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pfeilWas ist das?

Bei einer Sinusvenenthrombose handelt es sich um eine “Verstopfung” einer Vene im Gehirn durch ein Blutgerinnsel. Sie tritt eher selten auf und lässt sich in der Regel gut behandeln, muss aber immer ärztlich behandelt werden.

pfeilIst das gefährlich?

Eine Sinusvenenthrombose ist in jede Fall eine ernst zu nehmende Erkrankung, die sogar lebensbedrohlich werden kann.

Die Letalität liegt bei bis zu 10%.

Da die Symptome eher unspezifisch sind, dauert es manchmal, bis der Verdacht gestellt wird und dann die Abklärung folgt.

Je früher man mit der Therapie startet, desto besser ist die Prognose.

Oftmals kann man die Sinusvenenthrombose gut behandeln.

Das Gefährliche ist auch eher das weitere Verstopfen der Sinus und Venen, was zu einem Anstieg des Hirndruckes führt (erhöhter Hirndruck).
Das Wiederum führt zur Einklemmung des Gehirns innerhalb des Schädels, da der Schädel eben fest ist und es kaum Platz zum Entweichen gibt.
Dadurch werden sämtliche Funktionen des Gehirns eingeschränkt, was dann eben lebensbedrohlich ist (da z.B. auch der Atemantrieb ausfallen kann).

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pfeilWann zum Arzt?

Man sollte zum Arzt, wenn es zu anhaltenden Kopfschmerzen kommt, die vielleicht sogar in ihrer Intensität zunehmen.
Diese können seit Stunden oder Tagen aber auch seit Wochen immer stärker werden.

Weitere Warnsignale sind Wortfindungsstörungen, Lähmungen, epileptische Anfälle oder Sehstörungen (Doppelbilder).

Auch wenn es zu Verhaltensänderungen kommt, sollte man ärztliches Personal aufsuchen.

An sich sind die Symptome zunächst jedoch eher unspezifisch und lassen einen nicht unbedingt direkt an eine Thrombose denken.

Da man aber sowieso eine Bildgebung machen sollte, lässt sich auch der Verdacht auf eine Thrombose und mögliche Differentialdiagnosen schnell abklären.
Man sollte auf jeden Fall zeitnah ärztliches Personal aufsuchen, wenn man solche Symptome hat.

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Anatomie

Die Hirnvenen sammeln das sauerstoffarme Blut aus dem Gehirn und leiten es in die sogenannten venösen Sinus weiter.

Diese Sinus sind große, starre Blutleiter zwischen den Blättern der harten Hirnhaut (Dura mater), zum Beispiel der Sinus sagittalis superior oder der Sinus transversus, und sie münden schließlich in die inneren Halsvenen.

Ihre Funktion besteht darin, das Blut sowie einen Teil des Nervenwassers (Liquor) aus dem Schädel abzutransportieren und so einen stabilen Hirndruck und eine ausreichende Durchblutung des Gehirns zu gewährleisten.

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Einteilung & Formen

Die Sinusvenenthrombose kann auf verschiedene Arten eingeteilt werden:

  • Einteilung nach Lokalisation
    • Thrombose des Sinus sagittalis superior
    • Thrombose des Sinus transversus oder sigmoideus
    • Thrombose tiefer Hirnvenen (z. B. Vena cerebri interna)
    • Kombination mehrerer Sinus
  • Einteilung nach Ursache
  • Einteilung nach Verlauf
    • Akut
    • Subakut
    • Chronisch
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Ursachen Sinusvenenthrombose

Es gibt verschiedene Ursachen, die zu einer Sinusvenenthrombose führen können.
Man kann sie grob in septische und aseptische bzw. blanden Ätiologien einteilen.

Zu den septischen Ursachen (eine Thrombose ausgelöst durch irgendeine Infektion) gehören:

Aseptische bzw. blande Ursache (eine Thrombose, die nicht durch eine Infektion ausgelöst wurde) sind:

  • hormonelle Faktoren (Schwangerschaft, Kontrazeptiva → “Östrogenüberhang”, was eher “blutverdickend” wirkt und so das Thromboserisiko steigert)
  • Gerinnungsstörungen (Thrombophilien)
  • hämatologische Grunderkrankungen (Erkrankungen, die das Blut oder die Blutbildung betreffen)
  • Malignome (Krebserkrankungen)
  • Autoimmunerkrankungen 
  • Sarkoidose
  • idiopathisch (hier kann keine genaue Ursache gefunden werden)
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Symptome Sinusvenenthrombose

  • Ohne Anzeichen möglich - ⅓ der Betroffenen haben keine Symptome
  • Kopfschmerzen (chronisch)
  • epileptische Anfälle
  • Lähmungen
  • Sensibilitätsstörungen
  • Psychosen
  • Stauungspapille, Sehstörungen, Doppelbilder
  • Lidödem
  • Übelkeit, Erbrechen
  • Nackensteifigkeit
  • Hervortreten der Augen
  • Verhaltensänderungen
  • Wortfindungsstörungen
  • Koma und Tod möglich
  • Symptome der “Grund-  bzw Begleiterkrankung” (z.B: Fieber bei einer Hirnhautentzündung
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Diagnose Sinusvenenthrombose

  • Anamnese (Arzt-Patienten-Gespräch)
    • Welche Symptome bestehen?
    • Erstmaliges Auftreten?
    • Veränderung der Symptome?
    • Auslöser eruierbar?
    • Was hilft, was wurde schon probiert? 
    • Seit wann?
    • Familienanamnese
    • Vorerkrankungen
    • Medikamente
    • Alter
  • Körperliche Untersuchung
    • Nackensteife? → Meningismus
    • neurologische Untersuchung
    • Temperatur messen
    • Vitalparameter erheben → Blutdruck, Herzfrequenz, Atemfrequenz
  • Blutuntersuchung
    • Entzündungsparameter
    • Blutbild
    • Lactat
    • Blutzucker
    • D- Dimere
    • ggf. Gerinnungsdiagnostik
  • Bildgebung
  • Liquorpunktion - sehr selten Liquorpunktion, eher um andere Ursachen aus- bzw. einzuschließen.
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Differenzialdiagnose

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Behandlung Sinusvenenthrombose

  • Intensivmedizinische Behandlung (Stroke Unit) - Die Behandlung an sich gestaltet sich relativ simpel, muss aber initial auf einer Stroke Unit oder der Intensivstation erfolgen.
    • Heparin - Akut wird mit Heparinen, also Blutverdünnern, gearbeitet, die dann im Verlauf und bei Stabilisierung bzw. Erreichen eines Zielwerts auf Vitamin-K-Antagonisten, genauer gesagt Phenprocoumon, einem anderen Blutverdünner umgestellt werden.
      Die Blutverdünner müssen für mindestens drei Monate eingenommen werden, wenn Risikofaktoren bestehen, teils sechs Monate oder auch lebenslang. 
  • Endovaskuläre Therapie - Wenn die Symptome sehr ausgeprägt sind oder die Thrombose sehr groß ist, kommt eine sogenannte "endovaskuläre" Therapie zum Einsatz.
    Hierbei wird lokal ein Mittel appliziert, was den Thrombus auflösen soll (z.B. Alteplase).
    • Katheter - Dafür muss man mit dem Katheter “durch die Gefäße”, deswegen endovaskulär, zur Thrombose gelangen.
      Der Eingriff ist minimalinvasiv und kommt auch dann zum Einsatz, wenn andere Therapien versagen.
    • Teilweise kann man den Thrombus auch “mechanisch” entfernen. Also zum Beispiel ein kleines Körbchen am Katheter zum Gerinnsel schieben und es mit dem Körbchen “auffangen” und "herausziehen".
  • Behandlung der Begleitsymptome - Außerdem spielt die Therapie von Begleitsymptomen oder Begleiterkrankungen eine große Rolle.
    • Hirnhautentzündung (Antibiotika) - Wenn eine Hirnhautentzündung vorliegt, muss diese, wenn sie durch Bakterien ausgelöst wurde, antibiotisch behandelt werden (→ Antibiotika).
    • Zudem werden Schmerzmittel und fiebersenkende Medikamente verabreicht.
    • Der Hirndruck muss normal gehalten werden, hierfür kommen die Oberkörperhochlagerung, Medikamente oder aber eine OP zum Einsatz, wenn er sich konservativ nicht beherrschen lässt.
    • Zudem sollten “anfallsverhindernde” Medikamente verabreicht werden, um epileptischen Anfällen vorzubeugen.
    • Bei autoimmun bedingten Sinusvenenthrombosen kommt Prednisolon, ein Glukokortikoid, zum Einsatz.

Die Behandlung ist ernst zu nehmen und sollte immer ärztlich durchgeführt werden. Bei Besserung der Symptome wird die Therapie mit den Blutverdünnern ambulant weitergeführt.

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Prognose

Die Prognose einer Sinusvenenthrombose ist vergleichsweise gut.

Vor allem, wenn man sie mit anderen Schlaganfallarten vergleicht.

Es kann aufgrund des Blutstaus vor der Thrombose zu einer “Stauungsblutung” kommen, die eine Art Schlaganfall darstellt.

In den meisten Fällen kommt es binnen einiger Wochen bis Monaten zu einer Auflösung des Thrombus und somit wieder zu einer normalen Durchblutung.

10 -15 % der Betroffenen haben allerdings bleibende Schäden bzw. Residuen der Symptome.

Die Letalität (Sterblichkeit) liegt trotzdem bei 10 %.

Zu den prognostisch eher ungünstigen Faktoren gehören das männliche Geschlecht, das Vorhandensein von Lähmungen, hohes Alter, Stauungsblutungen, Koma und das Betroffensein von inneren Hirnvenen.

Das Rezidivrisiko (Wiederauftreten) beträgt ca. 2%.

Es ist also in jedem Fall eine sehr ernstzunehmende Erkrankung.

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Verlauf

Bei dem Verlauf einer Sinusvenenthrombose kann man drei Verläufe unterschieden.

  • Einmal den akuten Beginn der Symptome, binnen Stunden oder weniger Tage,
  • den subakuten mit Symptombeginn innerhalb von Tagen und wenigen Wochen (am häufigsten)
  • und den seltenen chronischen Verlauf mit schleichender Beschwerdezunahme über Monate.

Wenn die Diagnose gestellt wurde, dauert es meist wenige Wochen bis Monate, bis die Symptome rückläufig sind, teilweise bleiben aber auch Beschwerden bestehen.

Wichtig ist es, die Therapie so schnell wie möglich einzuleiten.

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Komplikationen

  • Einklemmung → steigender Hirndruck führt zu einem “Platzproblem” im Schädelinneren.
  • Blutung (Stauungsblutung
  • Hirnödem
  • Erblindung
  • Lähmungen
  • Sprachstörungen
  • Wortfindungsstörungen
  • Koma
  • Tod
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Vorbeugung

Nicht jeder Sinusvenenthrombose lässt sich vorbeugen.
Besonders wenn aber eine Frau im gebärfähigen Alter schon eine Sinusvenenthrombose hatte, sollte sie keine oralen Verhütungsmittel mehr einnehmen, weil das Risiko für eine erneute Thrombose erhöht ist.

Eine Schwangerschaft ist trotzdem möglich, sollte aber präventiv mit Blutverdünnern unterstützt werden.

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Lokalisation

Es handelt sich hier um eine Thrombose, also ein Blutgerinnsel, welches sich in den Venen und Sinus des Gehirns bildet bzw. festsetzt.

Sinus im Gehirn sind “Duraduplikaturen”, werden also aus den Hirnhäuten gebildet und stellen die größeren venösen Abflussgefäße des Gehirns dar.

Sie verlaufen quasi am Rand des Gehirns und transportieren das Blut in Richtung Körpermitte.

Am häufigsten ist der “Sinus sagittalis superior” von einer Thrombose betroffen, gefolgt von den “lateralen Sinus”.

Der Sinus sagittalis superior verläuft oben ganz mittig am Gehirn und die Lateralen sammeln das Blut aus dem oberen und leiten es weiter “runter”.

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Bei Kindern

Bei Kindern ist es eher unwahrscheinlich, dass sie eine Sinusvenenthrombose entwickeln.

pfeilIn der Schwangerschaft

Eine Schwangreschaft stellt einen Risikofaktor für eine Sinusvenenthrombose dar.

Aufgrund der hormonellen Veränderungen kommt es zu einer Risikoerhöhung.

Gleichzeitig ist aber eine schon mal stattgehabte Thrombose keine Kontraindikation für eine Schwangerschaft.

Angemessene Aufklärung sowie präventive Blutverdünnung sind aber wichtig, um sich für eine erneute Schwangerschaft entscheiden zu können.

Therapiemöglichkeiten, Medikamenteneinnahme und Diagnoseverfahren müssen oft an die Schwangerschaft angepasst werden.
Du solltest daher immer Deinen behandelnden Arzt/Ärztin über die Schwangerschaft informieren.

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Zahlen & Statistiken

  • Sinusvenenthrombosen sind ca. 60mal seltener als arterielle Verschlüssen im Gehirn (auch eine Art Schlaganfall).
  • Die jährliche Inzidenz liegt bei etwa 3-5 Fällen pro 1.000.000 Einwohnern (Deutschland).
  • Frauen sind 3 mal häufiger betroffen als Männer
  • Am häufigsten sind Menschen im 3. und 4. Lebensjahrzehnt betroffen.
aktualisiert: 17.02.2026
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