Nierenprellung (Nierenkontusion), wenn die Nieren aufgrund einer Gewalteinwirkung verletzt werden, ohne dabei Nierengewebe zu zerstören.
Erfahrungs Berichte
Bei der Nierenprellung oder auch Nierenkontusion handelt es sich meist um eher leichte Schäden der Niere infolge einer Gewalteinwirkung von außen, wie bei Verkehrs- oder Sportunfällen. Es können eine, aber auch beide Nieren betroffen sein, teilweise unterschiedlich stark. Die Nierenprellung wird zu den Nierentraumata gezählt. Sie entspricht dabei dem ersten und damit leichtesten Stadium. Dabei wird das Gewebe nicht direkt verletzt, sondern eher verdrängt oder gequetscht. In der Regel heilt eine Nierenprellung folgenlos aus.
Die Nierenprellung entspricht dem Grad 1 eines Nierentraumas und ist in aller Regel ungefährlich. Nierentraumata werden in Grad 1 bis 5 eingeteilt.
Auch wenn eine Nierenprellung folgenlos ausheilt, sollte man vorsichtshalber immer einen Arzt aufsuchen, um mögliche Schäden an der Niere oder weiteren Organen auszuschließen.
Bei plötzlichen, sehr starken Schmerzen in der Flankengegend ist ein Gang in die Notfallaufnahme ratsam.
Die aufnehmenden Ärzte können Sie gegebenenfalls an die richtigen Spezialisten weiterleiten, schmerzhemmende Medikamente geben und die richtige Diagnostik sowie Therapie einleiten.
Die Niere funktioniert wie eine Art Klärwerk für den Körper.
Die Nieren produzieren den Urin und sorgen somit für das Ausscheiden von Abfallstoffen/ Giftstoffen.
Weitere Funktion der Niere ist die Regulierung des Flüssigkeits- und Elektrolythaushalts, des Säure-Basenhaushalts und des Blutdrucks.
90% der Nierenprellungen entstehen aufgrund von stumpfer Gewalteinwirkung
Nierenprellungen werden in über 90 Prozent der Fälle durch Gewalteinwirkung von außen verursacht.
Dazu gehören vor allem Verkehrsunfälle, am häufigsten durch Auffahrunfälle mit dem Auto, sowie Sport-, Alltags- und Berufsunfälle. Auch Prügeleien oder Auseinandersetzungen mit Tritten und Schlägen gegen den Bauch sind eine der häufigsten Ursachen.
Jedoch können auch iatrogene Hintergründe, also verursacht durch Ärzte oder Pflege, verantwortlich für eine Nierenprellung sein.
So kann es in ziemlich seltenen Fällen zu leichten bis mittleren Prellungen aufgrund einer Stoßwellentherapie bei Nierensteinen kommen.
Kinder stehen insgesamt unter einem besonders hohen Risiko für eine Nierenprellung aufgrund des geringeren Fettgewebe-Gehalts im Bereich der Nierengegend.
Dieses bildet sich nämlich erst im Laufe des Lebens.
Auch stark untergewichtige und anorektische Personen stehen deshalb unter einem erhöhten Risiko, selbst bei nicht starker äußerer Gewalteinwirkung.
Männer erleiden zudem vier Mal häufiger eine Nierenprellung als Frauen.
Ziemlich wegweisend für eine Nierenprellung ist der typische, heftige Schmerz in der Flanke.
Dieser kann sowohl dumpf und bohrend, als auch stechend sein. In der Regel kommen sie nur einseitig vor, können aber auch in den Rücken oder aber auch in den Bauch ausstrahlen.
Nicht selten stellen sich Personen beim Arzt mit vermeintlichen Rücken- oder Bauchschmerzen vor, ehe nach Betrachtung der anderen Symptome und Umstände eine Nierenprellung diagnostiziert wird.
Die Flankenschmerzen müssen nicht zwingend direkt nach einem Unfall oder Ereignis auftreten, manchmal kommen sie auch mit etwas Verzögerung.
Dies liegt daran, dass es durch den guten Schutz der Niere im hinteren Bauchraum in der Nieren- und Fettkapsel eine gewisse Zeit dauern kann, ehe die Einblutung so groß wird, dass die Spannungen in der Nierenkapsel zu Schmerzen führen.
Typisch sind hier plötzlich auftretende, starke Flankenschmerzen zwei Tage nach einem Unfall mit initial scheinbar fehlenden Verletzungen.
Häufig kann auch ein Hämatom, also ein Bluterguss, von außen auftreten, gemeinsam mit einer tastbaren Schwellung, roter oder blauer Hautverfärbung, Erwärmung und Druckschmerz im Bereich des Ergusses.
Bei sehr schweren Prellungen kann Blut im Urin vorkommen, auch Hämaturie genannt. Dies spricht aber eher für ein Nierentrauma von Grad 4 und 5 oder für die Verletzung der ableitenden Harnleiter. Wichtig ist dabei, dass die Menge des Blutes nicht immer Aufschluss über das Ausmaß der Schädigung gibt, aber als Verlaufskriterium helfen kann.
Bei Symptomen wie Bewusstseinsstörungen mit Unruhe, Verwirrtheit und Schläfrigkeit, sowie bei einem Blutdruckabfall, einem schnellen, flachen Puls, blasser Haut und Kaltschweißigkeit handelt es sich wahrscheinlich um keine einfache Prellung mehr, sondern um eine typische Schocksymptomatik aufgrund eines großen, inneren Blutverlustes durch die Niere.
Auch liegt es nahe, dass andere Organe geschädigt sein können.
In diesem Fall ist schnelles Eingreifen notwendig.
Für die Feststellung der Nierenprellung reicht den Ärzten meist ein Blick auf den Bluterguss oder die Schwellung.
Zusätzlich befragen sie den eventuellen Unfallhergang und welche Symptome denn noch vorliegen könnten.
Daraufhin sollten folgende Untersuchungen durchgeführt werden:
Eine gründliche körperliche Untersuchung ist sehr wichtig.
Dazu gehört nicht nur das Inspizieren und Ertasten des Bluterguss an der Flanke, sondern die Messung des Blutdruckes, die Ertastung des Pulses und das Erfühlen der Körpertemperatur, um eine mögliche Schocksymptomatik auszuschließen und eventuell weitere Verletzungen zu herauszufinden.
Mit einer Urinprobe können unter anderem Blutbeimengungen und andere differentialdiagnostische Werte erfasst werden.
Durch eine Blutabnahme kann im Labor auch Blutverlust-bedingte Blutarmut festgestellt werden, sowie der Kreatinin-Wert zur Überprüfung der Nierenfunktion.
Ein Ultraschall sollte ebenfalls durchgeführt werden, um eine perirenale Blutung oder gar ein Urinom, also eine Urinansammlung außerhalb des Urogenitalsystems, ausschließen zu können. Auch Nierenschädigungen können dadurch teilweise erfasst werden.
Bei Verdacht auf schwere Nierenprellungen, -rupturen, bei unklarem Befund oder massivem Trauma sollte zusätzlich noch eine weitere Bildgebung mittels CT oder MRT erfolgen.
Steht ein CT nicht zur Verfügung, so kann auch eine Urethrozystographie zur Darstellung von Harnröhre und Harnblase eingesetzt werden.
Flankenschmerzen können bei zahlreichen Erkrankungen vorkommen. So unterscheidet man die urologischen, die gastroenterologischen (Magen-Darm) sowie die gynäkologischen Ursachen voneinander.
Nach einem Unfall sollten bei jeglichen Schmerzen grundsätzlich immer alle Organe überprüft werden, damit Organschäden und Blutungen ausgeschlossen werden können.
Die Behandlung hängt grundsätzlich von folgenden Faktoren ab: Vom Verletzungsgrad, also welches Stadium vorliegt, von Begleitverletzungen und von der Kreislaufsituation.
Mit Ausnahme von schweren Fällen werden die meisten Nierenprellungen konservatv behandelt, das heißt ohne operativen Eingriff.
Dazu gehören nicht nur die Stadium 1 Fälle.
Schonen
Zur konservativen Therapie gehört primär vor allem Schonung und ausreichend Ruhe.
Vor allem Bewegungen wie Bücken oder schweres Heben sollten vermieden werden. Nur im Bett liegen ist allerdings auch keine gute Option, da dies Rückenbeschwerden hervorrufen könnte. Deswegen sind vor allem langsame Spaziergänge empfohlen.
Eine mindestens einwöchige Krankschreibung sollte ebenfalls in Erwägung gezogen werden, vor allem bei körperlich aktiven Arbeiten.
Kühlen
Kühlung ist ebenfalls ein essentieller Baustein der Nierenprellung-Behandlung, da so die Schwellung durch das reflektorische Zusammenziehen der Blutgefäße gut zurückgedrängt werden kann.
Hausmittel, die bei der Kühlung ebenfalls helfen können, sind Quarkumschläge.
Wärme oder Hitze sollte hingegen vermieden werden, diese kann nämlich die bereits existierenden Schmerzen verschlimmern. Deswegen wird das Auflegen von Wärmflaschen, heißes Duschen oder ein Vollbad eher nicht empfohlen.
Hausmittel
Weitere Hausmittel können ebenfalls unterstützend auf die Heilung wirken.
So werden häufig Nieren- und Blasentees empfohlen, vor allem weil die Aufnahme von ausreichend Flüssigkeit und das Ankurbeln der Nierentätigkeit sehr wichtig ist.
Auch Tees mit Arnica, Traumeel, Eibisch, Heidelbeere, Ingwer oder Liebstöckel sollen helfen.
Für Umschläge stehen Fichte, Johanniskraut, Rosmarin und Wacholder zur Verfügung.
Schmerzmittel (Medikamente)
Bei starken Schmerzen verschreiben die Ärzte auch Medikamente wie Ibuprofen oder Novalgin, bei Krämpfen auch Buscopan®.
Gegen die Blutergüsse gibt es auch Salben wie Voltaren oder Dolobene, welche den Abtransport von Stoffwechselprodukten und geronnenem Blut unterstützen.
Kommt es als Komplikation der Nierenprellung zu einer Infektion der Niere oder gar des Blutes (Sepsis), so müssen auch spezielle Antibiotika verschrieben werden.
Bei großen Traumata muss manchmal auch eine Operation in Erwägung gezogen werden.
So muss beispielsweise bei einer zu großen Blutung innerhalb der Kapsel, die die Niere zerdrückt, die Kapsel operativ eröffnet werden und das austretende Blut muss über ein spezielles Drainagesystem nach draußen abgeleitet werden.
Sind die ableitenden Harnwege wie das Nierenbecken oder der Harnleiter aufgrund einer drohenden Ruptur in Gefahr, so sollte durch eine Operation eine Schiene eingebracht werden, welche die Wege sichert.
Auch Nähen wird in manchen Fällen notwendig.
Darüber entscheiden die verantwortlichen Ärzte nach Begutachtung aller wichtigen Werte und Bilder.
In besonders schweren Fällen wie bei Grad 5 mit einer komplett zerrissenen Niere ohne Funktion muss sie gegebenenfalls teils oder komplett entfernt werden.
Im Vordergrund steht hier aber vor allem die Stabilisation des Kreislaufs, die vor allem bei großen Blutverlusten nötig sein wird.
Danach liegt der Patient meist mehrere Tage auf der Intensivstation zur Überwachung der wichtigsten Werte.
Die Prognose einer Nierenprellung ist ganz abhängig von der jeweiligen Schwere der Prellung.
Handelt es sich um eine leichte Prellung des ersten Stadiums, so ist die Prognose meist sehr gut. Da es nur zu einer Quetschung, aber zu keiner Schädigung der Nierenzellen gekommen ist, kommt die Heilung recht schnell und es entstehen keine Folgeschäden.
Auch bei Nierenprellungen des Stadiums 2 und 3 kann die Niere gut verheilen, allerdings sind durch die Risse bereits Gewebeschäden entstanden.
Die Prognose sieht dadurch etwas schlechter aus, es können sich leichte bis mittlere Folgestörungen entwickeln, die selbst nach der Heilung noch bleiben.
Bei schweren Nierenschäden muss später eventuell lebenslang auf Medikamente zurückgegriffen werden. Außerdem kann bei Verlust einer Niere eine dauerhafte Dialyse oder gar eine Spenderniere (Nierentransplantation) nötig sein.
Allerdings kommen schwere Nierenprellungen mit Rissen und schweren Blutungen recht selten vor - über 70 Prozent der Nierentraumata sind leichte Prellungen des Stadium 1. Damit heilen die meisten häufig ohne Folgeschäden und vollkommen komplikationslos innerhalb weniger Wochen wieder ab.
In der Mehrzahl der Fälle heilt eine Nierenprellung innerhalb weniger Tage von alleine.
Eine einfache Prellung des Stadiums 1 verheilt aufgrund der fehlenden Schädigung, nur Quetschung, komplikationslos.
So dauert es meist mehrere Tage oder Wochen bis zur Beschwerdefreiheit, wie man es von einem normalen Bluterguss in etwa kennt.
Dies ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich.
Je höher das Stadium, desto länger dauert auch nach Abschluss der Behandlung die Heilung.
Außerdem ist teils mit einer längeren Heilungszeit zu rechnen, wenn Folgeschäden oder Schädigungen anderer Organe entstanden sind.
Da sich Unfälle grundsätzlich nicht wirklich vermeiden lassen, außer durch erhöhte Vorsicht, gibt es keine wirkliche Vorbeugung.
Eventuell sollte man aggressiven Kontaktsport vermeiden.
Nur stark untergewichtige Personen können vorsorgen, indem sie ein normales Körpergewicht erreichen.
Dadurch wird nämlich ein ausreichend dickes Fettpolster um die Niere errichtet, welches das Organ und den Harnleiter vor Abknickung und äußere Gewalteinwirkung schützt.
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