Arzneimittelexanthem, wenn es zu einer allergischen Reaktion aufgrund der Anwendung eines Medikaments kommt.

Ein Arzneimittelexanthem ist eine unerwünschte Reaktion der Haut oder Schleimhaut nach Einnahme von Arzneimitteln bei Unverträglichkeit. Mit Exanthem ist ein plötzlich auftretender Hautausschlag gemeint. Ursache ist in den meisten Fällen eine allergische Reaktion infolge Medikamenteneinnahme, der Ausschlag kann jedoch durch manche Medikamente direkt verursacht werden.
Ein Arzneimittelexanthem ist zwar in den meisten Fällen harmlos und bildet sich nach Absetzen des Medikaments wieder zurück, dennoch gilt es, den Betroffenen zunächst genau zu beobachten.
Kommt es zu seltenen, heftigen allergischen Reaktionen, die den gesamten Körper betreffen, wie Atemnot, Herzrasen, Blutdruckabfall oder Herz-Kreislauf-Ereignisse, muss sofort ein Notarzt verständigt werden.
Meist handelt es sich bei einem Arzneimittelexanthem um eine allergische Reaktion auf ein Medikament. Ist die Reaktion nicht allergisch bedingt, spricht man von einer Pseudoallergie.
Das Arzneimittelexanthem kann in 3 Formen eingeteilt werden.
1. Allergisches Arzneimittelexanthem
Ein Arzneimittelexanthem tritt größtenteils als allergische Reaktion auf ein bestimmtes Medikament auf, gegen das sich die Immunabwehr des Körpers richtet.
Der Körper erkennt das Medikament fälschlicherweise als gefährlich an und versucht es zu bekämpfen.
Sie wird durch T-Lymphozyten verursacht.
Da für die Entwicklung einer allergischen Immunreaktion eine Sensibilisierung nötig ist, tritt das Arzneimittelexanthem bei Einnahme eines neuen Medikaments erst nach einigen Tagen Verzögerung auf.
Bei erneuter Anwendung desselben Medikaments erscheint der Ausschlag dagegen schon innerhalb der ersten 48 Stunden.
Einige Faktoren begünstigen die Enstehung eines Arzneimittelexanthems, zu diesen zählen:
2. Pseudoallergisches Arzneimittelexanthem
Das pseudoallergische Arzneimittelexanthem kommt durch eine unspezifische Histaminfreisetzung aus Mastzellen nach Medikamenteneinnahme zustande. Zentraler Unterschied zur echten allergischen Reaktion ist somit, dass keine Sensibilisierung nötig ist und das Exanthem deshalb bereits nach der ersten Anwendung des Medikaments erscheint.
Als Beispiel hierfür gilt eine Akne – ähnlicher Ausschlag nach Kortisoneinnahme sowie ein Ampicillinexanthem bei einem pfeifferschen Drüsenfieber.
3. Nicht-Arzneimittelbedingte Exantheme
Abzugrenzen von Arzneimittelexanthemen sind zudem Exantheme, die durch Infektionen ausgelöst werden, z. B. Scharlach, Masern und Röteln.
Das Arzneimittelexanthems erkennt man meist an einem Ausschlag der Haut.
Da dieser jedoch sehr unterschiedlich stark in dessen Erscheinung variiert, ist es nicht immer einfach, diesen als Medikamentenausschlag zu identifizieren.
Das Arzneimittelexanthem zeigt sich oft erst Tage nach der erstmaligen Einnahme des Medikaments als juckender Hautausschlag vor allem am Körperstamm sowie Armen und Beinen.
Das Gesicht bleibt häufig unbetroffen.
Die rot gefärbten Hauterhebungen können in verschiedenen Formen auftreten, z. B. kleine Flecken wie bei Röteln oder aber große Flecken wie bei den Masern sind möglich. Quaddeln können ebenfalls auftreten.
Selten tritt der Hautausschlag in Form von größeren Bläschen auf.
Auch Fieber, Übelkeit bis hin zum Erbrechen und Schwellungen der Mundschleimhaut, sowie Lymphknotenschwellungen können das Arzneimittelexanthem begleiten.
Wichtig zu wissen ist, dass die Hautreaktion je nach Individuum unterschiedlich intensiv ausfällt – von milden Verläufen bis hin zu schweren allergischen Reaktionen mit Belastung des Kreislaufs.
Die schwerste, aber zum Glück auch sehr seltene Form des Arzneimittelexanthems ist das sogenannte Lyell-Syndrom.
Hierbei kommt es zu großflächigem Absterben und darauffolgender Ablösung der Haut, weshalb es auch als „Syndrom der verbrühten Haut“ bezeichnet wird.
Da der Ausschlag bei einem Arzneimittelexanthem vielfältig ausgeprägt ausfallen kann, ist die Diagnose nicht immer einfach.
Zunächst wird der Arzt versuchen, im Anamnesegespräch den neu aufgetretenen Hautausschlag in Zusammenhang zu möglichen Ursachen zu setzen und somit auch nach Medikamenteneinnahme fragen.
Der auftretende Hautausschlag steht dabei meist im unmittelbaren Zusammenhang mit der Medikamenteneinnahme.
Anschließend folgt die Untersuchung des Ausschlags, meist kann im Anschluss schon die Verdachtsdiagnose Arzneimittelexanthem gestellt werden.
Der Arzt wird Ihnen empfehlen, das Medikament abzusetzen und damit sollte auch der Hautausschlag zurückgehen.
Beim Dermatologen können zur genaueren Abklärung noch spezifische Tests wie der Lymphozytentransformationstest durchgeführt werden.
Wurde das Medikament abgesetzt und der Hautausschlag ist zurückgegangen, können weitere Tests durchgeführt werden.
Pricktest
Der Arzt wird bei Ihnen einen Hauttest (Prick-Test) durchführen.
Dabei wird eine kleine Menge der Substanz auf die Haut aufgebracht und die Reaktion auf der Haut abgewartet. Kommt es zu Symptomen wie Rötung und Juckreiz, spricht dies für eine allergische Reaktion auf das jeweilige Medikament.
Provokationstest
In einigen Fällen kann ein sog. Provokationstest durchgeführt werden.
Hierbei wird dem Patienten unter ärztlicher Aufsicht das Medikament verabreicht und entsprechende Reaktionen abgewartet.
Da hierbei auch schwere allergische Reaktionen auftreten können, ist dieser Test nur unter ärztlicher Aufsicht durchzuführen.
Lymphozytentransformationstest
Eine weitere Möglichkeit ist der Lymphozytentransformationstest, dabei wird das Blut des Patienten auf spezifische Immunzellen (T-Lymphozyten) untersucht.
Günstigstenfalls sollte man sich an den Arzt wenden, der das auslösende Medikament verschrieben hat.
In der Regel ist der Hausarzt zu konsultieren.
Zur weiteren Abklärung und in besonderen Fällen kann der Besuch eines Dermatologen / Allergologen erforderlich sein.
Ein Arzneimittelexanthem sieht oft vergleichbar mit einem Mückenstich aus. Es kann zu rötlichen Hautausschlag mit Quaddelbildung und Bildung von Bläschen kommen.
Besteht der Verdacht auf ein Arzneimittelexanthem, sollte nach Rücksprache mit dem behandelndem Arzt das auslösende Medikament umgehend abgesetzt werden.
Nach dem Absetzen sollten die Symptome verschwinden und nach alternativen Ersatzmedikamenten gesucht werden.
Der Arzt wird dabei mögliche Kreuzreaktionen des neuen Medikaments beachten.
Existieren keine Ersatzmedikamente und der Patient ist auf die Einnahme des Medikaments angewiesen, werden Antihistaminika und ggf. Cortison vorsorglich mit verschrieben, um eine allergische Reaktion zu verhindern.
In einigen Fällen ist der Patient auf das Medikament angewiesen und es existieren keine Ersatzpräparate auf dem Markt.
In diesem Fall ist es ratsam, eine Hyposensibilisierung durchzuführen.
Der Patient bekommt dabei in kleinen Mengen und zeitlichen Abständen den Wirkstoff des Medikaments verabreicht und es wird eine Art stufenweise Gewöhnung an das Medikament erreicht.
Dies ist zum Beispiel bei bestimmten Antibiotika oder der Insulineinnahme bei Diabetes der Fall.
Die Einnahme von Medikamenten sollte nur nach Rücksprache mit Ihrem Arzt erfolgen.
Sind aufgrund des Arzneimittelexanthems Bakterien in die Haut eingedrungen, ist eine Behandlung mit Antibiotika notwendig.
Hausmittel können ergänzend angewandt werden.
Gegen die Schmerzen des Ausschlags können kühlende Umschläge mit Wasser oder Essigwasser (ein Liter Wasser mit einem Esslöffel Essig) helfen.
Eine Prognose und die Wahrscheinlichkeit für Komplikationen hängen von der individuellen Reaktion des Immunsystems ab – prinzipiell ist bis zu systemischen allergischen Reaktionen jeder Verlauf möglich.
In der Regel verschwindet das Arzneimittelexanthem jedoch bereits wenige Tage, nachdem das auslösende Medikament abgesetzt worden ist.
Sehr selten, jedoch möglich sind auch schwere Verläufe, wie z. B. eine toxisch-epidermale Nekrolyse oder das Steven-Johnson-Syndrom, welche tödlich enden können.
Es kommt dabei zu Infektionen, die sich über die durch das Arzneimittelexanthem geschädigte Haut in die Blutbahn ausweiten.
Nach abgeschlossener Diagnose und einer vorliegenden Allergie gegen ein Medikament sollte dieses, wenn möglich, in Zukunft gemieden werden und auf Ersatzpräparate zurückgegriffen werden.
Auch das Erstellen eines Allergiepasses ist ratsam.
Zudem sollte dem Patienten das auslösende Medikament immer bekannt sein, ggf. als Notiz in der Brieftasche, damit im Notfall die Informationen jederzeit verfügbar ist.
Um einem Arzneimittelexanthem vorzubeugen, sollten Sie stets vor Einnahme eines Medikaments immer Rücksprache mit einem Arzt halten.
Da genetische Faktoren bei der Ausbildung eines Arzneimittelexanthems eine Rolle spielen, ist eine Vorbeugung größtenteils nicht möglich.
Sind Allergien gegen bestimmte Medikamente in der Familie bekannt, sollten Sie Ihren behandelnden Arzt darüber informieren.
Das Mitführen eines Allergiepasses ist ebenfalls ratsam, damit immer alle nötigen Informationen vorliegen.
Wichtig ist die Aufklärung des Patienten und die Ausstellung eines Allergiepasses, in dem unverträgliche Medikamente angegeben sind.
Damit kann bei künftigen Arztbesuchen oder Krankenhausaufenthalten eine erneute Gabe dieser Medikamente und somit ein Arzneimittelexanthem vermieden werden.