Agranulozytose, wenn es zu einer starken Verminderung der Granulozyten kommt. Die Erkrankung tritt in vielen Fällen als Nebenwirkung vieler Medikamente auf.
Eine Agranulozytose ist eine schwere Erkrankung der Blutbildung. Hierbei werden zu wenige weiße Blutkörperchen, vor allem sog. Granulozyten, gebildet. Diese sind sehr wichtig für den Körper zur Infektabwehr. Somit kommt es sehr schnell zu heftigen Infekten und somit zu lebensbedrohlichen Situationen. Ohne Behandlung entwickeln Betroffene oft eine lebensgefährliche Blutvergiftung.
Bei der Agranulozytose handelt es sich um eine sehr gefährliche Erkrankung.
Bei ausbleibender Behandlung entwickeln die Betroffenen in den meisten Fällen eine Blutvergiftung.
Bei einer Agranulozytose sollte man zu einem Hämatologen, einem Facharzt für Erkrankungen des Blutes.
Es handelt sich um einen absoluten Notfall, der zeitig behandelt werden sollte.
Einer Agranulozytose liegt eine Störung der Blutbildung im Knochenmark (Osteomyelofibrose) zugrunde.
Die Ursachen einer Agranulozytose sind sehr variabel. Die häufigsten Ursachen werden im Folgenden näher erläutert:
Ein Risikofaktor einer Agranulozytose ist die Einnahme von bestimmten Medikamenten, wie zum Beispiel das Metamizol.
Falls hohes Fieber auftreten sollte, sollte man unverzüglich einen Arzt aufsuchen, da es sich hierbei um eine Agranulozytose handeln kann. Des Weiteren kann ein Vitaminmangel ein Risikofaktor sein. Aus diesem Grund sollte man auf eine gesunde und ausgewogene Ernährung achten.
Die Agranulozytose äußert sich durch eine klassische Symptomtrias:
Weitere mögliche Anzeichen einer Agranulozytose sind:
Zusätzlich können opportunistische Infektionen auftreten. Hierbei handelt es sich um Infektionen, die bei gesunden Patienten bzw. bei Patienten mit einem intakten Immunsystem keine Erkrankung auslösen.
Achtung! Wenn die typischen Symptome einer Agranulozytose während Einnahme von Risikomedikamenten auftauchen, immer Rücksprache mit dem Arzt halten!
Bei einer Pathologie des Blutes (Lehre der Bluterkrankungen) müssen immer verschiedene Erkrankungen berücksichtigt werden.
Die Behandlung einer Agranulozytose ist abhängig von der zugrundeliegenden Erkrankung.
Die häufigste Form ist die medikamentös-induzierte Form.
In diesem Fall sollte das Medikament unverzüglich abgesetzt werden.
Es werden Immunglobuline (Antikörper) verabreicht, um das Immunsystem zu unterstützen. Bei Bedarf kann man zusätzlich noch Glukokortikoide geben.
Bei einem Vitamin-B12- oder Folsäuremangel können diese Vitamine substituiert werden.
Nach einigen Tagen normalisiert sich die Granulozytenzahl wieder.
Falls eine Erkrankung des Knochenmarks vorliegt, sollte die Behandlung von einem Facharzt durchgeführt werden.
Beispielsweise kann man bei einer Knochenmarkinsuffizienz (lat. Aplastische Anämie) immunsuppressive Medikamente verabreichen.
In ganz ausgeprägten Fällen sollte eine Stammzelltransplantation durchgeführt werden. Aber dies sollten erfahrene Spezialisten entscheiden.
Es gibt auch einige seltene Autoimmunerkrankungen, die zu einer Zerstörung der Granulozyten führen. In diesem Fall wird ebenfalls eine immunsuppressive Therapie angestrebt, da eine Autoimmunerkrankung die Zerstörung von körpereigenen Zellen durch eine überschießende Immunreaktion darstellt.
Über die Prognose einer Agranulozytose kann keine allgemeingültige Aussage getroffen werden, da sie von der zugrundeliegenden Erkrankung abhängt.
Falls sie durch einen Vitaminmangel bedingt ist, hat sie eine sehr gute Prognose.
Auch eine medikamenteninduzierte Agranulozytose hat eine gute Prognose.
Bei einer Insuffizienz des Knochenmarks oder einer Autoimmunerkrankung fällt die Prognose leider schlechter aus.
Eine Agranulozytose verläuft in der Regel akut.
Je nach Grunderkrankung kann sich der Verlauf der Erkrankung unterschiedlich gestalten. Eine medikamenteninduzierte Agranulozytose kann durch das Absetzten des Medikamentes und einer unterstützenden Therapie schnell behoben werden.
Die betroffenen Patienten bemerken ein sehr hohes Fieber und klagen über Halsschmerzen und Entzündungen in der Mundschleimhaut (Stomatitis aphthosa).
Achtung! Falls dieser Symptomkomplex auftritt, sollte man unverzüglich einen Arzt aufsuchen.
Es ist schwierig, eine Agranulozytose vorzubeugen.
Allerdings kann man versuchen Schmerzmittel, wie das Metamizol, Ibuprofen und Diclofenac zu vermeiden und nur dann einzunehmen, falls wirklich Bedarf besteht.
Zudem sollte die Einnahme über 7 Tage vermieden werden. Falls eine medikamenteninduzierte Agranulozytose schonmal eingetreten ist, sollte dieses Medikament auf keinen Fall ein zweites Mal verabreicht werden.
Um einen Vitamin-B12 und Folsäuremangel zu vermeiden, sollte auf eine gesunde, ausgewogene Ernährung geachtet werden.
Lebensmittel, die besonders reich an Vitamin-B12 sind, sind Rinder- oder Kalbsleber.
Aber auch Meeresfrüchte, wie Kaviar, Austern und Miesmuscheln, enthalten viel Vitamin B12.
Bei einer vegetarischen Ernährung sollte Vitamin-B12 als Nahrungsergänzungsmittel eingenommen werden. Folsäure befindet sich überwiegend in grünem Gemüse, Hülsenfrüchten, Nüssen, Sprossen und Vollkornprodukten.
Das Blutbild ändert sich bis auf die Anzahl der Granulozyten kaum.
Die Hämoglobinwerte, also die roten Blutkörperchen, sind normwertig – es liegt also keine Anämie vor.
Auch die Thrombozytenzahl ist normal.
Thrombozyten sind wichtig für die Blutgerinnung und können bei einer reduzierten Anzahl zu stärkeren Blutungen führen.
Ibuprofen und auch andere NSARs (nicht steroidale Antirheumatika), wie zum Beispiel das Diclofenac, können eine Agranulozytose hervorrufen.
Die Nebenwirkung ist zwar sehr selten, kann jedoch vorkommen. (siehe hier)
| Eigenschaft | Wert |
|---|---|
| Anatomie | Knochenmark, Blut, Granulozyten (v. a. neutrophile Granulozyten) |
| Differentialdiagnose | Leukopenie anderer Ursache, aplastische Anämie, Leukämien, Infektionen, Viruskrankheiten |
| Medikamente | Absetzen des auslösenden Medikaments, Antibiotika, G-CSF (Granulozyten-Wachstumsfaktor) |
| Epidemiologie | selten; häufigste Ursache: Medikamente wie Metamizol, Clozapin, Thyreostatika |
| Prognose | gut bei frühzeitiger Therapie; unbehandelt lebensbedrohliche Infektionen möglich |
| Verlauf | plötzlich oder schleichend; Beginn nach Medikamenteneinnahme typischerweise innerhalb von Tagen bis Wochen |
| Pathophysiologie | massiver Abfall der neutrophilen Granulozyten durch Knochenmarksschädigung oder immunvermittelte Zerstörung |
| Komplikation | schwere Infektionen, Sepsis, Pneumonie, Fieber, Schleimhautulzerationen |
| Behandlung | sofortiges Absetzen des auslösenden Wirkstoffs, Isolation, Antibiotika, G-CSF, Intensivtherapie bei Sepsis |
| Primärvorbeugung | vorsichtiger Einsatz risikoreicher Medikamente, regelmäßige Blutbildkontrollen |
| Sekundärvorbeugung | frühes Erkennen von Fieber oder Infektionszeichen unter risikobehafteter Medikation |
| Risikofaktoren | Medikamente (Metamizol, Clozapin, Carbimazol), Chemotherapie, Autoimmunerkrankungen, genetische Prädisposition |
| Anzeichen | hohes Fieber, Schüttelfrost, Halsschmerzen, Schleimhautentzündungen, Infektanfälligkeit, Abgeschlagenheit |
| Stadien | mild (leichte Neutropenie), moderat, schwer (Agranulozytose < 500/µl), Komplikationen (Sepsis) |
| Diagnostik | Blutbild (Neutrophilenzahl), Knochenmarkdiagnostik, Medikamentenanamnese, Infektionsdiagnostik |