Akutes Nierenversagen (ANV), wenn die Nieren innerhalb kurzer Zeit die Funktionsfähigkeit verlieren.
Beim akuten Nierenversagen kommt es innerhalb einer kurzen Zeit (meist einige Stunden bis Tage) zu einer raschen Abnahme der Nierenfunktion. Kommt es zu einem Nierenversagen, sammeln sich Substanzen im Blut an und lösen Vergiftungserscheinungen aus. Es gibt viele Ursachen für ein Nierenversagen, wie einen ausgeprägten Flüssigkeitsmangel oder starke Durchfallerkrankungen.
Ein akutes Nierenversagen ist sehr gefährlich. Innerhalb kurzer Zeit verliert die Niere Ihre für den Körper lebenswichtige Entgiftungsfunktion. Bei ausbleibender Behandlung besteht Lebensgefahr.
Mit Beschwerden, wie fehlender Harnmenge sollte nicht gezögert werden und bei anhaltenden Beschwerden zügig ein Arzt oder eine Ärztin aufgesucht werden.
Fachärzt*innen der Urologie oder der Nephrologie können bei Beschwerden gut und schnell Hilfe leisten.
Liegt bei Dir ein dringender Verdacht auf Nierenversagen vor (siehe Symptome) musst Du umgehend ins Krankenhaus.
Die Nieren kann man auch als Klärwerke des Körpers betrachten. Durch die Produktion von Urin werden Abfallstoffe abtransportiert.
Die 5 Aufgaben der Nieren:
Die Ursachen des akuten Nierenversagens können in drei Punkte unterteilt werden.
1. Prärenales Nierenversagen (60%)
Aufgrund einer verminderten Nierendurchblutung
2. Renales Nierenversagen (35%)
Durch direkte Schädigung von Nierengewebe
3. Postrenales Nierenversagen (5%)
Durch Behinderung des Harnabflusses
Das Risiko ein Nierenversagen zu erleiden, sind im Allgemeinen ein höheres Alter und Vorerkrankungen wie Diabetes Mellitus, Bluthochdruck, Erkrankungen der Niere, Lunge, des Herzens und der Leber sowie Blutarmut erhöht.
Weitere Risikofaktoren sind Schmerzmittelmissbrauch, oder die Nachwirkungen eines Schocks, einer schweren Verletzung einer Sepsis oder des Multiorganversagens.
Die Anzeichen eines akuten Nierenversagens sind oft unspezifisch oder es kommen keine Symptome vor.
Das macht es besonders schwierig, die Erkrankung zeitnah zu erkennen.
Die Symptome sind sehr variabel und bei jeder betroffenen Person unterschiedlich.
Es können Schmerzen im Bereich der Nieren (Flankenschmerzen) oder Fieber bei Entzündungen vorkommen.
Das wichtigste und häufigste Symptom ist allerdings das Verminderte oder fehlende Wasserlassen, auch Oligurie oder Anurie genannt.
Die Ausprägung des akuten Nierenversagens ist auch von eventuellen Grunderkrankungen abhängig.
Die Erkrankung lässt sich in drei Phasen gliedern.
Erste Phase
In der ersten Phase, der Initialphase, treten häufig noch keine Symptome auf, aber die Nierenschädigung hat schon seit einigen Stunden oder Tagen begonnen.
Zweite Phase
In der zweiten Phase (Oligo,-Anurie-Phase) kommt es zu Symptomen des fehlenden Wasserlassens.
Die Betroffenen scheiden keine oder sehr wenig Flüssigkeit aus, weil die Nieren das Blut nicht mehr filtern können.
Dadurch kommt es zur Überwässerung des Körpers, welches sich durch Wassereinlagerungen (Ödembildung)zeigt.
Das Wasser sammelt sich am häufigsten in den Beinen an, kann aber auch in die Lunge gelangen und dort ein Lungenödem hervorrufen.
Die Steigerung des Blutdrucks und Ansammlungen von Stoffen im Blut wie Kalium oder Kreatinin, die sonst über die Niere ausgeschieden werden, sind auch Anzeichen einer Nierenschädigung.
Der Anstieg des Kaliums ist besonders engmaschig zu überwachen, weil daraus Probleme des Herz-Kreislauf-Systems wie Herzrhythmusstörungen oder Schwindel entstehen können.
Weiterer Verlauf
Im späteren Verlauf kann es auch zu Symptomen wie Abgeschlagenheit, Müdigkeit oder Erbrechen kommen.
Letzte Phase
Die letzte Phase (Diuretische Phase) bezeichnet den Zeitraum, in dem sich die Nieren erholen und wieder Urin produzieren.
Sie produzieren allerdings so viel Urin, dass auch wichtige Elektrolyte und viel Wasser verloren gehen. Es muss also gut darauf geachtet werden, genug Flüssigkeit zu sich zu nehmen.
Es dauert einige Wochen, bis die Funktion der Nieren wiederhergestellt ist.
Anamnese
Die Diagnosestellung beginnt normalerweise mit der Anamnese, wo der behandelnde Arzt Fragen zu den bestehenden Beschwerden stellt.
Wichtige Punkte sind dabei die ausgeschiedene Harnmenge, Blutdruck, Medikamenteneinnahme und schon vorhandene Erkrankungen.
Körperliche Untersuchung
Bei der körperlichen Untersuchung wird besonders auf Wassereinlagerungen und Zeichen der Dehydratation geachtet.
Blutuntersuchung
Blutuntersuchungen zeigen oft einen erhöhten Kreatinin und Harnstoff Spiegel.
Die Kreatinin-Clearance ist ein Maß dafür, wie gut die Niere funktioniert und ist bei einer Nierenschädigung vermindert.
Es können auch noch weitere Parameter im Blut verändert sein. Weitere Diagnosekriterien sind Untersuchungen des Urins.
Neben der verminderten Urinmenge, kann man im Urin Eiweiß, Blutbestandteile und Salzkristalle finden.
Ultraschall
Anhand von einer Ultraschalluntersuchung können die Nieren und ableitenden Harnwege beurteilt werden.
Dabei achtet man auf eine mögliche Harnstauung in den Nieren und die Größe.
Bei Unklarheiten
Bei Unklarheiten oder weiterem Untersuchungsbedarf kann auch eine Röntgenuntersuchung oder eine Gewebeentnahme erfolgen.
Die Behandlung eines akuten Nierenversagens ist immer abhängig von der Ursache.
Die Behandlung des akuten Nierenversagens richtet sich nach den Ursachen der Nierenschädigung.
Flüssigkeitszufuhr
Allgemein wird jeder betroffenen Person Flüssigkeit in Form von Infusionen gegeben, damit wieder genug Volumen im Körper ist und bei ausbleibendem Harn wieder Urin produziert wird.
Durch die Flüssigkeit werden dem Körper auch verlorene Elektrolyte wieder zugeführt.
Wenn die Ursache prärenal, also vor der Niere liegt, ist in der Regel eine Flüssigkeit und Elektrolytgabe ausreichend.
Ggf.Medikamente absetzen
Das Absetzen von Medikamenten, die der Niere schaden, ist auch notwendig.
Das betrifft bestimmte Blutdruckmedikamente, ein Diabetes-Medikament (Metformin) und Schmerzmittel wie Ibuprofen und Aspirin.
Medikamente
Es können auch Medikamente, sogenannte Diuretika verabreicht werden.
Diese fördern einerseits die Arbeit und Filtration der kleinen Nierenkörperchen (Glomeruli) in der Niere, und somit die Harnausscheidung.
Probleme an der Niere selbst
Wenn die Ursache in der Niere selbst liegt und sich beispielsweise eine Entzündung der Nierenkörperchen zeigt, wird eine immunsuppressive Therapie angeordnet, damit die Entzündung rasch abklingt.
Wenn es in der Niere Probleme mit der Durchblutung gibt (Ischämien), werden Maßnahmen ergriffen, damit diese wieder hergestellt wird.
Probleme „hinter“ der Niere
Bei Ursachen nach der Niere (postrenal), also bei Abflusshindernissen wie beispielsweise Steinen im Harnleiter, werden diese entfernt. Entweder gehen sie mit genug Flüssigkeitsgabe spontan ab, oder mithilfe bestimmter Medikamente.
Wenn dies nicht gelingt, muss von innen eine Harnleiterschiene gelegt werden, oder von außen der Stein kleiner gemacht werden, damit er abgeht.
Dialyse
Es gibt Fälle, wo die oben genannten Maßnahmen nicht oder nicht genug wirken, sodass sich die Nieren nicht genügend erholen.
Da kann ein künstliches Nierenersatzverfahren, die Dialyse, zum Einsatz kommen.
Vom Patienten wird Blut entnommen, in einer Dialysemaschine gefiltert, gereinigt und wieder in den Patienten zurückgegeben.
Die Maschine filtert giftige Substanzen aus dem Blut und übernimmt damit die eigentliche Aufgabe der Niere.
Der Patient verliert auch keine Flüssigkeit, da ihm das ganze Blut wieder zurückgegeben wird.
Dies sollte nur eine Übergangslösung sein, bis die Nieren wieder selbstständig arbeiten können, kann aber bei fehlender Erholung der Nieren auch dauerhaft verwendet werden.
Ob und wie sich die Nieren nach einem akuten Nierenversagen erholen, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich.
Das ist oft davon abhängig, ob und welche Vorerkrankungen vorliegen.
Da das akute Nierenversagen auf dem Boden einer schweren Grunderkrankung auftritt, werden viele Menschen auf der Intensivstation versorgt.
Dort versterben etwa 60 % der Menschen an einem akuten Nierenversagen oder den systemischen Komplikationen, die daraus folgen.
Es ist aber auch möglich, dass sich die Nieren nach einer Schädigung nach etwa 1–3 Wochen wieder vollständig erholen, wenn keine schwere Grunderkrankung vorliegt.
Nichtsdestotrotz besteht die Gefahr der Chronifizierung, also dass sich die Nieren nicht wieder erholen.
Etwa 10 % der Menschen sind nach einem akuten Nierenversagen dialysepflichtig.
Auch haben Betroffene nach einem akuten Nierenversagen ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf- Erkrankungen.
Es ist nicht direkt möglich, ein akutes Nierenversagen vorzubeugen, es gibt aber manche Punkte, auf die man in Bezug auf die Nierengesundheit achten kann.
Flüssigkeitszufuhr
Für die Nieren ist es besonders wichtig, dass genug Volumen, also Flüssigkeit im Körper ist, damit sie das Blut problemlos filtern können.
Deswegen kann man einem Nierenversagen vorbeugen, indem man genug trinkt.
Etwa 2–3 L Wasser oder ungesüßte Getränke sind dafür eine gute Menge.
Das fördert eine gute Durchblutung der Niere. Die ausreichende Trinkmenge beugt ebenso der Entstehung von Harnleitersteinen vor, die auch zu einem Nierenschaden führen können.
Bewegung
Körperliche Aktivität, insbesondere Ausdauersport, weitet die Gefäße und trägt somit zu einer besseren Durchblutung bei.
Ernährung
Gesunde Ernährung verhindert, dass sich in den Gefäßen Ablagerungen bilden und sorgt für einen gleichmäßigen Blutfluss.
Alkoholverzicht
Der Verzicht auf Drogen, Alkohol und vor allem nierenschädigende Medikamente wie Schmerzmittel (Ibuprofen, Paracetamol) beugt ebenfalls ein akutes Nierenversagen vor.
Es empfiehlt sich in dem Zusammenhang die Einnahme von Schmerzmitteln ärztlich abklären zu lassen, besonders wenn man schon vorerkrankt ist und auch die Nierenwerte durch eine Blutentnahme regelmäßig zu kontrollieren.
Die Stadien bei einem akuten Nierenversagen werden nach der KDIGO-Klassifikation eingeteilt.
Dabei handelt es sich um eine internationale Organisation, welche die Einteilung von Nierenerkrankungen einheitlich macht, sodass die Behandlung besser erfolgen kann.
Es gibt drei Stadien, welche die ausgeschiedene Urinmenge und den Kreatininspiegel im Blut berücksichtigen.
Kreatinin ist eine sogenannte harnpflichtige Substanz, die normalerweise durch die Nieren gefiltert und ausgeschieden wird.
Wenn die Nieren nicht mehr richtig arbeiten, steigt das Kreatinin also im Blut an.
Das sind die Stadien, mithilfe man die Nierenschädigung einordnen kann, um diese zu diagnostizieren.