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pfeilWas ist das?

Unter einem Herzklappenfehler, in der Fachsprache auch Klappenvitium genannt, versteht man eine angeborene oder erworbene Funktionsstörung der Klappen im Herzen. Diese sorgen normalerweise dafür, dass unser Blut nur in eine Richtung gepumpt wird. Oftmals sind ältere Menschen von Herzklappenstörungen betroffen. Besonders aber bei angeborenen Fehlbildungen, zum Beispiel der Aortenklappe, können auch jüngere Menschen betroffen sein. Auch der Lebensstil spielt eine Rolle – je ungesünder man lebt, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass man früher erkrankt.

pfeilIst das gefährlich?

Nicht jeder Herzklappenfehler ist gefährlich, manche sind sogar „normal“ und treten auf, je älter man wird.

Andere wiederum verursachen jedoch Symptome und müssen behandelt werden, da sonst eine Insuffizienz des Herzens (Herzschwäche) droht, was unbehandelt auf jeden Fall zum Tod führt und selbst mit Behandlung teils nur schwer therapiert werden kann.

pfeilWann zum Arzt?

Die verschiedenen Herzklappenfehler, machen teils kaum und wenn, dann teils unterschiedliche Symptome.

Man sollte auf jeden Fall zum Arzt, wenn man nicht nur schwer Luft bekommt, sondern auch aufgrund dessen nicht mehr flach schlafen kann.

Auch wenn generell die Leistungsfähigkeit abnimmt und man sich andauernd schlapp fühlt oder wenn man öfter ohne Grund kurzzeitig ohnmächtig wird, musst Du zur Klärung zu einem Arzt.

Der erste Ansprechpartner bei Verdacht ist Dein Hausarzt, alternativ direkt zu einem Herzspezialisten (Kardiologen).

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Anatomie

Unser Herz besteht aus 4 Kammern [3][6][8][9], die durch die jeweiligen Herzklappen [4] miteinander verbunden sind.

Wir schauen uns dies einmal genauer an: 

  1. Wenn das mit wenig Sauerstoff angereicherte Blut aus dem Körper wieder zurück zum Herzen transportiert wird [1], geschieht das über Venen.
    Die obere Hohlvene [1] und untere Hohlvene [5] (Vena cava) sammeln dieses aus dem Ober- und Unterkörper und bringen es zum rechten Vorhof [3], der „ersten“ Station in unserem Weg durchs Herz.
  2. Im rechten Vorhof [3] sammelt sich dann das sauerstoffarme Blut, und wird durch die Herzaktion, über die Trikuspidalklappe in den rechten Ventrikel [6] gepumpt.
    Die Trikuspidalklappe besteht aus 3 zarten sogenannten Segeln. Diese Segel sind an einem Bindegewebsring befestigt und an sogenannten Papillarmuskeln über Sehnenfäden befestigt, die sich schon in der Kammer befinden und die Klappe stabilisieren und in ihrer Funktion unterstützen.
  3. Nachdem das sauerstoffarme Blut nun in die rechte Kammer [6] (Ventrikel) gelangt ist, wird es bei der nächsten Herzaktion, also dem Zusammenziehen des Herzmuskels, in die Lunge über die „Pulmonalklappe“ gepumpt [11], damit es dort wieder mit Sauerstoff angereichert werden kann.
    Diese Klappe besteht aus 3 halbmondförmigen Taschen, die zum Herzen hin ausgebuchtet sind, damit sie sich mit Blut füllen können, um dieses dann weiterzuleiten.
    Auch diese Tasche sind an einem Bindegewebsring befestigt, allerdings nicht noch an zusätzlichen Muskelsträngen.
  4. Nachdem das Blut in der Lunge wieder mit Sauerstoff angereichert wurde, muss es zurück zum Herzen, damit dieses es dann im Körper verteilen kann.
    Über die Pulmonalvenen [10] wird das Blut zum linken Vorhof [9] transportiert und gelangt dann von dort über die Mitralklappe in die linke Kammer [8].
    Die Mitralklappe besteht aus 2 Segeln und ist sowohl an einem dünnen Bindegewebsrings, als auch an Papillarmuskeln über hauchdünne Sehnenfäden (Chordae tendineae) befestigt.
  5. Damit das Blut dann in den Körperkreislauf gelangen kann, muss es durch die Aortenklappe in die Aorta [12] (Hauptschlagader) gepumpt werden.
    Diese Klappe verbindet also die linke Kammer mit dem Rest unseres Körpers und besteht aus 3 Taschen, die ebenfalls halbmondförmig angeordnet sind. Auch sie ist an einem bindegewebigen Ring befestigt.  

Die Klappen öffnen sich immer in die jeweilige Flussrichtung des Blutes und verschließen sich in der Entspannungs- und Füllungsphase des Herzens, um einen Rückfluss des Blutes zu verhindern.

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Einteilung & Formen

Wir haben vier Klappen in unseren Herzen, die alle zwei „Fehler“ haben können. Also 8 verschiedene Herzklappenfehler.

Einerseits kann sich eine Stenose, also eine Verengung bilden, und andererseits kann die Klappe „insuffizient“ werden, also nicht mehr richtig schließen.
Man kombiniert dann den jeweiligen Klappennamen mit der Störung und erhält folgende Einteilung: 

  1. Mitralklappeninsuffizienz
  2. Mitralklappenstenose
  3. Aortenklappenstenose
  4. Aortenklappeninsuffizienz
  5. Pulmonalklappenstenose
  6. Pulmonalklappeninsuffizienz
  7. Trikuspidalklappenstenose
  8. Trikuspidalklappeninsuffizienz

Die Mitralklappeninsuffizienz ist der häufigste Herzklappenfehler.
In diesem Fall ist die Mitralklappe nicht mehr in der Lage, genug Blut in die rechte Herzkammer zu pumpen.
Aus diesem Grund kommt es zu einem Blutstau im linken Vorhof und folglich zu einer Vergrößerung des linken Vorhofes.

Der zweithäufigste Herzklappenfehler ist die Aortenklappenstenose.
Hier kann die Aortenklappe sich durch eine Verengung nicht mehr vollständig öffnen.
Durch die erhöhte Druckbelastung kommt es zu einer Mehrbelastung des Herzens, welches zu einer Herzinsuffizienz (Herzschwäche) führen kann.

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Ursachen Herzklappenfehler

Die Ursachen können eingeteilt werden (→ siehe Abschnitt Einteilung) in:

  1. Ursachen für Herzklappenverengungen
  2. Ursachen für Herzklappeninsuffizienzen

Ursachen für Stenosen (Verengungen)

  • Kalkablagerungen
  • Verdickung und Verhärtung der Klappen
  • Infektionen, die zu Ablagerungen führen (z. B. Endokarditis
  • Rheumatisches Fieber
  • kardiale Grunderkrankungen  

Ursache für Insuffizienzen

(Funktionsverlust → durch nicht richtiges Schließen kommt es zu einem „Leck“)

  • Angeborene „Fehlbildungen“ – zum Beispiel nur 2 statt 3 Klappentaschen der Aortenklappe.
  • Erweiterung der Gefäße – in das Blut gepumpt werden soll.
  • Abriss der Muskelstränge – welche die Klappen halten, besonders bei der Mitralklappe relevant (sogenannter Mitralklappenprolaps)
  • Genetische Ursachen – z. B. Marfan-Syndrom oder Ehlers-Danlos-Syndrom → Hypermobilitätssyndrome, bei denen das Bindegewebe nicht richtig funktioniert
  • Entzündungen im Herzen (Endokarditis)
  • Rheumatisches Fieber 
  • Kardiale Grunderkrankungen – wie Überdehnung einer Kammer bei Herzinsuffizienz oder nach einem Herzinfarkt.

Ist ein Herzklappenfehler vererbbar?

Unglücklicherweise sind Herzklappenfehler vererbbar.
Es gibt genetische Syndrome, die zu Klappenfehlern und einer Herzschwäche führen. Die häufigsten angeborenen Herzfehler sind eine Aortenisthmusstenose (Verengung am Aortenbogen), eine Aortenklappenstenose (Verengung der Aortenklappe), eine Pulmonalklappenstenose (Verengung der Pulmonalklappe), ein Vorhofseptumdefekt und die Fallot-Tetralogie.

Desweiteren gibt es genetische Erkrankungen, die sekundär zu einem Herzklappenfehler führen. Hierzu zählt das Marfan-Syndrom, das aufgrund einer Bindegewebsschwäche zu einer Insuffizienz der Klappen führen kann.

Zudem können Herzklappenfehler bei einem ungesunden Lebensstil der Mutter in der Schwangerschaft hervorgerufen werden.
Hierzu gehört der Alkohol- und Drogenkonsum, welche das Embryo schädigen.

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Symptome Herzklappenfehler

Die Symptome bei einem Herzklappenfehler müssen anhand der verschiedenen Klappen eingeteilt werden.

Auch wenn die Anzeichen sehr ähnlich sind, gibt es doch ein paar Unterschieden, die zusammen mit der körperlichen Untersuchung auf die jeweilige Klappenstörung hinweisen können. 

Symptome der Mitralklappenstenose

  • Atemnot – meist unter Belastung. Leitsymptom, bei schweren Verengungen auch in Ruhe.
  • Leistungsminderung
  • Husten
  • Bluthusten – kleine Blutmengen beim Husten als Auswurf bei schweren Formen.
  • Herzrhythmusstörung – bei fortgeschrittenen Formen Tachyarrhythmia absoluta ausgelöst durch Vorhofflimmern.
    Das beschreibt eine Herzrhythmusstörung, bei der das Herz nicht mehr richtig schlägt – es schlägt zu schnell und nicht rhythmisch, das Blut kann somit nicht mehr richtig gepumpt werden und es besteht das Risiko eines Herzstillstandes.

Symptome der Mitralklappeninsuffizienz

  • Leistungsverlust – Abnahme der Leistungsfähigkeit.
  • Reizhusten – der sich im Liegen verschlimmert.
  • Atemnot
  • Nächtlicher Harndrang
  • Herzrhythmusstörungen – Herzrasen oder Herzstolpern

Symptome der Aortenklappenstenose

  • Leistungsminderung 
  • Druck auf der Brust
  • Atemnot
  • Ohnmachtsanfälle (Synkope)
  • Schwindel

Symptome der Aortenklappeninsuffizienz

  • Atemnot bei Belastung
  • Herzrasen, Herzstolpern
  • Schwindel, Gleichgewichtsstörungen
  • Herzschmerzen
  • Müdigkeit
  • Verminderte Leistungsfähigkeit

Symptome der Pulmonalklappenstenose

  • Asymptomatisch – bei leichten Formen oft keine Symptome.
  • Symptomatisch – bei schwereren Formen.
    • geringe körperliche Belastbarkeit
    • Brustschmerz
    • Kreislaufbeschwerden, besonders bei Beschwerden → Ohnmacht und Schwindel  
    • Atemnot bei Belastung 
    • Blaufärbung der Lippen und Zunge (Zyanose)

Symptome der Pulmonalklappeninsuffizienz

  • häufig keine Symptome, aber wenn das folgende:
    • Luftnot bei Belastung
    • Blaufärbung im Gesicht
    • Leistungsabnahme

Symptome der Trikuspidalklappenstenose

  • Unwohlsein
  • komisches Gefühl im Hals
  • Leberfunktionseinschränkungen
  • Völlegefühl, bzw. Beschwerden im rechten Oberbauch
  • Müdigkeit
  • kalte Haut

Symptome der Trikuspidalklappeninsuffizienz

  • Wassereinlagerungen in den Beinen
  • Müdigkeit
  • Abgeschlagenheit 
  • Flüssigkeit im Bauchraum mit Zunahme des Bauchumfangs
  • Beeinträchtigung der Leberfunktion durch Rückstau des Blutes
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Diagnose Herzklappenfehler

  • Anamnese (Arzt-Patienten-Gespräch
    • Welche Symptome?
    • Seit wann?
    • Vorerkrankungen?
    • Alter?
  • Körperliche Untersuchung
    • Abhören – des Herzens, der Halsschlagadern und des seitlichen Brustkorbs links → je nach Ort und Zeitpunkt des Auftretens eines nicht normalen Herzgeräusches, lässt sich die Fehlfunktion hören.
    • Blickdiagnose – Anschauen des Mundes → auf Zungen- und Lippenfarbe achten (blau? → spricht für eine Unterversorgung mit Sauerstoff).
      Betrachten der Beine, aber auch des Gesichts → Ödeme?
    • Lunge abhören → Rasselgeräusche als Hinweis auf eine mögliche Flüssigkeitsansammlung in der Lunge?
  • Herzecho (Ultraschall vom Herzen
    • Darstellung des Herzens, aller Kammern und der Herzklappen → Ausmessen der Fehlfunktion möglich und somit Bestimmung des Ausprägungsgrades.
  • Magnetresonanztomografie – in seltenen Fällen: Kardio-MRT oder eine Herzkatheteruntersuchung zur Feststellung der Klappenfehler.
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Differenzialdiagnose

  • die einzelnen Herzklappenfehler sind die jeweiligen Differentialdiagnosen.
  • Herzinsuffizienz
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Behandlung Herzklappenfehler

Die Behandlung hängt von der Art der Klappenstörung und auch der Ausprägung ab.

Nicht jeder Herzklappenfehler (Klappenvitium) muss behandelt werden.

Wenn aber eine Therapie nötig ist, gibt es verschiedene Möglichkeiten:

  • Überwachung
  • Medikamente
  • Operationen (bzw. Kathetereingriffen)

Überwachung

Bei milden Fällen, in denen der Herzklappenfehler keine signifikanten Symptome verursacht, kann eine regelmäßige Überwachung durch einen Kardiologen ausreichend sein.
Dies beinhaltet oft regelmäßige Echokardiogramme („Herzecho“ - Ultraschalluntersuchung), um den Zustand der Herzklappen zu beurteilen.
Sobald aber Symptome auftreten oder bei den Untersuchungen etwas neu auffällt, können weitere Therapien eingeleitet werden. 

Medikamentöse Therapie

In vielen Fällen können Medikamente eingesetzt werden, um die Symptome zu lindern und das Herz zu entlasten.
Dazu gehören:

  • Diuretika – zur Reduzierung von Flüssigkeitsansammlungen.
  • Betablocker – zur Regulierung der Herzfrequenz.
  • Antikoagulanzien – zur Verhinderung von Blutgerinnseln.

Man kann sie einzeln oder in Kombination anwenden.

Chirurgische Eingriffe

→ siehe dazu Abschnitt Operation

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Medikamente

Spezielle Medikamente, die man bei einem Herzklappenfehler verabreicht, gibt es nicht.

Vielmehr beruht die medikamentöse Therapie auf der Behandlung der Herzschwäche.

Hierfür werden Medikamente, wie ACE-Hemmer, Betablocker, Aldosteron-Antagonisten und Diuretika gegeben.

  • ACE-Hemmer – ACE-Hemmer können den Blutdruck senken und verbessern die Prognose bei einer Herzschwäche.
  • Betablocker – Betablocker senken die Herzfrequenz und verlängern die Durchblutungsdauer des Herzens.
  • Aldosteron-Antagonisten und Diuretika sind „Wassertabletten“ und führen zu einer erhöhten Ausscheidung von Wasser aus dem Körper und verhindern so Ödeme. 

Thromboembolieprophylaxe
Darüber hinaus kann eine Thromboembolieprophylaxe notwendig sein.
Dieses komplexe Wort beschreibt einfach die medikamentöse Vorbeugung von Blutgerinnseln. Diese können nämlich in den Körperkreislauf ausgeschwemmt werden und dort andere Gefäße verstopfen. 

Des Weiteren sollte immer auf eine optimale Blutdruckeinstellung geachtet werden.
Denn auch diese kann zur Erschöpfung des Herzens führen.

Hinweis MedikamenteneinnahmeBeachte bitte: Medikamente solltest Du niemals ohne Rücksprache mit einem Arzt oder Apotheker einnehmen!
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Operation

Wenn der Herzklappenfehler schwerwiegender ist oder die Symptome nicht mit Medikamenten kontrolliert werden können, kann eine Operation erforderlich sein.

Es gibt verschiedene chirurgische Optionen:

  • Klappenreparatur – Bei dieser Methode wird die beschädigte Klappe repariert, um ihre Funktion zu verbessern. Das Gewebe bleibt erhalten.
    Es werden zum Beispiel defekte Sehnenfäden ersetzt oder bestimmte Lücken durch Übernähen mit gewissen Materialien geschlossen. 
  • Klappenersatz – In schwereren Fällen kann es notwendig sein, die defekte Klappe durch eine mechanische Klappe oder eine biologische Klappe (z. B. aus tierischem Gewebe) zu ersetzen. Je nach Alter der Betroffenen und auch anderen Faktoren, wird entschieden, welche Klappe die richtige ist.

Bei dem Klappenersatz unterscheidet man generell zwischen mechanischen und biologischen Klappen.
In der Regel werden entweder die Mitral- oder die Aortenklappe ersetzt. Das kann offen oder minimalinvasiv, bei der Aortenklappe in Form einer TAVI (Transarterieller Aortenklappenersatz) erfolgen.

Folgende Unterschiede und Indikationen für die jeweiligen Klappen bestehen: 

Mechanische Herzklappen

  • Aus künstlichen Materialien hergestellt
  • Quasi unbegrenzte Lebensdauer
  • Klickgeräusch bei jedem Schließen! 
  • Lebenslange gerinnungshemmende Behandlung nötig.
  • Je nach Alter der Klappen nicht MRT fähig, heutzutage eigentlich kein Problem mehr.
  • Indikationen – jüngere Menschen, die noch lange mit der Klappe leben sollen.

Biologische Herzklappen

  • Aus biologischen Materialien, meist aus Tiergewebe (Rind oder Schwein).
  • Nur in den ersten 3 Monaten nach Einsetzten der Klappe Antikoagulation nötig (gerinnungshemmende Medikamente).
  • Eingeschränkte Lebensdauer, Gefahr der erneuten Klappendegeneration, also ist auch das Wiederauftreten einer Stenose (Verengung) möglich.
  • Indikation – ältere Menschen, bei denen man nur mit einem einmaligen Ersatz rechnet.
    Kinderwunsch, da eine Schwangerschaft unter einer laufenden Antikoagulation nicht zu empfehlen ist und lebensbedrohlichen Komplikationen auftreten können; wenn das Klickgeräusch ein Ausschluss ist.

Homografts

Eine dritte Möglichkeit ist die Verwendung eines sogenannten „Homografts“.
Hierbei handelt es sich um Herzklappen, die von toten Spendern gewonnen werden. Sie sind länger haltbar als biologische Klappen, werden aber aufgrund der schwierigen Gewinnung, geringer Verfügbarkeit und speziellen Operationstechniken nur selten verwendet.
Sie sind außerdem speziellen Indikationen vorbehalten, meist für Kinder, die mit angeborenen Herzfehlern zur Welt kommen. 

Minimalinvasive Verfahren

In den letzten Jahren haben sich auch minimalinvasive Techniken entwickelt, die es ermöglichen, Herzklappenfehler mit weniger invasiven Eingriffen zu behandeln.
Diese Verfahren können oft eine schnellere Genesung und weniger postoperative Komplikationen bieten.
Sie werden über einen Zugang an der Leiste oder in einigen Fällen auch über die Innenseite des Oberarms durchgeführt, bei denen dann über einen Katheter die Materialien ins Herz eingebracht werden können. 

Es ist wichtig, dass Patienten mit Herzklappenfehlern eng mit ihrem Arzt zusammenarbeiten, um die beste Behandlungsstrategie zu finden.
Regelmäßige Nachsorge und Anpassungen der Therapie können entscheidend sein, um die Lebensqualität zu verbessern und das Risiko von Komplikationen zu minimieren.

Hinweis MedikamenteneinnahmeBeachte bitte: Operationen sind immer mit allgemeinen Risiken verbunden. Erfahre allgemeine Informationen zum Ablauf und Risiken einer Operation. Mehr Infos
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Prognose

Über die Prognose bei einem Herzklappenfehler lässt sich pauschal keine Aussage treffen.

Sie hängt von individuellen Faktoren, aber auch vom Ausmaß der Klappenschädigung ab.

Je nach Herzklappe kann diese bei einer Operation rekonstruiert werden, das bedeutet so viel wie „repariert“ werden oder sie muss ganz ersetzt werden.

Hierfür stehen verschiedene Operationstechniken und auch Klappen zur Verfügung.

Man spricht dann von einer Herzklappenprothese.

Was sind die Folgen eines Herzklappenfehlers?

Ein Herzklappenfehler führt immer zu einer Belastung des Herzens.
Bei einer Stenose, also einer Verengung der Herzklappe, muss das Herz gegen einen erhöhten Widerstand pumpen.

Um die Organe mit ausreichend Blut zu versorgen, muss das Herz einen höheren Druck aufbauen, damit die gleiche Menge an Blut in den Körperkreislauf gelangt.
Auf Dauer führt dies aber zu einer Herzinsuffizienz.

Bei einer Herzklappeninsuffizienz hingegen schließt die Herzklappe nicht richtig.
Das heißt, dass Blut fließt zurück und führt zu einer Volumenbelastung.
Auch in diesem Fall muss das Herz einen höheren Druck aufbauen, um das erhöhte Blutvolumen in den Kreislauf zu pumpen.
Das Resultat ist das Gleiche - auch in diesem Fall kommt es zu einer Herzinsuffizienz.
Dies führt leider zu einer reduzierten Lebenserwartung.

Wie ist die Lebenserwartung bei einem Herzklappenfehler?

Die Lebenserwartung bei einem Herzklappenfehler hängt davon ab, welche Herzklappe betroffen ist, wie stark diese beschädigt ist und wie man diese therapieren kann.

Falls der Herzklappenfehler früh entdeckt und behandelt wird, ist die Lebenserwartung kaum reduziert.

Bei einem späten Diagnosezeitpunkt liegt meist auch schon eine Herzinsuffizienz vor.
In diesem Fall ist die Lebenserwartung reduziert.

Je nach Schweregrad der Herzinsuffizienz kann man diese klassifizieren.

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Verlauf

Der Verlauf bei einem Herzklappenfehler richtet sich nach der Art des Klappenfehlers und auch dem Erfolg der Behandlung.

Da nicht jeder Klappenfehler behandelt werden muss, können diese „einfach beobachtet“ werden, ohne dass man davon etwas mitbekommt.

Wenn die Klappe ersetzt wird, ist die Störung behoben, man muss aber je nach Art des Ersatzes ein Leben lang Medikamente einnehmen.

Je nach Gesundheitszustand der Betroffenen kann es aber auch sein, dass sich der Klappenfehler nicht oder nur unzureichend behandeln lässt oder aber dass noch andere Krankheiten hinzukommen, die zum Beispiel eine Operation unmöglich machen.

In diesen Fällen kann es sein, dass die Betroffenen an der Kombination der Krankheiten sterben.

Generell kann man aber auch mit Herzklappenfehlern gut leben.

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Komplikationen

  • Herzrhythmusstörungen
  • Herzinsuffizienz (ungenügende Schlagkraft des Herzens, um den Körper mit ausreichend sauerstoffhaltigem Blut zu versorgen) 
  • Pulmonale Hypertonie (Bluthochdruck) – wobei es auch durch einen zu hohen Druck im Lungenkreislauf zu einer Insuffizienz der Trikuspidalklappe kommen kann → Atemnot
  • Lungenödem (Wasseransammlungen in der Lunge) → Atemnot 
  • Leberschädigung – durch einen Rückstau des Blutes in die Leber → Einschränkung der Leberfunktion
  • Ödeme – Wasseransammlungen in den Beinen oder dem Gesicht.
  • Nötig werden des Ersatzes der Klappe.
  • Tod
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Dauer

Letztendlich begleiten einen die Klappenstörungen ein ganzes Leben lang, wenn diese nicht künstlich ersetzt werden.

Auch wenn man sie gut mit anderen Methoden, wie zum Beispiel Medikamenten behandeln kann, bleibt sie „Störung“ an sich bestehen.

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Vorbeugung

Im Laufe des Lebens wird wahrscheinlich jeder Mensch Veränderungen an den Herzklappen entwickeln.

  • Gesunder Lebensstil – Es ist aber dennoch immer wichtig auf einen gesunden Lebensstil zu achten, um sämtlichen Krankheiten vorzubeugen bzw. das Risiko der Entstehung dieser zu minimieren.
    Ausreichende Bewegung, gesunde Ernährung, eine gute Schlafhygiene und vieles mehr helfen dabei.
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Stadien

Sowohl die Stenosen, als auch die Insuffizienzen werden in verschiedene Stadien eingeteilt.

Das erfolgt anhand der Symptomatik und der verschiedenen im Herzecho messbaren Parameter, wie Öffnungsfläche der Klappe oder aber Rückfluss über eine Klappe.

pfeilSport bei Herzklappenfehler
  • Individuell – Immer individuell je nach Ausmaß des Herzklappenfehlers (immer Rücksprache mit dem Kardiologen).
  • Risikosportarten grundsätzlich vermeiden.

Ob Sport mit einem Herzklappenfehler gemacht werden darf, hängt von der Schwere des Herzklappenfehlers und dem Allgemeinzustand ab.

Hierfür sollte man am besten einen Kardiologen, also einen Facharzt für Erkrankungen des Herzens, aufsuchen.
Dieser sollte den Patienten gründlich untersuchen und den Schweregrad des Klappenfehlers bestimmen.

Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Pumpfunktion des Herzens. Auch dieser Faktor sollte bestimmt werden.
Anschließend kann der Arzt dann eine Empfehlung abgeben.

Bei schwach ausgeprägten Herzklappenfehler kann ein moderates körperliches Training durchgeführt werden.
Bei starken Herzklappenfehler wird allerdings davon abgeraten.

Grundsätzlich kann man sagen, dass Kontaktsportarten, wie Judo oder Boxen, vermieden werden sollten.

Auch Sportarten mit einem hohen Sturzrisiko, wie das Skifahren oder Mountainbiken, sind kontraindiziert.

Hinweis ArztbesuchBeachte bitte: Vor dem Beginn mit Sport solltest Du immer Rücksprache mit Deinem Therapeuten halten.
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Zahlen & Statistiken

  • In der Regel sind ältere Menschen betroffen. Die Prävalenz steigt nämlich ab dem 60. Lebensjahr stark an.
  • Etwas mehr als 10% der über 75-jährige sind von einem Herzklappenfehler betroffen.
  • Die Aortenstenose ist hierbei der häufigste Klappenfehler und betrifft ca. 2–9 % aller Menschen über 65.
  • Tendenziell sind häufiger Männer von einem Herzklappenfehler betroffen.
aktualisiert: 16.10.2025
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