Myelodysplastisches Syndrom, wenn es zu einer Entwicklung veränderter, blutbildende Zellen im Knochenmark kommt.
Erfahrungs Berichte
Ein Myelodysplastisches Syndrom beschreibt eine Gruppe von Erkrankungen, die zu einer Störung von Stammzellen im Knochenmark führen. Diese Zellen können sich nicht mehr differenzieren und sind somit in ihrer Funktion beeinträchtigt. Es kommt zu einer Vermehrung dieser gestörten Zellen und einer Verdrängung der normalen Blutbildung. Folglich kann es zu einer Blutarmut, einer erhöhten Infektneigung und einem erhöhten Blutungsrisiko kommen. Die Therapie ist abhängig von dem Schweregrad der Erkrankung.
Bei einem Myelodysplastisches Syndrom sollte man einen Hämato-Onkologen aufsuchen.
Dieser ist auf bösartige Erkrankungen des Blutes spezialisiert und kann eine geeignete Therapie anordnen.
Bei den Anzeichen eines Myelodysplastischen Syndroms ist es zunächst ratsam, den Hausarzt aufzusuchen.
Dieser kann nach gegebenen Anlass die Überweisung zu einem Spezialisten veranlassen.
Das Myelodysplastisches Syndrom kann man in eine primäre und in eine sekundäre Form unterteilen.
Die primäre Form entsteht durch eine genetische Veränderung oder durch eine Veränderungen der Mikroumgebung.
Sie kommt in etwa 90% der Myelodysplastischen Syndrome vor.
Die sekundäre Form kommt nur in 10% der Fälle vor.
Sie entsteht durch giftige Substanzen, die zu einer Schädigung des Knochenmarks geführt haben.
Hierbei kann es sich um Chemotherapeutika oder eine Bestrahlungstherapie im Rahmen einer anderen Krebsart handeln.
Aber auch Substanzen, wie das Benzol oder organische Lösungsmittel, sind toxisch.
Ferner gibt es andere, seltene Erkrankungen des Blutes, die eine Entstehung des Myelodysplastisches Syndrom begünstigen.
Durch eine Verdrängung der normalen Blutbildung werden einige Zellen im Blut nur noch zu einem kleinen Anteil produziert.
Dies kann sich durch folgende Symptome bemerkbar machen:
Etwa 20 % der Patienten haben jedoch keine Symptome.
Die Diagnose eines Myelodysplastisches Syndrom erfolgt durch eine Blutuntersuchung, einer Knochenmarksuntersuchung und einer genetischen Analyse.
Die Blutuntersuchung gibt Aufschluss darüber, welche Zellen betroffen sind.
In der Knochenmarksuntersuchung kann man sogenannte Blasten (BLA) erkennen.
Hierbei handelt es sich um entartete Stammzellen des Blutes.
Die genetische Analyse wird durchgeführt, um die Mutation herauszufinden, die zu einer Entartung geführt hat.
Dies ist wichtig für die Therapie, da unterschiedliche Medikamente verabreicht werden können.
Die Symptome eines Myelodysplastischen Syndroms ähneln anderen Erkrankungen des Blutes.
Aus diesem Grund sollte man vor der Diagnosestellung andere Optionen berücksichtigen und diese mit abklären.
Die wichtigsten Differenzialdiagnosen sind im Folgenden näher erklärt:
Die Behandlung des Myelodysplastischen Syndroms richtet sich nach der Schwere der Erkrankung.
Die Therapie ist abhängig von dem Alter und dem Allgemeinzustand des Patienten.
Zusätzlich erfolgt eine Einteilung in ein Niedrigrisiko- und Hochrisikopatienten.
Bei einem Niedrigrisikopatienten kann man zunächst warten und den Krankheitsverlauf überwachen.
Falls der Patient Symptome entwickeln sollte, können spezielle Medikamente verabreicht werden.
Bei jungen Patienten (<60 Jahre) kann auch eine Stammzelltransplantation in Erwägung gezogen werden.
Bei Hochrisikopatienten strebt man in der Regel direkt eine Stammzelltransplantation ein.
Alternativ kann man Chemotherapeutika verabreichen.
Neben der Therapie der Grunderkrankung können auch unterstützende Maßnahmen angewandt werden.
Bei einer Blutarmut können beispielsweise Blutkonserven gegeben werden.
Falls die Anzahl der Blutplättchen zu niedrig ist und es zu Einblutungen kommt, kann man diese substituieren.
Bei einer reduzierten Zahl von weißen Blutkörperchen kann ein Wachstumsfaktor verabreicht werden, der einen Wachstum stimulieren soll.
Zusätzlich sollte man darauf achten, dass der Patient alle notwendigen Impfungen erhalten hat.
Falls eine Infektion auftritt, sollte rechtzeitig eine antibiotische Therapie eingeleitet werden.
Die Prognose eines Myelodysplastisches Syndrom ist sehr variabel.
Sie hängt von dem Alter, dem Allgemeinzustand und der Risikoeinteilung des Patienten ab. Hierfür gibt es verschiedene klinische Scores, die zur Beurteilung hinzugezogen werden.
Das gängigste klinische Score System ist das sogenannte International Prognostic Scoring System (IPSS).
Der Verlauf eines Myelodysplastisches Syndrom ist meist langsam, progredient (fortschreitend).
Mit der Zeit kommt es also zur zunehmenden Verdrängung der normalen Blutbildung.
Immer mehr unreife und funktionsunfähige Zellen, die Blasten, gelangen in das Blut.
Bei einem Teil der Patienten kann das Myelodysplastische Syndrom in eine akute Form der Leukämie übergehen.
Es ist recht schwierig, ein Myelodysplastisches Syndrom vorzubeugen.
Allerdings kann man versuchen, arbeitsschutzrechtliche Maßnahmen einzuhalten.
Denn giftige Substanzen, wie zum Beispiel das Benzol oder andere organische Lösungsmittel, können zu einer Schädigung des Knochenmarks führen und eine Entartung der Zellen begünstigen.
Die Lebenserwartung bei einem Myelodysplastischen Syndrom hängt von der Risikoeinschätzung ab.
Bei einem niedrigen Risiko überleben die Patienten im Durchschnitt noch 5,5 Jahre.
Allerdings sollte die unterstützende Therapie nicht vernachlässigt werden, da ein hoher Teil der Patienten an Komplikationen, wie Infektionen und Blutungen verstirbt.
Beachte! Das Durchschnittsalter bei der Diagnose beträgt 75 Jahre. Demnach sind vor allem ältere Menschen betroffen.
Das Myelodysplastisches Syndrom ist durchaus vererbbar.
In etwa 10 % der Fälle scheint eine genetische Prädisposition vorzuliegen.
| Eigenschaft | Wert |
|---|---|
| Anatomie | Knochenmark, Blut, hämatopoetische Stammzellen |
| Differentialdiagnose | aplatische Anämie, akute Leukämie, Vitamin-B12-/Folsäuremangel, Eisenmangel, chronische Infektionen |
| Medikamente | Supportiv: Erythropoetin, Thrombozytenkonzentrate, G-CSF; Therapie: Hypomethylierende Substanzen (Azacitidin, Decitabin), Chemotherapie bei Progression |
| Epidemiologie | selten; häufiger bei älteren Erwachsenen (>60 Jahre); Inzidenz ca. 4–5/100.000/Jahr |
| Prognose | variabel; abhängig von Risikoprofil (IPSS), Alter und Blastenanteil; Risiko der Progression zu akuter Leukämie |
| Verlauf | schleichend mit zunehmender Zytopenie; schubweise Verschlechterung möglich; Progression zu AML in 20–30 % der Fälle |
| Pathophysiologie | klonale Störung der hämatopoetischen Stammzellen → ineffektive Hämatopoese → Zytopenien im Blut |
| Komplikation | Infektionen, Blutungen, Anämiesymptome, Transformation in akute myeloische Leukämie |
| Behandlung | Supportiv: Transfusionen, Wachstumsfaktoren; krankheitsmodifizierend: hypomethylierende Substanzen, allogene Stammzelltransplantation bei geeigneten Patienten |
| Primärvorbeugung | nicht möglich; Reduktion von Expositionen gegenüber Chemikalien oder Strahlung kann Risiko senken |
| Sekundärvorbeugung | frühe Diagnostik bei Zytopenien, regelmäßige Blutkontrollen bei Risikogruppen |
| Risikofaktoren | höheres Alter, Chemotherapie oder Strahlentherapie, Benzol-Exposition, genetische Prädisposition |
| Anzeichen | Müdigkeit, Infektanfälligkeit, Blutungsneigung, Blässe, Petechien, Fieber |
| Stadien | niedrigrisiko (wenige Zytopenien, <5% Blasten), Hochrisiko (mehrere Zytopenien, ≥5–19% Blasten), Transformation zu AML (>20% Blasten) |
| Diagnostik | Blutbild, Knochenmarkaspiration/-biopsie, Zytogenetik, Molekulargenetische Analysen, IPSS/IPSS-R-Risikostratifizierung |
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