Nierenarterienstenose, wenn es zu einer Verringerung des Blutflusses der Niere(n) kommt.


Erfahrungs Berichte
Bei der Nierenarterienstenose (kurz auch als NAS oder NAST bezeichnet) handelt es sich um die Verengung eines Gefäßes, das arterielles Blut zu einer der beiden Nieren führt. Es können eine oder auch beide Nieren betroffen sein. Diese sogenannte Stenose (aus dem Altgriechischen: Verengung, Engstelle) ist normalerweise symptomlos, verursacht aber häufig einen chronischen, also dauerhaft erhöhten Blutdruck. Dieser Bluthochdruck führt dann zu den typischen Symptomen wie Schwindel, Kopfschmerzen, Atemnot und Sehstörungen. Der hohe Blutdruck lässt sich dadurch erklären, dass durch die Verengung weniger Blut in der Niere ankommt. Dadurch denkt die Niere, dass auch im Körper ein verminderter Blutfluss und damit ein zu niedriger Blutdruck vorliegt. Über das sogenannte RAAS-System führt sie schließlich dazu, dass der Blutdruck gesteigert wird. Aufgrund der Stenose des Blutgefäßes kann es zusätzlich schneller zu einem kompletten Verschluss der Arterie kommen. Damit wird die Niere nicht mehr ausreichend mit Blut versorgt. Durch die akute Nierenschädigung kann es dadurch zu Flanken- sowie Bauchschmerzen, Fieber, Erbrechen und Blut im Harn kommen. Eine chronische Nierenarterienstenose kann sich teils über Jahre hinweg durch Ablagerungen in der Gefäßwand bilden, die eine zunehmende Verengung verursachen. Bei einem akuten Verschluss ist oft ein Thrombus dafür verantwortlich. Risikofaktoren für beides sind die Arteriosklerose, angeborene Gefäßdefekte, außerdem auch Übergewicht, Diabetes und der Nikotinkonsum. Der Bluthochdruck kann durch Blutdruck-senkende Medikamente behandelt werden. Langfristig sollte jedoch eine Operation in Erwägung gezogen werden.
Eine Nierenarterienstenose ist gefährlich.
Im Verlauf einer Nierenarterienstenose kann es zu einem kompletten Verschluss der Nierenarterie kommen.
Dabei droht ein Niereninfarkt mit dem kompletten Verlust der Organfunktion der Niere.
Falls bei Dir Flankenschmerzen (seitliche Bauchschmerzen), eine verringerte Urinmenge, Bluthochdruck, morgendlicher Kopfschmerz, oder Schwindel auftritt, solltest Du zeitnah einen Termin bei Deinem Hausarzt ausmachen.
Dieser kann mithilfe einiger Untersuchungen eventuell die Diagnose eines Bluthochdrucks stellen und Sie bei ausreichendem Verdacht an geeignete Spezialisten wie an die Nephrologen (Nierenärzte) oder an die Angiologen (Gefäßärzte) weiterleiten.
Die Niere funktioniert wie eine Art Klärwerk für den Körper.
Die Nieren produzieren den Urin und sorgen somit für das Ausscheiden von Abfallstoffen/ Giftstoffen.
Weitere Funktion der Niere ist die Regulierung des Flüssigkeits- und Elektrolythaushalts, des Säure-Basenhaushalts und des Blutdrucks.
Grundsätzlich unterscheiden sich die Symptome, je nachdem, ob es sich bei der Nierenarterienstenose um einen langsamen, chronischen Prozess handelt oder ob ein akuter Verschluss vorliegt.
Chronische Nierenarterienstenose
Entwickelt sich der Prozess eher langsam, so wird dies als chronische Nierenarterienstenose bezeichnet.
Primär macht das verengte Blutgefäß zuerst keine Symptome.
Erst später kann es durch den verringerten Blutfluss in der Niere zu einem reflektorischen Bluthochdruck kommen.
Im weiteren Verlauf der Krankheit kann der dauerhaft erhöhte Blutdruck zu morgendlichen Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit und Sehstörungen führen.
Akute Nierenarterienstenose
Auch plötzlich auftretende Phasen hohen Blutdrucks können auf eine Nierenarterienstenose hinweisen.
Diese sogenannten hypertensiven Krisen zeichnen sich in manchen Fällen sogar durch Wasseransammlungen in der Lunge aus. Dadurch leiden die Betroffenen unter Atemnot, die körperliche Belastbarkeit sinkt.
Auch eine als Folge entstandene Herzinsuffizienz kann in fortgeschrittenen Fällen der Nierenarterienstenose diese Symptome verursachen.
Bei einem plötzlichen Verschluss einer oder beider Arterien verspüren die Patienten einen stechenden und anhaltenden Schmerz in der jeweiligen Körperseite.
Dies bezeichnet man in der Medizin als Flankenschmerz.
Außerdem können Bauchschmerzen, Fieber und Erbrechen hinzukommen.
Wird ein erhöhter Blutdruck (→ Bluthochdruck) diagnostiziert, entweder nach Vorstellung aufgrund von Symptomen wie Schwindel und Kopfschmerzen oder als Zufallsbefund bei einer Routineuntersuchung, so werden zuerst Untersuchungen durchgeführt, um herauszufinden, ob es sich wirklich um Bluthochdruck handelt.
Dazu gehört beispielsweise die 24-Stunden-Blutdruck-Messung.
Nach feststehender Diagnose eines Bluthochdrucks lassen folgende Hinweise eine Nierenarterienstenose vermuten:
Abhören
Liegt also nun ein Verdacht vor, so horcht der Arzt mit Hilfe eines Stethoskops im Rahmen der körperlichen Untersuchung auf Brustkorb und Bauch.
Bei einer Nierenarterienstenose sind häufig im Bereich der Flanken, also am Rand des Rumpfes, zischende Strömungsgeräusche zu hören.
Außerdem kann noch auf die Lunge gehorcht werden, um Wasser darin vorübergehend ausschließen zu können. Daraufhin kann der Hausarzt folgende, weitere Untersuchungen veranlassen, die die Blutgefäße der Niere bildlich darstellen können.
Duplex-Sonographie
Eine mögliche und häufige Untersuchung ist dabei die sogenannte Duplex-Sonographie, ein Ultraschallverfahren, das den Blutfluss eines Blutgefäßes sichtbar macht.
Weitere Bildgebung
Daneben steht auch die MRT- oder CT-Angiographie zur Verfügung.
Dafür wird dem Patienten ein Kontrastmittel gegeben, welches die Blutgefäße besser sichtbar macht.
Nierenszintigraphie
Außerdem lassen sich mit der Nierenszintigraphie die Nierenfunktion und damit auch verschiedenste Funktionsstörungen sichtbar machen.
Digitale Subtraktionsangiografie
Eine Digitale Subtraktionsangiografie (DSA) kann ebenfalls eine genaue Beurteilung der Nierengefäße ermöglichen, sie steht allerdings nur zur Verfügung, wenn die vorherigen Bildgebungsverfahren keine eindeutigen Ergebnisse geliefert haben, der Verdacht auf eine Nierenarterienstenose aber weiterhin besteht.
Als Folge der Nierenarterienstenose kommt es häufig im Laufe der Erkrankung zu einem hohen Blutdruck (→ Bluthochdruck).
Wird durch den Arzt ein Bluthochdruck (auch Hypertonie genannt) diagnostiziert, so können hier mehrere Ursachen vorliegen.
Zum einen gibt es den primären oder auch essentiellen Bluthochdruck. Dieser liegt in über 90 Prozent der Fälle vor.
Hier ist keine Ursache bekannt, allerdings gibt es einige begünstigende Faktoren wie hohes Alter, familiäre Neigung, Übergewicht, Bewegungsmangel, Stress und Nikotinkonsum.
Außerdem tritt der primäre Blutdruck häufig in Kombination mit Diabetes und erhöhten Blutfetten auf.
Bei der sekundären Hypertonie liegt dem hohen Druck eine Erkrankung zugrunde. So kann es sich neben der Nierenarterienstenose auch um andere chronische Nierenleiden wie Glomerulonephritis und Zystennieren handeln.
Auch die Verengung der Hauptschlagader, der Nierenarterie vorgeschaltet, kann zu denselben Symptomen führen.
Außerdem kann auch das Schlafapnoe-Syndrom ein möglicher Auslöser sein.
Bestimmte Medikamente wie die Anti-Baby-Pille oder Rheumamittel sowie Drogen können den Blutdruck ebenfalls erhöhen.
Etwas seltener sind Hormonstörungen die Ursache einer Hypertonie.
Dazu gehören Erkrankungen wie das Cushing-Syndrom oder eine Schilddrüsenüberfunktion.
Liegt aufgrund der Nierenarterienstenose ein erhöhter Blutdruck vor, so kann gegen ihn medikamentös eingegriffen werden.
Damit werden nicht nur die bestehenden Symptome wie Kopfschmerzen und Schwindel vermindert, außerdem werden auch langfristige Folgeschäden durch den hohen Blutdruck minimiert.
Bei einer fortgeschrittenen Stenose über 70 Prozent oder komplizierten Folgeschäden wie Wasser in der Lunge oder Nierenschwäche werden zunehmend operative Maßnahmen in Erwägung gezogen.
Mit Hilfe einer Operation kann nämlich so die Engstelle der Nierenarterie behoben und damit der normale Blutfluss wiederhergestellt werden.
Perkutane Transluminale Angioplastie
Als Operationsmethoden steht die Katheter-gestützte Operation, auch perkutane transluminale renale Angioplastie genannt, zur Verfügung, genauso wie eine offene Operation mittels Gefäß-Bypass.
Bei ersterer wird ein Katheter, also ein schmaler, biegsamer Schlauch, in das betroffene Blutgefäß eingeführt.
Anschließend wird das betroffene, enge Gefäß entweder mithilfe eines kleinen Ballons aufgedehnt oder es wird ein Stent eingelegt, also ein kleines Metallgitter-Röhrchen, welches den verengten Bereich offen hält.
Offenene Gefäß-Bypass-Operation
Bei der offenen Gefäß-Bypass-Operation wird die Stenose mittels künstlicher oder natürlicher Gefäßprothese überbrückt.
Von dieser offenen OP wird sich aber heutzutage zunehmend entfernt.
Für einen akuten Nierenarterienverschluss kommt meist nur eine der oben genannten Operationen in Frage.
Nur Medikamente wie Antikoagulantien können in dem Fall nicht eingesetzt werden, diese lösen nämlich Thromben, welche die Nierenarterie verstopft haben können.
Der Einsatz dieses Medikaments geht aber mit einem erhöhten Blutungsrisiko einher.
Achtung! Absolut kontraindiziert sind ACE-Hemmer und AT1-Antagonisten bei einer beidseitigen Nierenarterienstenose, da es zu einem akuten Nierenversagen kommen kann.
Bei einem akuten Verschluss der Nierenarterie können in manchen Fällen auch sogenannte Antikoagulantien eingesetzt werden, welche das Blut verdünnen und Thromben lösen können.
Bei einem leichten Bluthochdruck besteht meist keine Indikation, also kein Grund einer Operation.
Dies ändert sich, wenn sich der Blutdruck nur schlecht durch Medikamente einstellen lässt.
Außerdem sprechen auch Komplikationen wie Wasser in der Lunge (→ Lungenödem) für einen operativen Eingriff.
Das gilt vor allem auch bei Stenosen der Nierenarterie über 70 Prozent.
Im Falle einer Nierenschwäche, oder auch Niereninsuffizienz, sollte ein guter Blutfluss gewährleistet sein.
Deswegen ist auch hier eine Operation zur Erweiterung des Gefäßes und Verbesserung der Blutversorgung eindeutig indiziert.
Fibromuskuläre Nierenarterienstenosen, wie sie in 25 Prozent der Fälle verkommen, sprechen ebenfalls für eine OP.
Eine arteriosklerotische Nierenarterienstenose entsteht meist über den Verlauf von mehreren Jahren, wenn nicht Jahrzehnten.
Bei der fibromuskulären Nierenarterienstenose kommt es zu einem vergleichbaren Verlauf mit ähnlichen Symptomen und Auswirkungen.
Allerdings treten diese durch die angeborene Störung meist in einem viel früheren Alter auf. Vor allem Frauen um die 30 Jahre sind somit davon betroffen.
Ein akuter Verschluss der Nierenarterie verläuft hingegen anders.
Dabei handelt es sich nicht um einen Prozess, der Jahre dauert, sondern um eine plötzlich auftretende Situation, die relativ schnell einer Behandlung bedarf.
Meist wird dies durch einen Thrombus ausgelöst, welche eine oder beide Nierenarterien verstopft.
Betroffene leiden dabei an Flankenschmerzen sowie Fieber und Erbrechen.
Durch den Verschluss kann es zu einer dauerhaften und ersten Nierenschädigung kommen.
Die fibromuskuläre Nierenarterienstenose lässt sich nicht wirklich vorbeugen – schließlich handelt es sich hier um eine angeborene Gefäßwand-Störung.
Im Gegensatz dazu steht die arteriosklerotische Nierenarterienstenose.
Diese wird schließlich häufig durch Arteriosklerose und deren Ablagerungen verursacht.
Durch bestimmte, einfache Maßnahmen lässt sie sich teilweise komplett verhindern oder hilft zumindest, sie um ein Vielfaches zu verlangsamen - natürlich ganz abhängig davon, woher die Arteriosklerose kommt.
Zu den wichtigsten Ursachen der Arteriosklerose gehört unter anderem der Diabetes mellitus.
Hier sollte immer eine adäquate Behandlung angestrebt werden, welche die Blutzuckerwerte normalisiert.
Außerdem spielt Übergewicht ebenfalls eine große Rolle. Bei leichten Anfangsstadien eines Diabetes Typ 2 kann es durch Reduktion des Gewichtes sogar gelingen, wieder einen normalen Zuckerhaushalt zu bekommen und den Diabetes somit loszuwerden.
Damit spielen auch gesunde Ernährung und viel Bewegung eine Rolle.
Der Verzicht von Alkohol und Nikotin hilft auch, das Risiko um ein Vielfaches zu verringern.
Damit lässt sich zusammenfassen, dass ein gesunder Lebensstil maßgebend für den Verlauf und die Prognose der Nierenarterienstenose ist.
Wie hoch die Lebenserwartung schlussendlich bei einer Nierenarterienstenose ist, hängt von mehreren Faktoren ab.
Zum einen davon, wie hoch das Ausmaß der Gefäßenge ist, zum anderen, wie früh behandelt wird und welche Schäden der Bluthochdruck verursacht hat.
So ist die Lebenserwartung zum Beispiel deutlich geringer, wenn durch den hohen Blutdruck viele Schäden an den Herzgefäßen angerichtet wurden – diese Personen können viel schneller an einem Herzinfarkt erleiden als andere.
Ob sich die Lebenserwartung nun wirklich reduziert und um wie viel, hängt neben den oben genannten aber vor allem auch von individuellen Faktoren ab.
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