererbt; Prävalenz heterozygot ca. 0,03–0,13 % |
| Prognose | gut bei frühzeitiger Diagnose und Therapie; erhöhtes Risiko für venöse Thrombosen und Thrombophilie |
| Verlauf | meist latent; Thrombosen treten oft unter Risikofaktoren (Operation, Immobilisation, Schwangerschaft) auf; homozygote Form kann neonatal lebensbedrohlich sein |
| Pathophysiologie | mangelndes Protein S → unzureichende Hemmung von Faktor Va und VIIIa durch Protein C → gesteigerte Gerinnungsneigung |
| Komplikation | tiefe Venenthrombosen, Lungenembolien, Thrombosen bei Neugeborenen (Purpura fulminans), Rezidivthrombosen |
| Behandlung | präventive Antikoagulation bei Risikofaktoren, therapeutische Antikoagulation bei Thrombosen, Protein-S-Substitution bei schwerem Mangel |
| Primärvorbeugung | genetische Beratung, Vermeidung von Risikofaktoren (Rauchen, Immobilisation, hormonelle Kontrazeptiva) |
| Sekundärvorbeugung | regelmäßige Kontrolle bei Risikopatienten, prophylaktische Antikoagulation in Risikosituationen, frühzeitige Therapie bei ersten Thrombosen |
| Risikofaktoren | heterozygote/homozygote Mutation, Immobilisation, Operationen, Schwangerschaft, orale Kontrazeptiva, Adipositas, Rauchen |
| Anzeichen | häufig asymptomatisch; bei Thrombose: Schwellung, Schmerzen, Rötung, Wärme; bei Neugeborenen: Purpura fulminans |
| Stadien | heterozygoter Mangel (mild bis moderat), homozygoter Mangel (schwer, neonatal kritisch) |
| Diagnostik | Protein-S-Aktivität und -Antigen, Gerinnungsprofil, genetische Analyse, Familienanamnese |