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pfeilWas ist das?

Unter einem Niereninfarkt versteht man eine plötzlich auftretende Minderversorgung des Nierengewebes mit Blut, genauer Sauerstoff, die zu vorübergehenden oder dauerhaften Schäden der Niere und ihrer Funktion im Körper führt. Ein Niereninfarkt tritt häufig im Rahmen eines Verschlusses der die Niere versorgenden Blutgefäße auf (ischämischer Niereninfarkt). Selten kommt es durch eine Blutung vor oder innerhalb der Niere zu einer Unterversorgung des Gewebes mit Sauerstoff (hämorrhagischer Niereninfarkt). Der Niereninfarkt ist ein seltenes Krankheitsbild. Lediglich bei 2 von 100.000 Patienten pro Jahr, die in einer Notaufnahme vorstellig werden, ist der Grund eine akute Infarzierung der Niere. Im Rahmen von Obduktionen an verstorbenen Menschen kann jedoch recht häufig der Befund eines abgeheilten Niereninfarktes gefunden werden. Bei etwa einem Prozent der untersuchten Verstorbenen kann nachträglich eine wohl ohne Symptome abgelaufene Unterversorgung des Nierengewebes mit Blut in Form einer Narbe festgestellt werden.

pfeilIst das gefährlich?
potentiell Lebensgefährliche Erkrankung

Ein Niereninfarkt ist gefährlich.

Durch den Verschluss der Vene oder Arterie droht ein Absterben von Gewebe bis hin zum Nierenversagen.

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pfeilWann zum Arzt?

Leidest Du an eintretenden, heftigen seitlichen Bauchschmerzen (Flankenschmerzen) und bemerkst Blut im Urin, solltest Du einen Arzt aufsuchen, um Schäden an der Niere auszuschließen.

Ein Niereninfarkt mit plötzlichen, heftigen Symptomen ist ein Notfall.

Es ist eine Vorstellung in der Notaufnahme eines Krankenhauses notwendig. Dort fällt der Niereninfarkt in das Gebiet der Urologie.

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Anatomie

Die Niere (ren) [1,2] funktioniert wie eine Art Klärwerk für den Körper. Die Nieren produzieren den Urin und sorgen somit für das Ausscheiden von Abfallstoffen/ Giftstoffen. Weitere Funktion der Niere ist die Regulierung des Flüssigkeits- und Elektrolythaushalts, des Säure-Basenhaushalts und des Blutdrucks.

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Ursachen Niereninfarkt

  • Embolie (in 90 % der Fälle) – Gerinnsel gelangt mit Blut in Niere und verschließt dort ein Gefäß.
  • Thrombose – Seltener Thrombose in Nierenarterie.
  • Fremdkörper im Blut sind ebenfalls möglich
    • Tumorgewebe, Cholesterinkristalle, Fett …
  • Risikofaktoren eines Niereninfarkts:

Blutgerinnsel

Die häufigste Ursache eines Niereninfarktes ist der Verschluss eines oder mehrerer die Niere versorgenden Gefäße durch ein Blutgerinnsel.
Hierbei unterscheidet man, ob das Gerinnsel in der Niere direkt entstand (Nierenarterienthrombose) oder aus einer anderen Region des Körpers in die Niere geschwemmt wurde (Nierenembolie, thromboembolisches Ereignis). 
Mit etwa 90 % ist der embolische Verschluss einer Nierenarterie der häufigste Grund.
Dabei entstehen die Blutgerinnsel (Emboli) fast ausnahmslos im Herzen sowie der herznahen Gefäße und werden von dort mit dem Blutstrom in die Niere verschleppt.

Risikofaktoren

Risikofaktoren für die Entstehung eines solche Embolus im Herzen sind zum Beispiel ein nicht behandeltes Vorhofflimmern, verschiedene Herzklappenfehler (vor allem Mitralvitien), aber auch der Zustand nach Herzoperationen oder Herzkathetern mit Aufdehnung der Herzkranzgefäße oder Stenteinsatz.
Bei letzterem wird der Embolus dann vor allem durch Cholesterin gebildet. 

Sind die Nierengefäße durch Arteriosklerose geschädigt, kann es durch das Aufreißen sogenannter Plaques zu einer überschießenden Gerinnung direkt im betroffenen Gefäß kommen.
Es bildet sich dann ein Thrombus, der das Gefäß verlegt. 

Seltene Ursachen sind direkte Verletzungen der Niere oder ihrer Blutversorgung mit starken Blutungen (hämorrhagischer Infarkt) oder generalisierten Entzündungen der Gefäße (Vaskulitiden).

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Symptome Niereninfarkt

  • Asymptomatisch (ohne Anzeichen) – Kleine Niereninfarkte verursachen häufig keine Symptome.
  • Flankenschmerzen – Heftiger, plötzlich auftretender, nicht kolikartiger Flankenschmerz (seitlicher Rückenschmerzen).
  • Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen ebenfalls möglich
  • Fieber ebenfalls möglich
  • Blut im Urin (Makrohämaturie)
  • Blutdruck steigt (Hypertonie)
  • Je nach Ursache können auch weitere Organe von den Gerinnseln betroffen sein
    • Gesichtsfeldausfälle
    • Muskelschmerzen
    • Pankreatitis (Entzündung der Bauchspeicheldrüse)
    • Milzinfarkte

Besonders Infarkte, die nur einen kleinen Bereich des Nierengewebes betreffen, verlaufen oft ohne Symptome und werden vom Patienten nicht oder kaum wahrgenommen, weswegen keine Vorstellung bei einem Arzt erfolgt. 
Generell zeigt der Niereninfarkt keine spezifischen Symptome.

Im Rahmen größerer Infarkte zeigen sich jedoch ausgeprägte Krankheitszeichen, die im Symptombild des sogenannten akuten Abdomens aufgehen:

  • (plötzliche) starke Schmerzen im Bereich des Bauches und des Rückens (Flankenschmerz), meist im Bereich der betroffenen Niere, oft aber auch diffus oder in andere Regionen des Körpers ausstrahlend
  • Abwehrspannung der Bauchdecke („steinharter Bauch“)
  • (eventuell sichtbarer) Blutabgang mit dem Urin
  • (stark) verminderte Urinausscheidung (weniger als 500 oder 100 ml / Tag)
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Bluthochdruck
  • gegebenenfalls Fieber
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Diagnose Niereninfarkt

Ablauf der Diagnostik

Neben der Untersuchung des Blutes und Urins erfolgt die Sicherung des Niereninfarktes durch bildgebende Verfahren, die den Blutfluss in der Niere abbilden sollen.
Hierzu stehen verschiedenen Methoden zur Verfügung: 

  • Ultraschall (Sonografie), eventuell mit Kontrastmittel zur Darstellung der Nierendurchblutung
  • Computertomographie (CT) mit Kontrastmittel
  • Magnetresonanztomographie (MRT), eventuell mit Kontrastmittel

Kommt es zu einer ausgeprägten Schädigung der Niere, zeigt sich dies im Blut anhand unspezifischer Parameter eines erhöhten Zellzerfalls (GOT, LDH, CK) und einem Anstieg der sogenannten „Nierenwerte“ (Retentionsparameter) Kreatinin sowie Cystatin C.
Es ist dann auch ein Abfall der aus diesen Werten berechneten glomerulären Filtrationsrate (GFR) zu erwarten.

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Differenzialdiagnose

Ähnliche Symptome können bei einer Vielzahl anderer Erkrankungen auftreten, die teilweise auch nicht unmittelbar die Nieren betreffen.

Vor allem die Zeichen des akuten Abdomens sind unspezifisch und finden sich bei vielen weiteren krankhaften Geschehen der Bauch- und Beckenorgane.
Können die Beschwerden einer oder beiden Nieren zugeordnet werden, kommen folgende Differentialdiagnosen in Betracht:

  • Nierenzysten – die im Rahmen ihres Wachstums Schmerzen verursachen oder geplatzt sind und eine Entzündung auslösen.
  • Nierentumoren – die im Rahmen ihres Wachstums Schmerzen verursachen.
  • Harnsteine – in Form von Nieren- oder Harnleitersteinen, die bei Verschluss der ableitenden Harnwege kolikartige Schmerzen verursachen können.
  • Entzündung – eine Entzündung der ableitenden Harnwege, besonders des Nierenbeckens (Pyelonephritis)

Alle genannten Differentialdiagnosen können im Rahmen fortschreitender Erkrankung auch zu Blutungen, Veränderung der Urinausscheidung oder Fieber führen.

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Behandlung Niereninfarkt

  • Medikamente – Meistens medikamentös behandelt
    • Schmerzmittel
    • Blutdrucksenker
    • Heparin – hemmt Blutgerinnung und löst kleine Gerinnsel
  • Behandlung der Grunderkrankung (wenn vorhanden)
  • Operative Entfernung des Blutgerinnsels oder Lyse-Therapie bei starkem Niereninfarkt
    • Operative Therapie gefährlich.
    • Lyse: Applikation eines Medikamentes direkt am Blutgerinnsel, dieses wird so aufgelöst.
  • Dialyse – Bei starker Nierenfunktionseinschränkung kann Dialyse notwendig sein.

Ursachenabhängige Behandlung

Je nach Ursache des Infarktes kommen verschiedene Therapiemaßnahmen in Frage.

Blutgerinnsel
Bei einem Verschluss der blutversorgenden Gefäße durch ein Blutgerinnsel ist die Wiederherstellung des Blutflusses vorrangig, um die Versorgung des Gewebes mit Sauerstoff zu gewährleisten.
Hierzu kann eine sogenannte Lysetherapie erfolgen, bei der der Thrombus oder Embolus mittels eines Medikamentes (Fibrinolytika: Alteplase, Streptokinase) gleichsam aufgelöst wird.
Ferner kann das Gerinnsel interventionell über einen Draht, der über einen Hautschnitt in die Niere versorgenden Gefäße bis zum Verschluss vorgeschoben wird, entfernt werden.
Führen die Maßnahmen nicht zum Erfolg, kann ein gefäßchirurgischer Eingriff, eine Embolektomie, nötig sein. 

Symptomtherapie
Symptomatisch steht die Linderung der Schmerzen des Patienten im Vordergrund.
Kommt es im Rahmen des Niereninfarktes zu einer starken Erhöhung des Blutdrucks, muss dieser gesenkt werden.

In der Nachsorge wird der Patient oft für eine gewisse Zeitspanne mit blutverdünnenden Medikamenten (Antikoagulantien) behandelt.
Anschließend steht dann die Therapie der Grunderkrankung im Vordergrund, die eventuell Ursache des Infarktes war (vor allem bei einem embolischen Verschluss).

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Prognose

  • Die Prognose bei einem Niereninfarkt hängt von Ausmaß und Dauer der Minderdurchblutung ab.
  • Von der Erholung der Niere bis zum Nierenversagen ist alles möglich.
  • Spätfolgen: Bluthochdruck und Nierenschwäche.
  • Niereninfarkt durch Cholsterinembolie sehr schlechte Prognose

Oft gute Prognose

Die Mehrzahl der Niereninfarkte verläuft ohne Symptome und hat keine oder nur eine geringe Auswirkung auf die Nierenfunktion – auch ohne Therapie.

Liegt ein großes Infarktareal vor, kann es akut zu schweren Einschränkungen der Funktion der Niere kommen.

Die Behandlungsmöglichkeiten sind allerdings sehr gut. Kann eine Therapie schnell eingeleitet werden, sind die Schäden in der Regel gut zu begrenzen oder sogar umkehrbar.

Nur in seltenen Fällen kommt es zum Absterben großer Teile oder gar des ganzen Organs.

Was sind die Folgen eines Niereninfarktes?

Kleine Niereninfarkte haben meist keine Funktionseinschränkung der Niere zur Folge.
Sterben aber große Teile einer Niere oder sogar das ganze Organ ab, machen sich diverse Störungen der Nierenfunktion bemerkbar.

Hierbei kommt es zum Beispiel zu:

  • Störungen der Zusammensetzung des Urins – die Niere kann der Ausscheidung von überflüssigen Stoffwechselprodukten nicht mehr ausreichend nachkommen.
    Es kommt zu einem Anstau dieser sogenannten harnpflichtigen Substanzen, wie Kreatinin, Harnsäure oder Harnstoff (Urämie).
    Die Folgen einer Urämie sind mannigfaltig. Häufig kommt es zu Juckreiz, Abgeschlagenheit oder auch zu Konzentrationsschwäche.
    Auch können vermehrt Stoffe verloren gehen, die die Niere normalerweise rückresorbiert, wie Natrium und andere Elektrolyte.
  • Verminderter Harnausscheidung
  • Störung der Hormonproduktion der Niere – die Niere ist über komplexe Mechanismen an verschiedenen Regelkreisen beteiligt.
    Über die Aktivierung von Vitamin D nimmt sie zum Beispiel am Kalzium- und Knochenstoffwechsel teil.
    Es kann bei Ausfall zu sogenannten renalen Osteopathien kommen. Des Weiteren erhöht sie über die Ausschüttung von Erythropoetin (EPO) die Produktion roter Blutkörperchen.
    Sinkt der EPO-Spiegel im Rahmen einer Nierenschädigung, kommt es zu einer Blutarmut (renale Anämie). 
  • Veränderungen des Blutdruckes – die Niere ist wesentlich in die Regulation des Blutdruckes über das Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems (RAAS) involviert, indem sie Renin ausschüttet.
    Je nach Schädigungsmuster kann es nach einem Niereninfarkt zu einer verminderten oder verstärkten Aktivierung des RAAS durch das in der Niere gebildete Renin kommen.

 

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Vorbeugung

  • Umstellung des Lebensstils
  • Reduzierung des arteriellen Verkalkungsrisikos
  • Nikotinverzicht
  • Gesunde Ernährung
  • Alkoholverzicht
  • Gewichtsreduktion
  • Ausreichend Bewegung
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Zahlen & Statistiken

  • Häufigkeit – bei einem Niereninfarkt handelt es sich um eine seltene Erkrankung. Inzidenz von 0,007% (neu aufgetretene Fälle)
Epidemiologische FaktenHäufigkeitselten
Alters FaktenAlterk. A.
Geschlecht FaktenGeschlechtk. A.
aktualisiert: 06.02.2026
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