Herzklappenfehler (Vitium cordis), wenn es zu einer Störung der Funktion der Herzklappe kommt. Entweder als Insuffizienz oder Stenose.
Unter einem Herzklappenfehler, in der Fachsprache auch Klappenvitium genannt, versteht man eine angeborene oder erworbene Funktionsstörung der Klappen im Herzen. Diese sorgen normalerweise dafür, dass unser Blut nur in eine Richtung gepumpt wird. Oftmals sind ältere Menschen von Herzklappenstörungen betroffen. Besonders aber bei angeborenen Fehlbildungen, zum Beispiel der Aortenklappe, können auch jüngere Menschen betroffen sein. Auch der Lebensstil spielt eine Rolle – je ungesünder man lebt, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass man früher erkrankt.
Nicht jeder Herzklappenfehler ist gefährlich, manche sind sogar „normal“ und treten auf, je älter man wird.
Andere wiederum verursachen jedoch Symptome und müssen behandelt werden, da sonst eine Insuffizienz des Herzens (Herzschwäche) droht, was unbehandelt auf jeden Fall zum Tod führt und selbst mit Behandlung teils nur schwer therapiert werden kann.
Die verschiedenen Herzklappenfehler, machen teils kaum und wenn, dann teils unterschiedliche Symptome.
Man sollte auf jeden Fall zum Arzt, wenn man nicht nur schwer Luft bekommt, sondern auch aufgrund dessen nicht mehr flach schlafen kann.
Auch wenn generell die Leistungsfähigkeit abnimmt und man sich andauernd schlapp fühlt oder wenn man öfter ohne Grund kurzzeitig ohnmächtig wird, musst Du zur Klärung zu einem Arzt.
Der erste Ansprechpartner bei Verdacht ist Dein Hausarzt, alternativ direkt zu einem Herzspezialisten (Kardiologen).
Unser Herz besteht aus 4 Kammern [3][6][8][9], die durch die jeweiligen Herzklappen [4] miteinander verbunden sind.
Wir schauen uns dies einmal genauer an:
Die Klappen öffnen sich immer in die jeweilige Flussrichtung des Blutes und verschließen sich in der Entspannungs- und Füllungsphase des Herzens, um einen Rückfluss des Blutes zu verhindern.
Wir haben vier Klappen in unseren Herzen, die alle zwei „Fehler“ haben können. Also 8 verschiedene Herzklappenfehler.
Einerseits kann sich eine Stenose, also eine Verengung bilden, und andererseits kann die Klappe „insuffizient“ werden, also nicht mehr richtig schließen.
Man kombiniert dann den jeweiligen Klappennamen mit der Störung und erhält folgende Einteilung:
Die Mitralklappeninsuffizienz ist der häufigste Herzklappenfehler.
In diesem Fall ist die Mitralklappe nicht mehr in der Lage, genug Blut in die rechte Herzkammer zu pumpen.
Aus diesem Grund kommt es zu einem Blutstau im linken Vorhof und folglich zu einer Vergrößerung des linken Vorhofes.
Der zweithäufigste Herzklappenfehler ist die Aortenklappenstenose.
Hier kann die Aortenklappe sich durch eine Verengung nicht mehr vollständig öffnen.
Durch die erhöhte Druckbelastung kommt es zu einer Mehrbelastung des Herzens, welches zu einer Herzinsuffizienz (Herzschwäche) führen kann.
Die Ursachen können eingeteilt werden (→ siehe Abschnitt Einteilung) in:
(Funktionsverlust → durch nicht richtiges Schließen kommt es zu einem „Leck“)
Unglücklicherweise sind Herzklappenfehler vererbbar.
Es gibt genetische Syndrome, die zu Klappenfehlern und einer Herzschwäche führen. Die häufigsten angeborenen Herzfehler sind eine Aortenisthmusstenose (Verengung am Aortenbogen), eine Aortenklappenstenose (Verengung der Aortenklappe), eine Pulmonalklappenstenose (Verengung der Pulmonalklappe), ein Vorhofseptumdefekt und die Fallot-Tetralogie.
Desweiteren gibt es genetische Erkrankungen, die sekundär zu einem Herzklappenfehler führen. Hierzu zählt das Marfan-Syndrom, das aufgrund einer Bindegewebsschwäche zu einer Insuffizienz der Klappen führen kann.
Zudem können Herzklappenfehler bei einem ungesunden Lebensstil der Mutter in der Schwangerschaft hervorgerufen werden.
Hierzu gehört der Alkohol- und Drogenkonsum, welche das Embryo schädigen.
Die Symptome bei einem Herzklappenfehler müssen anhand der verschiedenen Klappen eingeteilt werden.
Auch wenn die Anzeichen sehr ähnlich sind, gibt es doch ein paar Unterschieden, die zusammen mit der körperlichen Untersuchung auf die jeweilige Klappenstörung hinweisen können.
Die Behandlung hängt von der Art der Klappenstörung und auch der Ausprägung ab.
Nicht jeder Herzklappenfehler (Klappenvitium) muss behandelt werden.
Wenn aber eine Therapie nötig ist, gibt es verschiedene Möglichkeiten:
Bei milden Fällen, in denen der Herzklappenfehler keine signifikanten Symptome verursacht, kann eine regelmäßige Überwachung durch einen Kardiologen ausreichend sein.
Dies beinhaltet oft regelmäßige Echokardiogramme („Herzecho“ - Ultraschalluntersuchung), um den Zustand der Herzklappen zu beurteilen.
Sobald aber Symptome auftreten oder bei den Untersuchungen etwas neu auffällt, können weitere Therapien eingeleitet werden.
In vielen Fällen können Medikamente eingesetzt werden, um die Symptome zu lindern und das Herz zu entlasten.
Dazu gehören:
Man kann sie einzeln oder in Kombination anwenden.
→ siehe dazu Abschnitt Operation
Spezielle Medikamente, die man bei einem Herzklappenfehler verabreicht, gibt es nicht.
Vielmehr beruht die medikamentöse Therapie auf der Behandlung der Herzschwäche.
Hierfür werden Medikamente, wie ACE-Hemmer, Betablocker, Aldosteron-Antagonisten und Diuretika gegeben.
Thromboembolieprophylaxe
Darüber hinaus kann eine Thromboembolieprophylaxe notwendig sein.
Dieses komplexe Wort beschreibt einfach die medikamentöse Vorbeugung von Blutgerinnseln. Diese können nämlich in den Körperkreislauf ausgeschwemmt werden und dort andere Gefäße verstopfen.
Des Weiteren sollte immer auf eine optimale Blutdruckeinstellung geachtet werden.
Denn auch diese kann zur Erschöpfung des Herzens führen.
Wenn der Herzklappenfehler schwerwiegender ist oder die Symptome nicht mit Medikamenten kontrolliert werden können, kann eine Operation erforderlich sein.
Es gibt verschiedene chirurgische Optionen:
Bei dem Klappenersatz unterscheidet man generell zwischen mechanischen und biologischen Klappen.
In der Regel werden entweder die Mitral- oder die Aortenklappe ersetzt. Das kann offen oder minimalinvasiv, bei der Aortenklappe in Form einer TAVI (Transarterieller Aortenklappenersatz) erfolgen.
Folgende Unterschiede und Indikationen für die jeweiligen Klappen bestehen:
Eine dritte Möglichkeit ist die Verwendung eines sogenannten „Homografts“.
Hierbei handelt es sich um Herzklappen, die von toten Spendern gewonnen werden. Sie sind länger haltbar als biologische Klappen, werden aber aufgrund der schwierigen Gewinnung, geringer Verfügbarkeit und speziellen Operationstechniken nur selten verwendet.
Sie sind außerdem speziellen Indikationen vorbehalten, meist für Kinder, die mit angeborenen Herzfehlern zur Welt kommen.
In den letzten Jahren haben sich auch minimalinvasive Techniken entwickelt, die es ermöglichen, Herzklappenfehler mit weniger invasiven Eingriffen zu behandeln.
Diese Verfahren können oft eine schnellere Genesung und weniger postoperative Komplikationen bieten.
Sie werden über einen Zugang an der Leiste oder in einigen Fällen auch über die Innenseite des Oberarms durchgeführt, bei denen dann über einen Katheter die Materialien ins Herz eingebracht werden können.
Es ist wichtig, dass Patienten mit Herzklappenfehlern eng mit ihrem Arzt zusammenarbeiten, um die beste Behandlungsstrategie zu finden.
Regelmäßige Nachsorge und Anpassungen der Therapie können entscheidend sein, um die Lebensqualität zu verbessern und das Risiko von Komplikationen zu minimieren.
Über die Prognose bei einem Herzklappenfehler lässt sich pauschal keine Aussage treffen.
Sie hängt von individuellen Faktoren, aber auch vom Ausmaß der Klappenschädigung ab.
Je nach Herzklappe kann diese bei einer Operation rekonstruiert werden, das bedeutet so viel wie „repariert“ werden oder sie muss ganz ersetzt werden.
Hierfür stehen verschiedene Operationstechniken und auch Klappen zur Verfügung.
Man spricht dann von einer Herzklappenprothese.
Ein Herzklappenfehler führt immer zu einer Belastung des Herzens.
Bei einer Stenose, also einer Verengung der Herzklappe, muss das Herz gegen einen erhöhten Widerstand pumpen.
Um die Organe mit ausreichend Blut zu versorgen, muss das Herz einen höheren Druck aufbauen, damit die gleiche Menge an Blut in den Körperkreislauf gelangt.
Auf Dauer führt dies aber zu einer Herzinsuffizienz.
Bei einer Herzklappeninsuffizienz hingegen schließt die Herzklappe nicht richtig.
Das heißt, dass Blut fließt zurück und führt zu einer Volumenbelastung.
Auch in diesem Fall muss das Herz einen höheren Druck aufbauen, um das erhöhte Blutvolumen in den Kreislauf zu pumpen.
Das Resultat ist das Gleiche - auch in diesem Fall kommt es zu einer Herzinsuffizienz.
Dies führt leider zu einer reduzierten Lebenserwartung.
Die Lebenserwartung bei einem Herzklappenfehler hängt davon ab, welche Herzklappe betroffen ist, wie stark diese beschädigt ist und wie man diese therapieren kann.
Falls der Herzklappenfehler früh entdeckt und behandelt wird, ist die Lebenserwartung kaum reduziert.
Bei einem späten Diagnosezeitpunkt liegt meist auch schon eine Herzinsuffizienz vor.
In diesem Fall ist die Lebenserwartung reduziert.
Je nach Schweregrad der Herzinsuffizienz kann man diese klassifizieren.
Der Verlauf bei einem Herzklappenfehler richtet sich nach der Art des Klappenfehlers und auch dem Erfolg der Behandlung.
Da nicht jeder Klappenfehler behandelt werden muss, können diese „einfach beobachtet“ werden, ohne dass man davon etwas mitbekommt.
Wenn die Klappe ersetzt wird, ist die Störung behoben, man muss aber je nach Art des Ersatzes ein Leben lang Medikamente einnehmen.
Je nach Gesundheitszustand der Betroffenen kann es aber auch sein, dass sich der Klappenfehler nicht oder nur unzureichend behandeln lässt oder aber dass noch andere Krankheiten hinzukommen, die zum Beispiel eine Operation unmöglich machen.
In diesen Fällen kann es sein, dass die Betroffenen an der Kombination der Krankheiten sterben.
Generell kann man aber auch mit Herzklappenfehlern gut leben.
Letztendlich begleiten einen die Klappenstörungen ein ganzes Leben lang, wenn diese nicht künstlich ersetzt werden.
Auch wenn man sie gut mit anderen Methoden, wie zum Beispiel Medikamenten behandeln kann, bleibt sie „Störung“ an sich bestehen.
Im Laufe des Lebens wird wahrscheinlich jeder Mensch Veränderungen an den Herzklappen entwickeln.
Sowohl die Stenosen, als auch die Insuffizienzen werden in verschiedene Stadien eingeteilt.
Das erfolgt anhand der Symptomatik und der verschiedenen im Herzecho messbaren Parameter, wie Öffnungsfläche der Klappe oder aber Rückfluss über eine Klappe.
Ob Sport mit einem Herzklappenfehler gemacht werden darf, hängt von der Schwere des Herzklappenfehlers und dem Allgemeinzustand ab.
Hierfür sollte man am besten einen Kardiologen, also einen Facharzt für Erkrankungen des Herzens, aufsuchen.
Dieser sollte den Patienten gründlich untersuchen und den Schweregrad des Klappenfehlers bestimmen.
Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Pumpfunktion des Herzens. Auch dieser Faktor sollte bestimmt werden.
Anschließend kann der Arzt dann eine Empfehlung abgeben.
Bei schwach ausgeprägten Herzklappenfehler kann ein moderates körperliches Training durchgeführt werden.
Bei starken Herzklappenfehler wird allerdings davon abgeraten.
Grundsätzlich kann man sagen, dass Kontaktsportarten, wie Judo oder Boxen, vermieden werden sollten.
Auch Sportarten mit einem hohen Sturzrisiko, wie das Skifahren oder Mountainbiken, sind kontraindiziert.