Reizblase, wenn Betroffene übermäßig häufig einen Harndrang verspüren, ohne dass die Blase dabei weit gefüllt ist.

Bei der Reizblase, auch überaktive Blase genannt, ist die Blasenfunktion gestört, wodurch es zu plötzlich auftretendem Harndrang kommt, obwohl die Blase nur leicht gefüllt ist. Die Entleerung der Blase erfolgt durch nur geringe Mengen. Frauen sind generell häufiger betroffen als Männer. Besonders Frauen zwischen 30 und 50 Jahren können darunter leiden. Auf der Bevölkerungsebene sind etwa 14-16% der Frauen und 10% der Männer betroffen. Das sind in Deutschland zusammengenommen etwa 13 Millionen Frauen. Es gibt allerdings auch eine Dunkelziffer, da sich Betroffene oft nicht trauen zum Arzt zu gehen, oder vor allem im Alter denken, dass das häufige Wasserlassen normal sei. Im Alter ist fast jede zweite Person betroffen.
Eine Reizblase ist zwar unangenehm und schränkt die Lebensqualität der Betroffenen ein, sie ist jedoch ungefährlich.
Bei ausbleibender Behandlung kommt es zu einer weiteren Verkleinerung der Blase und noch häufigeren Harndrang.
Eine Reizblase sollte auf jeden Fall frühestmöglich behandelt werden, da es im weiteren Verlauf zu einer Schrumpfung der Blase kommen kann.
Treten bei Dir neben dem häufigen Harndrang zusätzlich Fieber, Abgeschlagenheit oder Blut im Urin auf, musst Du sofort ärztlich behandelt werden!
Bei ersten Symptomen kann man sich an den Hausärzt:in oder den Hausarzt wenden, die Sie vermutlich zum Spezialisten überweisen.
Die Reizblase kann am besten von einem Urologen oder einer Urologin festgestellt und therapiert werden.
Als Frau können sie auch ebenso gut ihren Gynäkologen oder ihre Gynäkologin aufsuchen.
In der Harnblase [4] (Vesica urinaria), mit ihrer dehnbaren Wand aus Muskeln, sammelt sich der Urin, welcher in der Niere gebildet wird.
Die Blase dient also als eine Art Zwischenspeicher, damit wir nicht permanent Wasser lassen müssen.
Die Ursachen für eine Reizblase sind bis heute wissenschaftlich noch nicht ganz geklärt.
Eine mögliche Erklärung wäre aber die Senkung der Harnblase, die nach einer Operation oder Schwangerschaft vorkommen kann.
Störungen der Koordination des Beckenbodens spielen hierbei auch eine Rolle.
Das Problem bei einer Reizblase ist grundsätzlich, dass das Gehirn den Füllungszustand der Blase nicht richtig interpretieren kann.
Denn bereits geringe Füllungsmenge sorgen schon für Harndrang und ggf. Abgang des Harns.
Nervenimpulse, welche den Füllungszustand der Blase melden, können somit gestört sein.
Verzögerte oder veränderte Nervenleitungen kommen bei Menschen mit Multipler Sklerose, Diabetes mellitus oder Parkinson vor.
Die Ursache kann aber auch in der Blase selbst liegen, wenn die Blasenmuskulatur eine erhöhte Sensitivität aufzeigt und deswegen öfter den Impuls zum Entleeren gibt.
Außerdem kann auch der Schließmuskel der Blase betroffen sein.
Wenn sich dieser nicht richtig schließt oder nicht angesteuert werden kann, kommt es zum unfreiwilligen Wasserlassen.
Seltener können Traumata sexueller oder psychischer Ursachen der Grund für eine Reizblase sein.
Stress kann ebenso der Grund für eine Reizblase sein.
Eine hormonelle Veränderung, wie zum Beispiel ein Östrogenmangel kann auch für Symptome einer Reizblase sorgen.
Diese Schwankungen treten in Zusammenhang mit der Menopause, der Menstruation oder Schwangerschaft auf.
Ebenso können Nässe oder Unterkühlung ursächlich für eine Reizblase sein.
Nicht auszuschließen sind auch Blasensteine, Tumore oder Medikamente, welche ein häufiges und unkontrolliertes Wasserlassen verursachen können.
Dabei sind es häufig Medikamente, die diuretische (entwässernde) Nebenwirkungen haben.
Das wohl prägnanteste Symptom einer Reizblase ist der häufige Harndrang.
Betroffene müssen am Tag sehr oft Wasserlassen, sogar bis zu 8-10 mal.
Das nennt sich auch Pollakisurie.
Ebenfalls ist der Harndrang in der Nacht verstärkt, da liegt die Häufigkeit bei etwa 1-2 mal (Nykturie).
Zusätzlich setzt der Harndrang sehr plötzlich ein, sodass sich Betroffene gerne in der Nähe von Toiletten aufhalten, was die Lebensqualität deutlich einschränken kann.
Ein spontanes und unfreiwilliges Wasserlassen, ohne dass es gezielt gewollt wird, kann auch auftreten.
Wenn diese gepaart mit häufigem Wasserlassen auftritt, spricht man dann von einer Dranginkontinenz.
Beim Entleeren der Blase kann es außerdem zu Schmerzen kommen, weil sich die Blase verkrampft.
Seltener haben Betroffene das Gefühl des Brennens während des Wasserlassens.
Es gibt auch Menschen, bei denen ein Nachträufeln vorkommt. Der Urin hat aber eine klare Farbe, ist nicht trüb und hat auch kein Blut.
Die Diagnose einer Reizblase kann durchaus komplex und nicht ganz einfach sein.
Es beliebter Weg ist das Ausschlussverfahren.
Beginnen wird der Arzt oder die Ärztin vermutlich mit einem ausführlichen Gespräch, um die Symptome einzuordnen.
Dann können weitere Untersuchungen folgen, wie zum Beispiel die Testung des Urins auf einen Harnwegsinfekt.
Eine Blutuntersuchung kann auch oft wegweisend sein.
Um einen Blasenstein oder Harnleiterstein auszuschließen, wird ein Ultraschall durchgeführt.
Mit der gleichen Methode kann die Blase geschallt werden, um zu schauen, ob sich die Ursache direkt dort befindet.
Wenn dort beim Wasserlassen der sogenannte Restharn noch zu finden ist, liegt eine Störung des Schließmuskels der Blase vor.
Die Untersuchung der Prostata beim Mann kann ebenfalls Hinweise auf eine Entleerungsstörung zeigen.
Urodynamischen Untersuchung
Zusätzlich gibt es in der Urologie die Möglichkeit einer Urodynamischen Untersuchung, bei der Sonden den Druck in der Harnblase und im Bauchraum messen und die Aktivität des Blasenentleerungsmuskels aufzeigen.
So unterschiedlich die Ursachen einer Reizblase sind, so vielfältig kann auch die Behandlung sein.
Klassischerweise können Medikamente verschrieben werden.
Dabei gibt es Medikamente aus der klassischen Schulmedizin, aber auch homöopathische oder pflanzliche Ansätze.
Je nachdem, ob die Ursache ein Infekt oder eine Überaktivität des Blasenmuskels ist, werden unterschiedliche Medikamente verschrieben.
→ siehe Abschnitt Medikamente
Um die Stabilität des Beckenbodens zu gewährleisten, kann ein Beckenbodentraining im Rahmen einer Physiotherapie sinnvoll sein.
Entspannungsübungen, ein Toilettentraining, aber auch Psychotherapie sind gängige Therapiemöglichkeiten, wenn die Ursache psychisch ist.
Zudem sind präventive, also vorbeugende Maßnahmen immer eine gute Idee.
Dazu zählen ausreichende Bewegung, viel trinken und ein Verzicht auf Rauchen und harntreibende Substanzen wie Alkohol und Kaffee.
Elektrostimulation
Zusätzlich gibt es noch das Verfahren der Elektrostimulation.
Dabei werden Impulse durch die Vagina an die Nerven der Blase gesendet, um so die Nerven zu stimulieren. Somit bekommen die Nerven den Impuls zur Modulation und ,,lernen“ im besten Fall nur noch größere Harnmengen zu melden.
Diese Therapieoption dauert ein paar Monate an.
Operation
Wenn alle Behandlungsoptionen wie Medikamente, Physiotherapie und andere Verfahren ausgeschöpft sind und keine Linderung verschaffen, gibt es noch eine Operation.
Bei dieser OP wird in die Blase ein Blasenschrittmacher eingesetzt, um die Blase wieder in einen normalen und regelmäßigen Rhythmus zu bringen.
Das Verfahren wird auch als sakrale Neuromodulation bezeichnet.
Da die Muskulatur Harnblase bei einer Reizblase übermäßig aktiv ist, kann ein Medikament, welches die Muskulatur in gewisser Form hemmt, Linderung verschaffen.
Diese Medikamente werden Anticholinergika genannt und wirken auf das Nervensystem.
Damit im Nervensystem Informationen übertragen werden können, wird zwischen den Enden der Nervenzellen (Synapsen) ein Botenstoff, das Acetylcholin, ausgeschüttet.
Anticholinergika hemmen also die Ausschüttung dieses Botenstoffes und dämpfen somit die Nervenübertragung und somit die Muskelaktivität der Blase.
Beispiele dafür sind Oxybutynin und Tolterodin.
Dadurch, dass die Anticholinergika systemisch wirken, können sie auch Nebenwirkungen hervorrufen, wie vermehrte Augen und Mundtrockenheit, Probleme im Magen-Darm-Trakt und Verstopfungen.
Sie sollten diese Medikamente nicht einnehmen, wenn sie am Grünem Star leiden, weil das Medikament den Augeninnendruck verstärkt und auf jeden Fall mit dem Arzt oder Ärztin absprechen.
Diese sollten auf jeden Fall eine schleichende Dosierung verwenden, um zu schauen, wie Sie auf das Medikament reagieren.
Eine weitere Gruppe an Medikamenten sind Antimuskarinika.
Diese wirken an den sogenannten Muskarinrezeptoren, die sich in der Blasenwand befinden.
Wenn diese Rezeptoren gehemmt werden, kommt es ebenfalls zur Reduktion der Blasenaktivität.
Bei einer überaktiven Blase ist auch ein Ansatz, die Muskulatur durch Botulinumtoxin zu entspannen. Das Botulinumtoxin, auch als Botox bekannt, wird vorsichtig in die Blasenwand gespritzt und entspannt den Muskel.
Dieses Verfahren hält sogar paar Monate an, sodass Sie nur selten Medikamente gegen die Reizblase einnehmen oder bekommen müssen.
Wenn der Östrogenmangel die Ursache für die Reizblase ist, kann das Hormon eingenommen werden, um Besserung zu verschaffen.
Dies wird in Form von Zäpfchen oder Salben lokal angewendet, damit die Nebenwirkungen möglichst gering gehalten werden.
Es gibt einige Tipps und Tricks, die Sie bei häufigem Harndrang anwenden können, bevor Medikamente genommen werden müssen, oder auch unterstützend zur Medikation-Einnahme.
Eine vollständige Heilung ist bei einer Reizblase eher selten zu erwarten, da die meisten Verläufe chronisch sind.
Manche Betroffenen merken aber auch schon nach ein paar Monaten der Behandlung gute Fortschritte und haben kaum mehr Probleme mit dem Wasserlassen.
Man kann aber mit den oben genannten Medikamenten und Therapien eine gute Linderung verschaffen und die Symptome verringern.
Zudem lernen die Betroffenen besser, mit den Signalen der Blase umzugehen und diese etwas besser zu steuern.
Somit wird auf jeden Fall die Lebensqualität verbessert und der Alltag nicht mehr von der Blase gesteuert.
Die Reizblase bei Kindern hat oft andere Ursachen als bei Erwachsenen.
Hierbei ist seltener die Überaktivität des Blasenmuskels der Grund.
Kinder können ihr Harnverhalten etwa bis zum 3. Lebensjahr noch nicht selbstständig kontrollieren.
Das liegt daran, dass die Signalwege von der Blase zum Gehirn noch nicht ausgereift sind.
Das Kind kann also noch nicht kommunizieren, dass es bald auf Toilette möchte und nässt sich tagsüber und nachts ein.
Diese Signalwege werden aber nach und nach ausgebaut und das Kind wird kontinent und merkt, wann es auf Toilette muss.
Wenn das Kind etwa ab dem 3. Lebensjahr immer noch am Tag und ab dem 5. Lebensjahr in der Nacht einnässt (Enuresis nocturna), kann ein Urologe oder eine Urologin aufgesucht werden, um an den Ursachen zu forschen und zu therapieren.
Die Therapie erfolgt ähnlich wie bei Erwachsenen.
Erst ein Mal werden die konservativen, also nicht invasiven Methoden ausprobiert, wie eine Toilettenschulung oder Beckenbodentraining.
Wenn psychosomatische Gründe das Einnässen verursachen, kann eine Verhaltenstherapie sinnvoll sein.
Medikamente zur Linderung der Symptome sind ebenfalls eine Möglichkeit.
Die Wirksamkeit von pflanzlichen Medikamenten ist derzeit zwar noch nicht wissenschaftlich belegt, sie helfen aber einem Teil der Betroffenen mit einer Reizblase, wo andere Methoden versagt haben.
Die genannten homöopathischen Mittel sind in Globuliform zu erwerben und können bis zu 5 mal täglich eingenommen werden.
Ein weiteres Verfahren zur Reduktion der Symptome kann auch die Akupunktur hilfreich sein.
Dabei werden feine Nadeln in die Haut bestimmter Körperstellen gestochen, um die Blasenaktivität zu regulieren.
Körperliche Besonderheiten sind dafür verantwortlich, dass Frauen häufiger unter den Symptomen einer Reizblase leiden.
Beispielsweise ist die Harnröhre bei Frauen wesentlich kürzer als bei Männern, wodurch leichter Krankheitserreger in die Blase gelangen und eine Infektion verursachen können.
Zudem spielt bei Frauen der Hormonhaushalt eine große Rolle, in dem Rahmen auch eine Schwangerschaft, Menstruation und die Menopause.
Im Alter nimmt die Häufigkeit bei Frauen auch zu.
Bei Männern spielt die Prostata in Bezug auf die Reizblase eine Rolle.
Wenn diese vergrößert (→ Prostatavergrößerung) ist, was im Alter häufig vorkommt, kann das ebenfalls zu häufigeren Harndrang führen.
Es gibt einen gewissen Zusammenhang zwischen der Reizblase und den Wechseljahren.
Wenn Frauen in die Menopause, also die Wechseljahre kommen, verändert sich der Hormonhaushalt.
Die Periode ist ein zyklisch immer wiederkehrender Kreislauf im Leben einer gebärfähigen Frau, welcher auch über viele Hormone gesteuert wird.
Ein wesentliches Hormon ist dabei das Östrogen.
Das Östrogen ist dafür verantwortlich, die Gebärmutterschleimhaut dicker und für die befruchtete Eizelle empfänglich zu machen.
Es hat aber auch weitere Einflüsse auf den Körper, wie zum Beispiel auf die Knochen.
Es verhindert, dass dieser abgebaut wird.
Es ist generell auch für Wachstum verantwortlich.
Wenn die Periode also nicht mehr stattfindet und der Körper immer weniger Östrogen produziert, hat das auch Auswirkungen auf die Blase.
Die Muskulatur der Blase und das Bindegewebe werden immer schwächer und somit kommen die Symptome der Reizblase zustande.
Der Östrogenmangel verändert auch den pH-Wert des Urins, sodass vermehrt Bakterien in die Blase gelangen können und eine Infektion hervorrufen.