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pfeilWas ist das?

Die Prostatavergrößerung, häufig auch als benigne Prostatahyperplasie bezeichnet, beschreibt eine gutartige Größenveränderung der männlichen Vorsteherdrüse. Im Normalfall ist sie etwa kastaniengroß und wiegt um die 20-25g. Sie besteht aus vielen einzelnen Drüsen, die über gemeinsame Ausführungsgänge in der Harnröhre des Mannes enden und hier das produzierte Sekret abgeben. Aus verschiedenen Gründen können die einzelnen Drüsenzellen zur Vergrößerung angeregt werden und somit kommt es zur Vergrößerung der gesamten Prostata. Die Volumenzunahme ist dabei ein Prozess, der nicht von heute auf morgen stattfindet, sondern einige Jahre dauert und vermehrt im höheren Alter auftritt. Die Prostatavergrößerung gehört zu den häufigsten urologischen Erkrankungen in der westlichen Welt. Sie betrifft vor allem Männer im höheren Alter. Die Umbauprozesse, welche letztlich zum Größenwachstum führen, starten ab dem 40. Lebensjahr. Bei Männern über 80 Jahren, sind 80-90% von einer vergrößerten Prostata betroffen.

Zusammenfassung Prostatavergrößerung

  • Vor allem im Alter kommt es zu einer Vergrößerung der Prostata.
  • Die Vergrößerung ist gutartig.
  • Häufiger Harndrang, nächtliche Toilettengänge und Blasenentleerungsstörungen sind Anzeichen einer Prostatavergrößerung.
  • Je nach Ausmaß der Beschwerden kommen unterschiedlichen Behandlungsmöglichkeiten infrage.
Epidemiologische FaktenHäufigkeitoft
Alters FaktenAlter~ ab 65
Geschlecht FaktenGeschlechtm
pfeilIst das gefährlich?

Eine altersbedingte gutartige (benigne) Vergrößerung der Prostata ist in den meisten Fällen harmlos.

Es kann jedoch zu Beeinträchtigungen beim Wasserlassen kommen.

Im fortgeschrittenem Stadium kann es zu einem Harnverhalt kommen, bei dem sich Urin zurückstaut.
In diesem Fall ist Wasserlassen nicht mehr möglich.

pfeilWann zum Arzt?

Bei Beschwerden beim Wasserlassen im fortgeschrittenen Alter ist häufig eine Prostatavergrößerung die Ursache.

Ein Besuch beim Urologen zur Klärung der Ursache ist daher notwendig.

Eine Prostatavergrößerung wird meist im Rahmen eines urologischen Check-Ups entdeckt.
Dieser sollte bei Männern ab dem 45. Lebensjahr jährlich bei einem Urologen durchgeführt werden.

Liegen familiäre Vorbelastungen vor, hat also ein Verwandter bereits Probleme oder Auffälligkeiten an seiner Prostata, kann auch ab dem 40. Lebensjahr mit den regelmäßigen Vorsorgeterminen gestartet werden.

Sollten vor einer solchen Vorsorgeuntersuchung bereits Symptome auftreten, empfiehlt es sich, beim Hausarzt die Probleme anzusprechen. Dieser kann dann eine Überweisung an einen Urologen ausstellen, wo gezieltere Untersuchungen durchgeführt werden können.

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Anatomie

Die Prostata (Vorsteherdrüse) ist in etwa so groß wie eine Kastanie und befindet sich direkt unterhalb der Harnblasen und gehört neben den Hoden zu den Fortpflanzungsorganen des Mannes.

Die Hauptfunktion der Prostata besteht darin, einen Teil der Samenflüssigkeit zu produzieren.

Die produzierte Flüssigkeit ermöglicht die Beweglichkeit der Spermien und ist somit für die Fruchtbarkeit des Mannes von besonderer Bedeutung.

Kommt es zu einer Vergrößerung der Prostata, kann es zu einer Einengung der Harnröhre kommen. Probleme beim Wasserlassen sind die Folge.

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Ursachen Prostatavergrößerung

  • Unklare Ursache – die Ursachen für eine Prostatavergrößerung sind noch nicht abschließend geklärt.
  • Vermutung:
    • Hormonelle Veränderungen – Bei kastrierten Männern kommt es zu keiner Prostatavergrößerung. Die Hormone Testosteron und Östrogen spielen somit eine Rolle bei der Entstehung.
    • Genetische Faktoren – bei jeder 2. Behandlung im Alter vor dem 60. Lebensjahr fällt eine familiäre Häufung auf.
  • Risikofaktoren für die Entstehung einer Prostatavergrößerung:
    • Übergewicht
    • Rauchen
    • Generell ungesunder Lebensstil

Hormonelle Verschiebung

Die Ursachen einer gutartigen Prostatavergrößerung sind bis heute noch nicht abschließend geklärt. Sicher ist aber, dass die Verschiebung des Hormonhaushaltes mit vermehrtem eine zentrale Rolle spielt.

Der männliche Körper produziert im Alter mehr Dihydrotestosteron und Östrogen, welche beide als Wachstumssignale für Prostatazellen fungieren. 

Weitere Theorien, die aber noch nicht bestätigt sind, sind die Auswirkung von Entzündungen und eventuell auch Übergewicht als Risikofaktoren für eine Prostatavergrößerung.

Wie bei vielen Krankheiten wird zudem auch eine genetische Korrelation mit dem Auftreten der Erkrankung diskutiert.

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Symptome Prostatavergrößerung

  • Häufiges Wasserlassen
  • Nächtlicher Harndrang
  • Schwacher oder unterbrochener Harnstrahl bis hin zum Harnverhalt
  • Verzögertes Wasserlassen
  • Schmerzen beim Wasserlassen
  • Unvollständige Entleerung der Blase
  • Nachträufeln
  • Inkontinenz
  • Potenzstörung

Unterschiedliche Anzeichen einer Prostatavergrößerung

Es gibt sehr unterschiedliche Symptome, die bei einer Prostatavergrößerung auftreten können.
Häufig klagen die Betroffenen über Probleme beim Wasserlassen - von einer geringeren Harnmenge, über Nachtropfen, bis zum Gefühl noch Restharn in der Blase zu haben.

Auch der Harnverhalt, also das Ausbleiben von Harn, ist keine Seltenheit, wobei hier schnellstmöglich ein Arzt aufgesucht werden sollte, um folgende irreversible Schädigungen der Niere zu verhindern.

Zudem kann es zu nächtlichem Harndrang, vermehrtem Wasserlassen mit geringen Harnmengen oder auch Inkontinenz kommen.

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Diagnose Prostatavergrößerung

Ablauf der Diagnostik bei einer Prostatavergrößerung

Die Diagnostik startet meist mit allgemeinen Fragen zur Blasenentleerung.
Hierbei wird besonders auf die Frequenz und die Qualität des Urins eingegangen.
Meist erkundigt sich der Arzt auch noch nach der Menge und Qualität des Ejakulats, da beide Systeme sehr eng zusammenhängen.

Weiter geht es mit der körperlichen Untersuchung, wo durch rektales Einführen eines Fingers der Zustand der Analschleimhaut, aber vor allem auch die Oberflächenbeschaffenheit und Größe der Prostata beurteilt werden.

Zudem wird Blut abgenommen, um nierenspezifische Werte und das Prostata-spezifische Antigen (PSA) zu bestimmen.
Da der PSA-Wert bei einer bösartigen Veränderung meist deutlich höher ansteigt als bei einer gutartigen Vergrößerung, kann hierdurch oft eine Differenzierung zwischen der gutartigen Prostatavergrößerung (benigne Prostatahyperplasie, BPH) und einem Prostatakarzinom gefällt werden.

Um sich ein noch besseres Bild vom Aussehen und der exakten Größe der Prostata zu verschaffen, kann ein transrektaler Ultraschall durchgeführt werden.
Zum Ausschluss von Problemen an Nieren und Blasen wird außerdem ein Ultraschall über die Bauchdecke gemacht.

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Differenzialdiagnose

Das Auftreten von Problemen beim Wasserlassen, einer veränderten Harnmenge und allen weiteren Symptomen der Prostatavergrößerung lassen aber nicht eindeutig die Diagnose zu, da einige andere Erkrankungen ähnliche oder gleiche Symptome aufweisen. 

  • Prostataentzündung – So zum Beispiel die Entzündung der Prostata (Prostatitis).
    Diese betrifft knapp 10 % aller Männer und zeichnet sich auch durch vermehrtes Wasserlassen und dabei geringere Urinmengen aus.
    Hinzu kommen bei einer akuten Entzündung hohes Fieber, Schüttelfrost und häufig Schmerzen beim Sitzen.
    Dies lässt sich entsprechend gut von einer gutartigen Prostatavergrößerung unterscheiden.
    Bei der chronischen Form der Prostataentzündung beklagen die Patienten meist lediglich Probleme beim Wasserlassen, was eine eindeutige Diagnose wiederum erschwert.
    Ausgelöst wird eine Entzündung häufig durch Bakterien, die über die Harnröhre in den Körper gelangen und sich dann von dort aus den Weg „rückwärts“ vom Eingang der Harnröhre am Penis bis hoch zur Mündung der Prostata-Ausführungsgänge, bis in die Prostata bahnen.
    Es gibt aber auch immer wieder Fälle, in denen keine sichere Entzündungsursache gefunden werden kann. 
  • Prostatakrebs (Prostatakarzinom) – Eine weitere Erkrankung, die zu ähnlichen Symptomen führt, ist das Prostatakarzinom.
    Die Entartung der normalen Prostatazellen findet eher in der Außenzone der Prostata statt und entsprechend lang wächst der Tumor meist, bis er die Harnröhre einengt.
    Dadurch kommt es erst im fortgeschrittenen Stadium zu Symptomen wie einer Blasenentleerungsstörung.
    Weitere Symptome des Prostatakrebses sind Blut im Urin oder auch Wassereinlagerungen in den Beinen oder dem Genital.
    Im weit fortgeschrittenen, metastasierten Stadium können außerdem eine allgemeine Abgeschlagenheit sowie Fieber, Nachtschweiß und ungewollter sehr starker Gewichtsverlust hinzukommen, was typische Anzeichen für bösartige Tumore sind.
    Es sollte aber erwähnt werden, dass Prostatakrebs zwar die häufigste Krebsart bei Männern darstellt, trotzdem in den meisten Fällen zu Lebzeiten nicht entdeckt wird.
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Behandlung Prostatavergrößerung

Die Behandlung der Prostatavergrößerung richtet sich nach dem Stadium und dem Ausmaß der Beschwerden. In einigen Fällen bedarf eine Prostatavergrößerung keiner Behandlung.

  • Medikamentöse Therapie:
    • Pflanzliche Präparate (Phytopharmaka) – Bei leichten Beschwerden (Kürbissamen, Sägepalme, Roggen, Brennnesselwurzel).
    • Alpha -1-Blocker – Blockieren bestimmte Rezeptoren am Blasenhals, es kommt zur Entspannung der Muskulatur.
    • 5alpha-Reduktasehemmer – Ein Zwischenschritt der Testosteronsynthese wird gehemmt, somit wird der Wachstumsreiz auf die Prostata gestoppt.
    • Anticholinergika – Behandlung von vermehrtem Wasserlassen.
  • Transurethrale Prostataresektion (TURP) – Endoskop wird durch Harnröhre eingeführt und vergrößertes Prostatagewebe abgetragen.
  • Holmium-Laser-Enukleation der Prostata (HoLEP) - Durch Harnröhre werden mittels Laser die vergrößerten Anteile der Prostata entfernt.
  • Transarterielle katheter-basierte Prostata-Embolisation – Kleine Arterien, die zur Prostata führen, werden verschlossen. Abnahme der Drüsengröße als Folge.
  • iTIND
    • Körbchen wird für 5 Tage in Prostataloge eingelegt.
    • Remodelliert die prostatische Harnröhre, sodass der Urin abfließen kann.
  • Operative Therapie – Wenn die Symptome der Prostatavergrößerung trotz medikamentöser Therapie weiterbestehen.

Therapie einer Prostatavergrößerung abhängig vom Leidensdruck

Die Therapie bei einer Prostatavergrößerung hängt sehr stark vom Leidensdruck der Betroffenen ab.
Handelt es sich um einen Zufallsbefund bei einer Vorsorge, startet die Therapie meist mit „watchful waiting“, was bedeutet, dass zunächst nur regelmäßig nach Veränderungen geschaut wird.

Es empfiehlt sich, viel Flüssigkeit zu sich zu nehmen und dabei Kaffee und Alkohol möglichst zu meiden, um das Urogenitalsystem nicht unnötig zusätzlich zu strapazieren. Diese Therapiemethode kann lediglich angewandt werden, wenn keine Probleme beim Wasserlassen und keine Bildung von Restharn, sowie keine Harnstauung besteht. 

Konservative Behandlung der Prostatavergrößerung

Die konservative Therapieform besteht vor allem in der Gabe verschiedener Medikamente.
Diese greifen an verschiedenen Mechanismen an, wovon im Folgenden nur zwei der am häufigsten genutzten beispielhaft vorgestellt werden sollen.

  1. Alpha-1-Rezeptor-Blocker – Bei leichten Vergrößerungen der Prostata werden sogenannte alpha-1-Rezeptor-Blocker verwendet, die die glatte Muskulatur am Blasenausgang entspannen, wodurch weniger Widerstand beim Wasserlassen besteht und schnell ein Effekt erzielt wird.
  2. 5alpha-Reduktasehemmer – Eine anderer Ansatzpunkt ist die Hemmung des Enzyms 5-alpha-Reduktase, das dafür sorgt, dass das männliche Geschlechtshormon Testosteron in Dihydrotestosteron umgesetzt wird.
    Dieses ist eigentlich ein Wachstumsfaktor für Prostatazellen. Wird Testosteron weniger umgesetzt, besteht weniger Wachstumsstimulation, wodurch letztlich auch das Prostatavolumen längerfristig reduziert werden kann.
    Die Wirkung tritt zwar erst nach ein paar Monaten auf, kann aber auf lange Sicht eine Operation verhindern.  

Operative Behandlung der Prostatavergrößerung

Bei fortgeschritteneren Vergrößerungen mit einhergehenden Symptomen kommen invasive Therapien zum Einsatz.

So wird bei akutem Harnverhalt, also dem Ausbleiben von Wasserlassen, zunächst ein Einmalkatheter gelegt, um die Blase zu leeren.
Dadurch wird die angestaute Flüssigkeit zügig entfernt und die Blase und das Nieren-/ Harnleitersystem wieder entlastet.

Um das Abdrücken der Harnröhre durch die stark vergrößerte Prostata zu verhindern, muss meist eine Operation folgen. Diese kann verschieden aussehen – es gibt bei moderaten Vergrößerungen die Möglichkeit, dies über ein Laserverfahren oder minimalinvasiv über die Harnröhre durchzuführen.

Bei starken Vergrößerungen kommen nur noch sogenannte „offene Prostataentfernungen“ in Frage.

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Medikamente

  • Alpha-1-Blocker – lockert und entspannt die Muskulatur des Harnblasenhalses.
  • 5-alpha-Reduktasehemmer – blockieren die Funktion des Enzyms 5-alpha-Reduktase, verhindern die Umwandlung zu Testosteron.
  • PDE-Hemmer – blockieren das Enzym Phosphodiesterase.
  • Muskarin-Rezeptor-Antagonisten (MRA) – entspannt die Muskulatur der Blase.
  • Beta-3-Rezeptor-Agonisten – Stimulieren die Beta-Rezeptoren.

Auch eine Kombination der einzelnen Medikamente ist möglich.

alpha-1-Rezeptorenblocker

Es gibt eine ganze Reihe an Medikamenten, die bei einer Prostatavergrößerung helfen können. Angefangen bei den alpha-1-Rezeptorenblockern, welche bei Vergrößerungen < 30ml eingesetzt werden.
Diese blockieren, wie der Name schon sagt, den alpha-1-Rezeptor auf der glatten Muskulatur des Blasenausgangs.
Hier würden ohne Einsatz des Medikamentes körpereigene Botenstoffe binden, die die Kontraktion der Muskulatur bewirken.
Da die vergrößerte Prostata bereits auf die Harnröhre drückt und das Wasserlassen erschwert, entspannt sich durch die Blockade der Rezeptoren die Muskulatur am Blasenausgang.
Hierdurch wird das Austreiben des Harns bei Anspannung der Blasenmuskulatur erleichtert, da der Widerstand durch die Medikation verringert wird.
Dieser Effekt setzt recht schnell ein, weshalb nach Einnahme der Tabletten recht bald mit Harndrang zu rechnen ist.

5-alpha-Reduktasehemmer

Eine andere Medikamentengruppe sind die 5-alpha-Reduktasehemmer, die bei Vergrößerungen um 30-40 ml eingesetzt werden.
Diese hemmen das Enzym 5-alpha-Reduktase, welches im Normalfall das Geschlechtshormon Testosteron in Dihydrotestosteron umsetzt.
Dihydrotestosteron sorgt für das Wachstum von Prostata-Zellen.
Wird es nun weniger durch das Enzym produziert, erhalten die Zellen der Prostata weniger Wachstumssignale. So kann sich nach längerer Einnahmezeit die Prostatavergrößerung sogar zurückbilden und eine Operation in vielen Fällen verhindert werden. 

Phosphodiesterase-5-Inhibitoren

Die Phosphodiesterase-5-Inhibitoren wiederum hemmen das Enzym Phosphodiesterase-5, wodurch weniger Signalstoff cGMP abgebaut wird.
Das vermehrt verbleibende cGMP entspannt glatte Muskelzellen und wirkt entsprechend, wie beim Einsatz der alpha-1-Rezeptorblocker, durch Senken des Widerstandes beim Wasserlassen. 

Kombinationtherapie

Ist das Prostatavolumen bereits stärker vergrößert (mehr als 30-40ml), kann eine Kombinationstherapie eingeleitet werden.

  • Eine typische Kombination ist die Gabe von alpha-1-Rezeptorenblockern mit Muskarinrezeptorantagonisten, welche sich vor allem auf die Speicherfähigkeit der Blase positiv auswirken.
    Die Kombination beider Therapien verbessert durch die veränderte Blasenspeicher-Symptomatik deutlicher die Lebensqualität als eine Einzeltherapie (nur ein Medikament).
  • Eine andere Kombination sind alpha-1-Rezeptorblocker mit 5-alpha-Reduktasehemmern, welche jedoch erst in der Langzeittherapie, also bei Anwendungen über einem Jahr, ihre Wirkung entfalten können. 

Bei allen medikamentösen Therapien ist zu beachten, dass Nebenwirkungen entstehen können.
Diese sind sehr stark vom eingenommenen Präparat abhängig und reichen von Kopfschmerzen, Hitzewallungen und erniedrigtem Blutdruck über erektile Funktionsstörungen bis hin zu Mundtrockenheit.

Mittlerweile werden auch sogenannte Phytotherapeutika (rein pflanzliche Wirkstoffe), wie Brennesselwurzeln oder Kürbissamen angeboten, deren Wirksamkeit konnte aber noch nicht nachgewiesen werden, weshalb sie sich lediglich für Patienten mit mäßigem Leidensdruck anbieten.

Hinweis MedikamenteneinnahmeBeachte bitte: Medikamente solltest Du niemals ohne Rücksprache mit einem Arzt oder Apotheker einnehmen!
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Hausmittel Prostatavergrößerung

  • Kürbissamen
  • Brennnesselwurzel
  • Roggenpollen
  • afrikanischer Pflaumenbaum, südafrikanisches Sternengras
  • Sägezahnpalme

Die Wirkung der Hausmittel bei einer Prostatavergrößerung ist jedoch umstritten.

Hinweis MedikamenteneinnahmeBeachte bitte: Hausmittel sind oft eine gute Ergänzung, haben jedoch bei einigen Erkrankung ihr Grenzen! Bei Unklarheit wende Dich an Deinen Arzt.
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Operation

Operationen bei einer Prostatavergrößerung sollten in Erwägung gezogen werden, wenn sich die Symptomatik medikamentös nicht mehr zufriedenstellend reduzieren lässt.

Hierbei gibt es verschiedene Operationsmethoden.

Transurethrale Elektroresektion

Bei Vergrößerungen bis 80–100 ml, kann eine sogenannte transurethrale Elektroresektion durchgeführt werden.
Hier bleiben die entfernten Teile der Prostata im Körper, weshalb die Nachsorge etwas umfangreicher sind, da durch deren Verbleib im Körper eine spätere Mutation und Entstehung eines Karzinoms nach der erfolgreich behandelten gutartigen Vergrößerung, nicht ausgeschlossen werden kann.

Sollte ein Patient sich nicht für eine Elektroresektion eignen, da er beispielsweise Blutverdünner einnimmt, kann ein ganz ähnliches Verfahren auch mit dem Einsatz von Laser ablaufen.

Bei Prostatavergrößerungen auf über 100ml, sind solche minimalinvasiven Verfahren leider nicht mehr möglich, weshalb der Zugang zur Prostata dann mit einem größeren Schnitt und einer offenen Operation erfolgen muss. 

Wie läuft die Operation ab?

Vorbereitung
Bevor eine Operation letztlich erfolgen kann, sind einige Vorbereitungen nötig.

Zunächst sollte der Arzt alle Optionen auch außerhalb einer Operation erläutert haben und dem Patienten genug Bedenkzeit geben, um sich auch mit Vertrauenspersonen beraten und letztlich zu entscheiden.

Wenn eine Operation von allen Seiten als beste Behandlungsoption gewählt wurde, muss noch die genaue Art der Operation bestimmt werden, welche von Faktoren wie dem genauen Leidenszustand des Patienten, dem Alter, dem Stadium der Vergrößerung und der allgemeinen körperlichen Verfassung des Patienten abhängt.

Als Vorbereitung auf die Operation, folgen erneut Gespräche mit dem behandelnden Arzt, welcher das genaue Vorgehen erklärt und dem Anästhesisten (Narkosearzt), welcher das Vorgehen der Betäubung sowie mögliche Risiken erläutert.
Zudem erhält der Patient vom Krankenhaus einen Detailplan, in dem erklärt wird, wann er sich wo einzufinden hat, welche Unterlagen mitgebracht werden müssen und wann genau die Operation geplant ist.
Es ist wichtig zu beachten, dass Patienten, die am Tag der stationären Aufnahme noch operiert werden, meist nüchtern erscheinen sollen.
Dies bedeutet, dass man einige Stunden nicht gegessen und möglichst wenig getrunken haben sollte. Beim Trinken ist vor allem darauf zu achten, nur Wasser zu trinken und beispielsweise keinen morgendlichen Kaffee mit Milch, da dies dazu führen kann, dass die Operation womöglich auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden muss. 

Ablauf der Operation
Der genaue Ablauf der Operation hängt von der Operationsmethode ab.

  • Transurethrale Prostataresektion – Bei der TUR (transurethrale Prostataresektion), welche die am häufigsten angewandte Methode darstellt, wird durch die Harnröhre ein Instrument eingeführt, welches einem langen dünnen Stab ähnelt.
    An dessen Spitze befinden sich eine kleine Kamera und eine Elektroschlinge, mit deren Hilfe man die Teile der Prostata in kleinen Portionen entfernen kann, die die Harnröhre einengen.
    Durch die Kamera werden alle Operationsschritte überwacht.
    Sind die einengenden Teile entfernt, wird kontrolliert, dass durch das Schneiden keine Gefäße getroffen bzw. diese durch die Elektroschlinge verödet wurden.
    So werden weitere Blutungen verhindert und das entfernte Gewebe kann mit Hilfe von Flüssigkeit aus der Harnröhre gespült werden.
    Eine TUR dauert in der Regel circa 90 Minuten.
  • Offene Prostataentfernung – Ist die Prostata zu stark vergrößert für eine solche Operation, wird die „offene Prostataentfernung“ durchgeführt, wobei durch einen Schnitt oberhalb des Schambeins oder im Analkanal ein Zugang zur Prostata geschaffen wird.
    Durch diese Öffnungen kann die Prostata dann selbst bei starker Vergrößerung entfernt werden.
    Es gibt auch die Möglichkeit, eine Operation mit Laser durchzuführen, was vom Prinzip wie die transurethrale Entfernung erfolgt.
    Hier werden die betroffenen Prostata-Areale aber nicht durch Schneiden mit einer Elektroschlinge, sondern durch Verdampfen mittels Laser entfernt.
  • Weitere Operationsmethoden – Es gibt weitere Operationsmethoden, die bereits durchgeführt, aber wegen zu starker Nebenwirkungen wieder eingestellt wurden oder noch in der Testphase sind. 

Nachsorge
Ist die Operation abgeschlossen, wird intraoperativ noch ein Katheter eingelegt, welcher die kommenden 2–4 Tage den Harn aus der Blase direkt in einen Urinbeutel leitet.
Dies gibt dem durch die Operation verwundeten Gewebe in der Harnröhre die Möglichkeit, besser zu heilen.
Außerdem können auf diese Weise postoperative Blutungen direkt aus dem Körper geleitet werden.

Sollte es trotz Katheteranlage zu einem Harnwegsinfekt kommen, folgt noch eine Antibiotikatherapie.
Im Regelfall werden die Patienten nach Entfernung des Katheters, also ein paar Tage nach der Operation, wieder nach Hause entlassen, wo sie sich noch einige Wochen körperlich schonen sollten.
Dies betrifft sowohl Leistungssport, Fahrradfahren als auch das Heben von schweren Lasten.
Zudem muss in den ersten zwei bis drei Wochen auf Geschlechtsverkehr verzichtet werden. 

Nebenwirkungen
Mögliche Nebenwirkungen oder Folgen der Operation sind beispielsweise ein trockener Samenerguss. Dies bedeutet, dass das Ejakulat nicht mehr regulär in die Harnröhre gelangt, sondern in die Blase und von dort aus mit dem Urin ausgeschieden wird.
Dies vermindert die Fruchtbarkeit der Patienten und sollte vor allem von außergewöhnlich jungen Patienten beachtet werden.
Auch üblich ist etwas Blut im Urin oder auch Harnwegsinfektionen kurz nach der OP.
Inkontinenz und Erektionsstörungen sind deutlich seltener und in den meisten Fällen nur vorübergehend. 

Kosten
Wer sich um die Kosten Sorgen macht, kann erstmal aufatmen, da die TUR eine Leistung der gesetzlichen Krankenkassen ist, was bedeutet, dass die Kosten der Operation (durch die guten Belege der Wirksamkeit) von Krankenkassen übernommen werden.
Trotzdem sollte vor Durchführung der Operation immer nochmal mit dem Arzt oder der Ärztin sowie mit der Krankenkasse die Kostenübernahme besprochen werden.
Dies verhindert böse Überraschungen und ist gerade bei neueren und noch nicht ausreichend erprobten Operationsmethoden essentiell. 

Hinweis MedikamenteneinnahmeBeachte bitte: Operationen sind immer mit allgemeinen Risiken verbunden. Erfahre allgemeine Informationen zum Ablauf und Risiken einer Operation. Mehr Infos
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Prognose

  • Oftmals können Männer gut mit den Problemen der Prostatavergrößerung leben.
  • Es besteht jedoch ein erhöhtes Risiko für Harnwegsinfekte oder Blasensteine
  • Bei Nichtbehandlung kann es zu einem Harnstau kommen. Im schlimmsten Fall droht ein Nierenversagen.
  • Ein Harnverhalt ist ein medizinischer Notfall – tritt jedoch nur sehr selten auf.
  • Eine Operation ist angezeigt, wenn die Beschwerden der Prostatavergrößerung zu stark sind.

Oftmals gute Prognose bei einer Prostatavergrößerung

Eine Prostatavergrößerung stellt eine gutartige Veränderung der männlichen Vorsteherdrüse dar.
Dies hat zur Folge, dass das Erkranken an einer gutartigen Prostatavergrößerung bei adäquater Behandlung keine Auswirkung auf die Lebenszeit hat.

Durch die urologische Abklärung des Stadiums der Vergrößerung und entsprechende Therapie kann hierbei auch die Lebensqualität annähernd gleich hoch wie bei Nicht-Erkrankten gehalten werden.

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Komplikationen

  • Harnverhalt – tritt zwar nur sehr selten auf, kommt es jedoch aufgrund der Prostatavergrößerung zu einem kompletten Verschluss der Harnröhre, entsteht ein Harnverhalt. Wasserlassen ist nicht mehr möglich.

In diesem Fall handelt es sich um einen urologischen Notfall.

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Dauer

Die Prostata vergrößert sich nur sehr langsam.

Die Beschwerden treten somit auch langsam und allmählich auf.

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Vorbeugung

  • Primärprävention (Vorbeugen gegen das Entstehen einer Prostatavergrößerung)
    • Gewicht – Das Körpergewicht sollte in einem normalen Bereich gehalten werden.
    • Ernährung – Ausreichend Gemüse essen (auch Knoblauch).
    • Bewegung – Körperliche Aktivität.
  • Sekundärprävention (Vorbeugen gegen das Fortschreiten einer Prostatavergrößerung)
    • Alpha-Blocker
    • 5alpha-Reduktasehemmer
    • Kombination aus beiden Mitteln

Vorsorgeuntersuchung zur Vorbeugung vor einer Prostatavergrößerung

Da die genauen Ursachen der Prostatavergrößerung noch nicht abschließend geklärt sind, ist eine Prävention sehr schwierig zu erwirken.

Bis die genaue Herkunft der Erkrankung geklärt ist, ist die beste Art der Vorbeugung, die empfohlenen urologischen Vorsorgetermine ab dem 45. Lebensjahr wahrzunehmen.

Hier kann durch den Urologen frühzeitig eine Veränderung wahrgenommen und gegebenenfalls auch therapiert werden, was die Gefahr der Komplikationen bei einer späteren Behandlung deutlich senkt.

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Lokalisation

Die Prostata befindet sich direkt unterhalb der Blase.

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Stadien

Eine Prostatavergrößerung kann man in drei Stadien einteilen:

  • Stadium I – Schwacher Urinstrahl, Schwierigkeiten beim Beginn des Urinierens.
  • Stadium II – Restharn in der Blase über 50 ml.
  • Stadium III – Überlaufblase, akuter Harnverhalt, Nierenversagen.
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Zahlen & Statistiken

  • Häufigkeit – Die Prostatavergrößerung ist die häufigste urologische Erkrankung.
  • Alter – Von einer Prostatavergrößerung sind vor allem ältere Männer betroffen. Viele Betroffene sind über 50 Jahre alt.
aktualisiert: 30.10.2025
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