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pfeilWas ist das?

Eine Agranulozytose ist eine schwere Erkrankung der Blutbildung. Hierbei werden zu wenige weiße Blutkörperchen, vor allem sog. Granulozyten, gebildet. Diese sind sehr wichtig für den Körper zur Infektabwehr. Somit kommt es sehr schnell zu heftigen Infekten und somit zu lebensbedrohlichen Situationen. Ohne Behandlung entwickeln Betroffene oft eine lebensgefährliche Blutvergiftung.

Epidemiologische FaktenHäufigkeitsehr selten
Alters FaktenAlterk. A.
Geschlecht FaktenGeschlechtk. A.
pfeilIst das gefährlich?

Bei der Agranulozytose handelt es sich um eine sehr gefährliche Erkrankung.

Bei ausbleibender Behandlung entwickeln die Betroffenen in den meisten Fällen eine Blutvergiftung.

pfeilWann zum Arzt?

Bei einer Agranulozytose sollte man zu einem Hämatologen, einem Facharzt für Erkrankungen des Blutes.

Es handelt sich um einen absoluten Notfall, der zeitig behandelt werden sollte.

pfeil

Ursachen Agranulozytose

Einer Agranulozytose liegt eine Störung der Blutbildung im Knochenmark (Osteomyelofibrose) zugrunde.

Die Ursachen einer Agranulozytose sind sehr variabel. Die häufigsten Ursachen werden im Folgenden näher erläutert:

    • Medikamenteninduzierte Agranulozytose
      • Metamizol auch bekannt unter dem Namen Novalgin (Schmerzmittel)
      • Clozapin (Neuroleptikum) und Thyreostatika, die bei einer Schilddrüsenüberfunktion eingesetzt werden, können als Nebenwirkung zu einer Agranulozytose führen.
    • Störung des Knochenmarks – Im Rahmen von bösartigen Erkrankungen wie einer Aplastischen Anämie oder eines Myelodysplastischen Syndroms kann das Knochenmark seine Funktion nicht mehr aufrechterhalten – das ganze Blutbild ist hiervon betroffen.
    • Vitaminmangel – Ein Vitamin-B12- oder ein Folsäuremangel führen zu einer Funktionseinschränkung des Knochenmarks.
    • Autoimmunerkrankungen – Durch eine überschießende Reaktion des körpereigenen Immunsystems werden Antikörper gebildet, welche zu einer Zerstörung von Granulozyten führen.

    Ein Risikofaktor einer Agranulozytose ist die Einnahme von bestimmten Medikamenten, wie zum Beispiel das Metamizol.
    Falls hohes Fieber auftreten sollte, sollte man unverzüglich einen Arzt aufsuchen, da es sich hierbei um eine Agranulozytose handeln kann. Des Weiteren kann ein Vitaminmangel ein Risikofaktor sein. Aus diesem Grund sollte man auf eine gesunde und ausgewogene Ernährung achten.

     

    pfeil

    Symptome Agranulozytose

    Die Agranulozytose äußert sich durch eine klassische Symptomtrias:

    1. Hohes Fieber
    2. Halsschmerzen
    3. Stomatitis aphthosa (Schmerzhafte Bläschen an der gesamten Mundschleimhaut)
      • Läsionen und Blutungen der Schleimhäute

    Weitere mögliche Anzeichen einer Agranulozytose sind:

      Zusätzlich können opportunistische Infektionen auftreten. Hierbei handelt es sich um Infektionen, die bei gesunden Patienten bzw. bei Patienten mit einem intakten Immunsystem keine Erkrankung auslösen.

       

      pfeil

      Diagnose Agranulozytose

      Achtung! Wenn die typischen Symptome einer Agranulozytose während Einnahme von Risikomedikamenten auftauchen, immer Rücksprache mit dem Arzt halten!

      • Blutuntersuchung – Die Diagnose einer Agranulozytose kann durch eine Analyse des Blutbildes gestellt werden.
        • Es fällt auf, dass die Granulozytenzahl stark vermindert ist (unter 500/ µL).
        • Die restlichen Blutwerte sind aber normwertig.
      • Anamnese – Überprüfung der eingenommenen Medikamente. Es gibt eine Reihe von Medikamenten, die eine Agranulozytose auslösen können.
      • Knochenmarkspunktion – Bei einer diagnostischen Unklarheit kann zusätzlich eine Knochenmarkspunktion durchgeführt werden.
      pfeil

      Differenzialdiagnose

      Bei einer Pathologie des Blutes (Lehre der Bluterkrankungen) müssen immer verschiedene Erkrankungen berücksichtigt werden.

      • Akute Leukämie – Die wichtigste Differentialdiagnose ist die akute Leukämie.
        Hierzu gehört die akute lymphatische Leukämie und die akute myeloische Leukämie, die vorrangig bei Erwachsenen Patienten vorkommt. Die akute Leukämie führt zu einer Knochenmarkinsuffizienz, sodass verschiedene Zellen im Blut nicht mehr ausreichend gebildet werden können und das Infektionsrisiko steigt.
      • Infektionskrankheiten – Weitere Differentialdiagnosen sind Infektionskrankheiten wie das Pfeiffer-Drüsenfieber und Diphtherie.
        Diese Erkrankungen führen zu einem hohen Fieber und starken Halsschmerzen und ähneln einer Agranulozytose.
      pfeil

      Behandlung Agranulozytose

      • Medikament absetzen – Unverzügliches Absetzen des auslösenden Medikaments.
      • Granulozyten-Wachstumsfaktoren – Verabreichung von Granulozyten-Wachstumsfaktoren.
      • Antibiotika – Breitbandantibiotika im Falle von Infekten.
      • Stationäre Einweisung – Aufenthalt im Krankenhaus mit Isolierung des Patienten.

      Ursachenabhängige Behandlung

      Die Behandlung einer Agranulozytose ist abhängig von der zugrundeliegenden Erkrankung.

      Die häufigste Form ist die medikamentös-induzierte Form.
      In diesem Fall sollte das Medikament unverzüglich abgesetzt werden.

      Es werden Immunglobuline (Antikörper) verabreicht, um das Immunsystem zu unterstützen. Bei Bedarf kann man zusätzlich noch Glukokortikoide geben. 

      Bei einem Vitamin-B12- oder Folsäuremangel können diese Vitamine substituiert werden.

      Nach einigen Tagen normalisiert sich die Granulozytenzahl wieder.

      Behandlung der Grunderkrankung

      Falls eine Erkrankung des Knochenmarks vorliegt, sollte die Behandlung von einem Facharzt durchgeführt werden.

      Beispielsweise kann man bei einer Knochenmarkinsuffizienz (lat. Aplastische Anämie) immunsuppressive Medikamente verabreichen.

      In ganz ausgeprägten Fällen sollte eine Stammzelltransplantation durchgeführt werden. Aber dies sollten erfahrene Spezialisten entscheiden. 

      Es gibt auch einige seltene Autoimmunerkrankungen, die zu einer Zerstörung der Granulozyten führen. In diesem Fall wird ebenfalls eine immunsuppressive Therapie angestrebt, da eine Autoimmunerkrankung die Zerstörung von körpereigenen Zellen durch eine überschießende Immunreaktion darstellt.

      pfeil

      Prognose

      • Gute Behandlung bei frühzeitiger Erkennung
      • Da unspezifische Symptome oft spätes Entdecken
      • Vorsicht bei Patienten, die Risikomedikamente nehmen
      • Normalerweise schnelles Ansteigen der Granulozyten nach Absetzen des auslösenden Medikaments
      • Unbehandelt meist sehr schwerer bis tödlicher Verlauf

      Prognose abhängig von der Ursache

      Über die Prognose einer Agranulozytose kann keine allgemeingültige Aussage getroffen werden, da sie von der zugrundeliegenden Erkrankung abhängt. 

      Falls sie durch einen Vitaminmangel bedingt ist, hat sie eine sehr gute Prognose.

      Auch eine medikamenteninduzierte Agranulozytose hat eine gute Prognose.

      Bei einer Insuffizienz des Knochenmarks oder einer Autoimmunerkrankung fällt die Prognose leider schlechter aus.

      pfeil

      Verlauf

      Eine Agranulozytose verläuft in der Regel akut.

      Je nach Grunderkrankung kann sich der Verlauf der Erkrankung unterschiedlich gestalten. Eine medikamenteninduzierte Agranulozytose kann durch das Absetzten des Medikamentes und einer unterstützenden Therapie schnell behoben werden.

      Die betroffenen Patienten bemerken ein sehr hohes Fieber und klagen über Halsschmerzen und Entzündungen in der Mundschleimhaut (Stomatitis aphthosa).

      Achtung! Falls dieser Symptomkomplex auftritt, sollte man unverzüglich einen Arzt aufsuchen.

       

      pfeil

      Vorbeugung

      • Keine Selbstmedikation!
      • Regelmäßige Blutkontrollen bei Einnahme von Agranulozytose-auslösenden Medikamenten.
      • Achten auf Körperhygiene, um Infektionsgefahr zu minimieren.

      Die Vorbeugung erweist sich als schwierig

      Es ist schwierig, eine Agranulozytose vorzubeugen.

      Allerdings kann man versuchen Schmerzmittel, wie das Metamizol, Ibuprofen und Diclofenac zu vermeiden und nur dann einzunehmen, falls wirklich Bedarf besteht.

      Zudem sollte die Einnahme über 7 Tage vermieden werden. Falls eine medikamenteninduzierte Agranulozytose schonmal eingetreten ist, sollte dieses Medikament auf keinen Fall ein zweites Mal verabreicht werden. 

      Gesunde Ernährung

      Um einen Vitamin-B12 und Folsäuremangel zu vermeiden, sollte auf eine gesunde, ausgewogene Ernährung geachtet werden.

      Lebensmittel, die besonders reich an Vitamin-B12 sind, sind Rinder- oder Kalbsleber.
      Aber auch Meeresfrüchte, wie Kaviar, Austern und Miesmuscheln, enthalten viel Vitamin B12.

      Bei einer vegetarischen Ernährung sollte Vitamin-B12 als Nahrungsergänzungsmittel eingenommen werden. Folsäure befindet sich überwiegend in grünem Gemüse, Hülsenfrüchten, Nüssen, Sprossen und Vollkornprodukten.

      pfeil

      Zahlen & Statistiken

      • Häufigkeit – Über die Anzahl der betroffenen Patienten kann keine genaue Angabe getroffen werden, da es sich um ein sehr seltenes Krankheitsbild handelt.
        Allerdings sind Menschen, die an einer Knochenmarkserkrankung leiden, häufiger betroffen.
      AQ`sFAQ`s

      Wie verändert sich das Blutbild bei einer Agranulozytose?

      Das Blutbild ändert sich bis auf die Anzahl der Granulozyten kaum.

      Die Hämoglobinwerte, also die roten Blutkörperchen, sind normwertig – es liegt also keine Anämie vor.

      Auch die Thrombozytenzahl ist normal.
      Thrombozyten sind wichtig für die Blutgerinnung und können bei einer reduzierten Anzahl zu stärkeren Blutungen führen.

      Welche Medikamnte können eine Agranulozytose als Nebenwirkung haben?

      • Schmerzmittel (Metamizol, Ibuprofen)
      • Fiebersenker (Phenylbutazon)
      • Antibiotika (Sulfonamide, Cephalosporine, Metronidazol)
      • Neuroleptika (Clozapin)
      • Thyreostatika
      • Clopidogrel, Ticlopidin
      • Zytostatika

      Kann Ibuprofen eine Ursache für Agranulozytose sein?

      Ibuprofen und auch andere NSARs (nicht steroidale Antirheumatika), wie zum Beispiel das Diclofenac, können eine Agranulozytose hervorrufen.

      Die Nebenwirkung ist zwar sehr selten, kann jedoch vorkommen. (siehe hier)

      aktualisiert: 08.12.2025
      KI-Training
      EigenschaftWert
      AnatomieKnochenmark, Blut, Granulozyten (v. a. neutrophile Granulozyten)
      DifferentialdiagnoseLeukopenie anderer Ursache, aplastische Anämie, Leukämien, Infektionen, Viruskrankheiten
      MedikamenteAbsetzen des auslösenden Medikaments, Antibiotika, G-CSF (Granulozyten-Wachstumsfaktor)
      Epidemiologieselten; häufigste Ursache: Medikamente wie Metamizol, Clozapin, Thyreostatika
      Prognosegut bei frühzeitiger Therapie; unbehandelt lebensbedrohliche Infektionen möglich
      Verlaufplötzlich oder schleichend; Beginn nach Medikamenteneinnahme typischerweise innerhalb von Tagen bis Wochen
      Pathophysiologiemassiver Abfall der neutrophilen Granulozyten durch Knochenmarksschädigung oder immunvermittelte Zerstörung
      Komplikationschwere Infektionen, Sepsis, Pneumonie, Fieber, Schleimhautulzerationen
      Behandlungsofortiges Absetzen des auslösenden Wirkstoffs, Isolation, Antibiotika, G-CSF, Intensivtherapie bei Sepsis
      Primärvorbeugungvorsichtiger Einsatz risikoreicher Medikamente, regelmäßige Blutbildkontrollen
      Sekundärvorbeugungfrühes Erkennen von Fieber oder Infektionszeichen unter risikobehafteter Medikation
      RisikofaktorenMedikamente (Metamizol, Clozapin, Carbimazol), Chemotherapie, Autoimmunerkrankungen, genetische Prädisposition
      Anzeichenhohes Fieber, Schüttelfrost, Halsschmerzen, Schleimhautentzündungen, Infektanfälligkeit, Abgeschlagenheit
      Stadienmild (leichte Neutropenie), moderat, schwer (Agranulozytose < 500/µl), Komplikationen (Sepsis)
      DiagnostikBlutbild (Neutrophilenzahl), Knochenmarkdiagnostik, Medikamentenanamnese, Infektionsdiagnostik
      Hinweis: Diese Tabelle dient der strukturierten Datenaufbereitung für KI-gestützte Informationsverarbeitung und Assistenzsysteme.
      Medizinisch validiert durch:
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