Gutartige Prostatavergrößerung (benigne Prostatahyperplasie) – wenn es zu einer nicht-bösartigen Zunahme der Zellzahl in der Prostata kommt.

Die Prostatavergrößerung, häufig auch als benigne Prostatahyperplasie bezeichnet, beschreibt eine gutartige Größenveränderung der männlichen Vorsteherdrüse. Im Normalfall ist sie etwa kastaniengroß und wiegt um die 20-25g. Sie besteht aus vielen einzelnen Drüsen, die über gemeinsame Ausführungsgänge in der Harnröhre des Mannes enden und hier das produzierte Sekret abgeben. Aus verschiedenen Gründen können die einzelnen Drüsenzellen zur Vergrößerung angeregt werden und somit kommt es zur Vergrößerung der gesamten Prostata. Die Volumenzunahme ist dabei ein Prozess, der nicht von heute auf morgen stattfindet, sondern einige Jahre dauert und vermehrt im höheren Alter auftritt. Die Prostatavergrößerung gehört zu den häufigsten urologischen Erkrankungen in der westlichen Welt. Sie betrifft vor allem Männer im höheren Alter. Die Umbauprozesse, welche letztlich zum Größenwachstum führen, starten ab dem 40. Lebensjahr. Bei Männern über 80 Jahren, sind 80-90% von einer vergrößerten Prostata betroffen.
Eine altersbedingte gutartige (benigne) Vergrößerung der Prostata ist in den meisten Fällen harmlos.
Es kann jedoch zu Beeinträchtigungen beim Wasserlassen kommen.
Im fortgeschrittenem Stadium kann es zu einem Harnverhalt kommen, bei dem sich Urin zurückstaut.
In diesem Fall ist Wasserlassen nicht mehr möglich.
Bei Beschwerden beim Wasserlassen im fortgeschrittenen Alter ist häufig eine Prostatavergrößerung die Ursache.
Ein Besuch beim Urologen zur Klärung der Ursache ist daher notwendig.
Eine Prostatavergrößerung wird meist im Rahmen eines urologischen Check-Ups entdeckt.
Dieser sollte bei Männern ab dem 45. Lebensjahr jährlich bei einem Urologen durchgeführt werden.
Liegen familiäre Vorbelastungen vor, hat also ein Verwandter bereits Probleme oder Auffälligkeiten an seiner Prostata, kann auch ab dem 40. Lebensjahr mit den regelmäßigen Vorsorgeterminen gestartet werden.
Sollten vor einer solchen Vorsorgeuntersuchung bereits Symptome auftreten, empfiehlt es sich, beim Hausarzt die Probleme anzusprechen. Dieser kann dann eine Überweisung an einen Urologen ausstellen, wo gezieltere Untersuchungen durchgeführt werden können.
Die Prostata (Vorsteherdrüse) ist in etwa so groß wie eine Kastanie und befindet sich direkt unterhalb der Harnblasen und gehört neben den Hoden zu den Fortpflanzungsorganen des Mannes.
Die Hauptfunktion der Prostata besteht darin, einen Teil der Samenflüssigkeit zu produzieren.
Die produzierte Flüssigkeit ermöglicht die Beweglichkeit der Spermien und ist somit für die Fruchtbarkeit des Mannes von besonderer Bedeutung.
Kommt es zu einer Vergrößerung der Prostata, kann es zu einer Einengung der Harnröhre kommen. Probleme beim Wasserlassen sind die Folge.
Die Ursachen einer gutartigen Prostatavergrößerung sind bis heute noch nicht abschließend geklärt. Sicher ist aber, dass die Verschiebung des Hormonhaushaltes mit vermehrtem eine zentrale Rolle spielt.
Der männliche Körper produziert im Alter mehr Dihydrotestosteron und Östrogen, welche beide als Wachstumssignale für Prostatazellen fungieren.
Weitere Theorien, die aber noch nicht bestätigt sind, sind die Auswirkung von Entzündungen und eventuell auch Übergewicht als Risikofaktoren für eine Prostatavergrößerung.
Wie bei vielen Krankheiten wird zudem auch eine genetische Korrelation mit dem Auftreten der Erkrankung diskutiert.
Es gibt sehr unterschiedliche Symptome, die bei einer Prostatavergrößerung auftreten können.
Häufig klagen die Betroffenen über Probleme beim Wasserlassen - von einer geringeren Harnmenge, über Nachtropfen, bis zum Gefühl noch Restharn in der Blase zu haben.
Auch der Harnverhalt, also das Ausbleiben von Harn, ist keine Seltenheit, wobei hier schnellstmöglich ein Arzt aufgesucht werden sollte, um folgende irreversible Schädigungen der Niere zu verhindern.
Zudem kann es zu nächtlichem Harndrang, vermehrtem Wasserlassen mit geringen Harnmengen oder auch Inkontinenz kommen.
Die Diagnostik startet meist mit allgemeinen Fragen zur Blasenentleerung.
Hierbei wird besonders auf die Frequenz und die Qualität des Urins eingegangen.
Meist erkundigt sich der Arzt auch noch nach der Menge und Qualität des Ejakulats, da beide Systeme sehr eng zusammenhängen.
Weiter geht es mit der körperlichen Untersuchung, wo durch rektales Einführen eines Fingers der Zustand der Analschleimhaut, aber vor allem auch die Oberflächenbeschaffenheit und Größe der Prostata beurteilt werden.
Zudem wird Blut abgenommen, um nierenspezifische Werte und das Prostata-spezifische Antigen (PSA) zu bestimmen.
Da der PSA-Wert bei einer bösartigen Veränderung meist deutlich höher ansteigt als bei einer gutartigen Vergrößerung, kann hierdurch oft eine Differenzierung zwischen der gutartigen Prostatavergrößerung (benigne Prostatahyperplasie, BPH) und einem Prostatakarzinom gefällt werden.
Um sich ein noch besseres Bild vom Aussehen und der exakten Größe der Prostata zu verschaffen, kann ein transrektaler Ultraschall durchgeführt werden.
Zum Ausschluss von Problemen an Nieren und Blasen wird außerdem ein Ultraschall über die Bauchdecke gemacht.
Das Auftreten von Problemen beim Wasserlassen, einer veränderten Harnmenge und allen weiteren Symptomen der Prostatavergrößerung lassen aber nicht eindeutig die Diagnose zu, da einige andere Erkrankungen ähnliche oder gleiche Symptome aufweisen.
Die Behandlung der Prostatavergrößerung richtet sich nach dem Stadium und dem Ausmaß der Beschwerden. In einigen Fällen bedarf eine Prostatavergrößerung keiner Behandlung.
Die Therapie bei einer Prostatavergrößerung hängt sehr stark vom Leidensdruck der Betroffenen ab.
Handelt es sich um einen Zufallsbefund bei einer Vorsorge, startet die Therapie meist mit „watchful waiting“, was bedeutet, dass zunächst nur regelmäßig nach Veränderungen geschaut wird.
Es empfiehlt sich, viel Flüssigkeit zu sich zu nehmen und dabei Kaffee und Alkohol möglichst zu meiden, um das Urogenitalsystem nicht unnötig zusätzlich zu strapazieren. Diese Therapiemethode kann lediglich angewandt werden, wenn keine Probleme beim Wasserlassen und keine Bildung von Restharn, sowie keine Harnstauung besteht.
Die konservative Therapieform besteht vor allem in der Gabe verschiedener Medikamente.
Diese greifen an verschiedenen Mechanismen an, wovon im Folgenden nur zwei der am häufigsten genutzten beispielhaft vorgestellt werden sollen.
Bei fortgeschritteneren Vergrößerungen mit einhergehenden Symptomen kommen invasive Therapien zum Einsatz.
So wird bei akutem Harnverhalt, also dem Ausbleiben von Wasserlassen, zunächst ein Einmalkatheter gelegt, um die Blase zu leeren.
Dadurch wird die angestaute Flüssigkeit zügig entfernt und die Blase und das Nieren-/ Harnleitersystem wieder entlastet.
Um das Abdrücken der Harnröhre durch die stark vergrößerte Prostata zu verhindern, muss meist eine Operation folgen. Diese kann verschieden aussehen – es gibt bei moderaten Vergrößerungen die Möglichkeit, dies über ein Laserverfahren oder minimalinvasiv über die Harnröhre durchzuführen.
Bei starken Vergrößerungen kommen nur noch sogenannte „offene Prostataentfernungen“ in Frage.
Auch eine Kombination der einzelnen Medikamente ist möglich.
Es gibt eine ganze Reihe an Medikamenten, die bei einer Prostatavergrößerung helfen können. Angefangen bei den alpha-1-Rezeptorenblockern, welche bei Vergrößerungen < 30ml eingesetzt werden.
Diese blockieren, wie der Name schon sagt, den alpha-1-Rezeptor auf der glatten Muskulatur des Blasenausgangs.
Hier würden ohne Einsatz des Medikamentes körpereigene Botenstoffe binden, die die Kontraktion der Muskulatur bewirken.
Da die vergrößerte Prostata bereits auf die Harnröhre drückt und das Wasserlassen erschwert, entspannt sich durch die Blockade der Rezeptoren die Muskulatur am Blasenausgang.
Hierdurch wird das Austreiben des Harns bei Anspannung der Blasenmuskulatur erleichtert, da der Widerstand durch die Medikation verringert wird.
Dieser Effekt setzt recht schnell ein, weshalb nach Einnahme der Tabletten recht bald mit Harndrang zu rechnen ist.
Eine andere Medikamentengruppe sind die 5-alpha-Reduktasehemmer, die bei Vergrößerungen um 30-40 ml eingesetzt werden.
Diese hemmen das Enzym 5-alpha-Reduktase, welches im Normalfall das Geschlechtshormon Testosteron in Dihydrotestosteron umsetzt.
Dihydrotestosteron sorgt für das Wachstum von Prostata-Zellen.
Wird es nun weniger durch das Enzym produziert, erhalten die Zellen der Prostata weniger Wachstumssignale. So kann sich nach längerer Einnahmezeit die Prostatavergrößerung sogar zurückbilden und eine Operation in vielen Fällen verhindert werden.
Die Phosphodiesterase-5-Inhibitoren wiederum hemmen das Enzym Phosphodiesterase-5, wodurch weniger Signalstoff cGMP abgebaut wird.
Das vermehrt verbleibende cGMP entspannt glatte Muskelzellen und wirkt entsprechend, wie beim Einsatz der alpha-1-Rezeptorblocker, durch Senken des Widerstandes beim Wasserlassen.
Ist das Prostatavolumen bereits stärker vergrößert (mehr als 30-40ml), kann eine Kombinationstherapie eingeleitet werden.
Bei allen medikamentösen Therapien ist zu beachten, dass Nebenwirkungen entstehen können.
Diese sind sehr stark vom eingenommenen Präparat abhängig und reichen von Kopfschmerzen, Hitzewallungen und erniedrigtem Blutdruck über erektile Funktionsstörungen bis hin zu Mundtrockenheit.
Mittlerweile werden auch sogenannte Phytotherapeutika (rein pflanzliche Wirkstoffe), wie Brennesselwurzeln oder Kürbissamen angeboten, deren Wirksamkeit konnte aber noch nicht nachgewiesen werden, weshalb sie sich lediglich für Patienten mit mäßigem Leidensdruck anbieten.
Die Wirkung der Hausmittel bei einer Prostatavergrößerung ist jedoch umstritten.
Operationen bei einer Prostatavergrößerung sollten in Erwägung gezogen werden, wenn sich die Symptomatik medikamentös nicht mehr zufriedenstellend reduzieren lässt.
Hierbei gibt es verschiedene Operationsmethoden.
Bei Vergrößerungen bis 80–100 ml, kann eine sogenannte transurethrale Elektroresektion durchgeführt werden.
Hier bleiben die entfernten Teile der Prostata im Körper, weshalb die Nachsorge etwas umfangreicher sind, da durch deren Verbleib im Körper eine spätere Mutation und Entstehung eines Karzinoms nach der erfolgreich behandelten gutartigen Vergrößerung, nicht ausgeschlossen werden kann.
Sollte ein Patient sich nicht für eine Elektroresektion eignen, da er beispielsweise Blutverdünner einnimmt, kann ein ganz ähnliches Verfahren auch mit dem Einsatz von Laser ablaufen.
Bei Prostatavergrößerungen auf über 100ml, sind solche minimalinvasiven Verfahren leider nicht mehr möglich, weshalb der Zugang zur Prostata dann mit einem größeren Schnitt und einer offenen Operation erfolgen muss.
Vorbereitung
Bevor eine Operation letztlich erfolgen kann, sind einige Vorbereitungen nötig.
Zunächst sollte der Arzt alle Optionen auch außerhalb einer Operation erläutert haben und dem Patienten genug Bedenkzeit geben, um sich auch mit Vertrauenspersonen beraten und letztlich zu entscheiden.
Wenn eine Operation von allen Seiten als beste Behandlungsoption gewählt wurde, muss noch die genaue Art der Operation bestimmt werden, welche von Faktoren wie dem genauen Leidenszustand des Patienten, dem Alter, dem Stadium der Vergrößerung und der allgemeinen körperlichen Verfassung des Patienten abhängt.
Als Vorbereitung auf die Operation, folgen erneut Gespräche mit dem behandelnden Arzt, welcher das genaue Vorgehen erklärt und dem Anästhesisten (Narkosearzt), welcher das Vorgehen der Betäubung sowie mögliche Risiken erläutert.
Zudem erhält der Patient vom Krankenhaus einen Detailplan, in dem erklärt wird, wann er sich wo einzufinden hat, welche Unterlagen mitgebracht werden müssen und wann genau die Operation geplant ist.
Es ist wichtig zu beachten, dass Patienten, die am Tag der stationären Aufnahme noch operiert werden, meist nüchtern erscheinen sollen.
Dies bedeutet, dass man einige Stunden nicht gegessen und möglichst wenig getrunken haben sollte. Beim Trinken ist vor allem darauf zu achten, nur Wasser zu trinken und beispielsweise keinen morgendlichen Kaffee mit Milch, da dies dazu führen kann, dass die Operation womöglich auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden muss.
Ablauf der Operation
Der genaue Ablauf der Operation hängt von der Operationsmethode ab.
Nachsorge
Ist die Operation abgeschlossen, wird intraoperativ noch ein Katheter eingelegt, welcher die kommenden 2–4 Tage den Harn aus der Blase direkt in einen Urinbeutel leitet.
Dies gibt dem durch die Operation verwundeten Gewebe in der Harnröhre die Möglichkeit, besser zu heilen.
Außerdem können auf diese Weise postoperative Blutungen direkt aus dem Körper geleitet werden.
Sollte es trotz Katheteranlage zu einem Harnwegsinfekt kommen, folgt noch eine Antibiotikatherapie.
Im Regelfall werden die Patienten nach Entfernung des Katheters, also ein paar Tage nach der Operation, wieder nach Hause entlassen, wo sie sich noch einige Wochen körperlich schonen sollten.
Dies betrifft sowohl Leistungssport, Fahrradfahren als auch das Heben von schweren Lasten.
Zudem muss in den ersten zwei bis drei Wochen auf Geschlechtsverkehr verzichtet werden.
Nebenwirkungen
Mögliche Nebenwirkungen oder Folgen der Operation sind beispielsweise ein trockener Samenerguss. Dies bedeutet, dass das Ejakulat nicht mehr regulär in die Harnröhre gelangt, sondern in die Blase und von dort aus mit dem Urin ausgeschieden wird.
Dies vermindert die Fruchtbarkeit der Patienten und sollte vor allem von außergewöhnlich jungen Patienten beachtet werden.
Auch üblich ist etwas Blut im Urin oder auch Harnwegsinfektionen kurz nach der OP.
Inkontinenz und Erektionsstörungen sind deutlich seltener und in den meisten Fällen nur vorübergehend.
Kosten
Wer sich um die Kosten Sorgen macht, kann erstmal aufatmen, da die TUR eine Leistung der gesetzlichen Krankenkassen ist, was bedeutet, dass die Kosten der Operation (durch die guten Belege der Wirksamkeit) von Krankenkassen übernommen werden.
Trotzdem sollte vor Durchführung der Operation immer nochmal mit dem Arzt oder der Ärztin sowie mit der Krankenkasse die Kostenübernahme besprochen werden.
Dies verhindert böse Überraschungen und ist gerade bei neueren und noch nicht ausreichend erprobten Operationsmethoden essentiell.
Eine Prostatavergrößerung stellt eine gutartige Veränderung der männlichen Vorsteherdrüse dar.
Dies hat zur Folge, dass das Erkranken an einer gutartigen Prostatavergrößerung bei adäquater Behandlung keine Auswirkung auf die Lebenszeit hat.
Durch die urologische Abklärung des Stadiums der Vergrößerung und entsprechende Therapie kann hierbei auch die Lebensqualität annähernd gleich hoch wie bei Nicht-Erkrankten gehalten werden.
In diesem Fall handelt es sich um einen urologischen Notfall.
Die Prostata vergrößert sich nur sehr langsam.
Die Beschwerden treten somit auch langsam und allmählich auf.
Da die genauen Ursachen der Prostatavergrößerung noch nicht abschließend geklärt sind, ist eine Prävention sehr schwierig zu erwirken.
Bis die genaue Herkunft der Erkrankung geklärt ist, ist die beste Art der Vorbeugung, die empfohlenen urologischen Vorsorgetermine ab dem 45. Lebensjahr wahrzunehmen.
Hier kann durch den Urologen frühzeitig eine Veränderung wahrgenommen und gegebenenfalls auch therapiert werden, was die Gefahr der Komplikationen bei einer späteren Behandlung deutlich senkt.
Die Prostata befindet sich direkt unterhalb der Blase.
Eine Prostatavergrößerung kann man in drei Stadien einteilen: